Overtourism bei Trails“Wer Trails baut, baut immer auch für andere”, sagt Jasper Jauch

Laurin Lehner

 · 04.04.2026

Overtourism bei Trails: “Wer Trails baut, baut immer auch für andere”, sagt Jasper JauchFoto: Kirsten J- Sörries
Trails teilen oder geheim halten? Eine Frage, die sich viele Biker stellen - besonders bei sensiblen Trails.
Trails legalisieren sich nicht von alleine. Meist steckt eine kleine Gruppe von Bikern viel Hirnschmalz und Zeit in so ein Projekt. Fahren wollen die Trails dann aber alle – und bei zu viel Frequentierung leidet die Strecke. Was also tun? Profi-Biker Jasper Jauch hat die Lösung.

​Text: Jasper Jauch

Trails, Arbeit und das Prinzip „Geben und Nehmen“. Es ist ein Prinzip, das man in vielen Lebensbereichen kennt: Einige Menschen geben Gas, stecken Zeit, Geld und Herzblut in ein Projekt – und andere profitieren einfach davon, ohne etwas zurückzugeben. Kein Wunder, dass das bei den Machern ein unangenehmes Gefühl hinterlässt.

Bei Mountainbiketrails läuft es oft ähnlich. Manche Regionen legalisieren Trails für die Jugend, erlauben sie aber nur unter der Bedingung, dass sie nicht touristisch beworben werden. Ziel ist nicht, auswärtige Biker anzuziehen, sondern die lokalen Biker zu kanalisieren und illegalen Trailbau zu verhindern. Externe Biker sind also nicht automatisch willkommen. Besonders relevant ist das in Gegenden, in denen „Overtourism“ eine Rolle spielt – zum Beispiel in Oberbayern oder im Allgäu.

Auch wir als Magazin hören das immer wieder: „Bringt nichts über uns.“ Die Sorge dahinter ist nachvollziehbar: Zu viele Stadt-Biker könnten die Trails zerstören und danach wieder verschwinden.

Bike-Profi und YouTuber Jasper Jauch kennt diese Herausforderungen aus erster Hand. Er hat kürzlich einen Verein gegründet, um einen alten Dirtpark zu übernehmen und wieder auf Vordermann zu bringen. Viele Stunden Arbeit, Papierkram, Abstimmungen – der Aufwand war enorm. Heute ist der Park fertig – und wie so oft fahren nicht nur die wenigen, die ihn wiederbelebt haben, sondern auch viele andere.

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Jasper Jauch: Das ist meine Meinung!

Wem gehört der Trail? Ich stehe am Dirtpark, das Telefon klingelt und ihr fragt mich nach eine Thema, das mich gerade eh beschäftigt. Wer darf hier eigentlich fahren?

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Wir stecken hier Stunden rein. Tage. Wochenenden. Schaufel in der Hand, Erde im Gesicht. Und am Ende stehen da 100, vielleicht 150 Leute, die den Park regelmäßig nutzen. Im Verein? 30.

Also: Zaun drum? Zugang nur für Mitglieder?

Ganz ehrlich: Das kann’s nicht sein.

Ich baue keinen Dirtpark, um meinen Namen dranzuschreiben. Ich mache das nicht, um Besitzansprüche zu stellen. Ich mache das für die Kids – für die, die so sind wie ich früher. Kein Geld, aber Bock aufs Biken. Einen Ort haben, an dem man fahren kann, statt irgendwo Mist zu bauen.

Und genau deshalb passt für mich dieses Denken nicht: Trails bauen, aber bitte nicht drüber reden und möglichst geheim halten. Öffentlich und legal sein, aber möglichst unsichtbar bleiben.

Klar, der Punkt ist berechtigt: Wenn zu viele kommen, leidet der Trail. Wenn keiner mithilft, bleibt die Arbeit an wenigen hängen. Das nervt – und zwar zu Recht.

Aber die Antwort darauf ist nicht Abschottung. Die Antwort ist Beteiligung.

Mein Rat: Stellt eine Spendenbox auf. Sprecht die Leute an. Macht klar, wie viel Arbeit drinsteckt. Organisiert Events, holt euch Rückhalt in der Region. Gebt den Leuten die Chance, Teil davon zu werden – statt sie direkt auszuschließen.

Ich habe selbst erlebt, wie absurd das Ganze werden kann. In einem Trailpark in Mitteldeutschland. Ich war dort fahren, ganz entspannt, ohne irgendwas zu posten. Keine Story, kein Content, nichts, was die Massen anziehen könnte. Trotzdem wurde mir später vorgeworfen, ich hätte den Spot „gepusht“ und damit dafür gesorgt, dass jetzt alle kommen und alles kaputt fahren.

Und genau da läuft etwas schief. Dieser Reflex, sofort mit dem Finger zu zeigen, statt die Situation differenziert zu sehen. Wenn ein Trail öffentlich und ausgeschildert ist, dann ist er öffentlich. So einfach ist das.

Und vielleicht sollte man sich auch mal klarmachen: Mehr Biker bedeuten nicht automatisch mehr Probleme. Sie bedeuten auch mehr Potenzial. Mehr Leute, die mit anpacken. Mehr Stimmen, wenn es darum geht, neue Flächen zu bekommen. Mehr Szene.

Ja, es gibt die, die nur fahren und nichts zurückgeben. Gab es schon immer. Aber es gibt eben auch die anderen – die, die bleiben, helfen, bauen.

Die Frage ist nur: Lässt man sie überhaupt?

Am Ende ist es simpel: Wer Trails baut, baut immer auch für andere.

Und genau das ist eigentlich das Beste daran.”

“Wer Trails baut, baut immer auch für andere”, sagt Jasper Jauch.Foto: Jan Volbracht“Wer Trails baut, baut immer auch für andere”, sagt Jasper Jauch.

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Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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