Schaltungen

Mit Fräse & Drucker: die Ingrid-Schaltung

Adrian Kaether

 · 07.02.2022

Mit Fräse & Drucker: die Ingrid-SchaltungFoto: Hersteller

Der neue Custom-Antrieb vom italienischen CNC-Fräser sieht nicht nur gut aus, sondern überzeugt auch auf dem Papier. Wir stellen die neue Ingrid MTB-Schaltung vor.

Kühl, kantig, reduziert. Das neue Ingrid-Schaltwerk wirkt wie eine Studie aus dem Designer-Büro, weniger wie ein Bauteil für den harten Einsatz im Gelände. Mit großer Leidenschaft für das Produkt-Design haben die Italiener Giulio Mancini und Giacomo Zenobi einen Mountainbike-Antrieb entwickelt, der sich bewusst von den Branchenriesen Shimano oder Sram abheben soll. Nachdem die beiden Ingenieure unter der Marke Ingrid zunächst nur ihre eigene Kassette vorgestellt hatten, steht inzwischen ein ganzer Antrieb zur Verfügung. Die kleine Custom-Schmiede ist damit – neben Rotor und TRP – einer der wenigen Hersteller, die sich überhaupt in den von Sram und Shimano beherrschten Markt der MTB-Schaltungen wagen. Kurbel, Kettenblatt, Schaltwerk und Kassette, alles kommt bei Ingrid im cleanen CNC-Look und in verschiedenen Eloxal-Farben daher. Custom-Fans läuft da schon das Wasser im Mund zusammen.

  Kurbel und Kettenblatt der neuen Ingrid-Schaltung kommen aus der CNC-Fräse.Foto: Hersteller
Kurbel und Kettenblatt der neuen Ingrid-Schaltung kommen aus der CNC-Fräse.

Doch funktioniert die Ingrid-Schaltgruppe auch in der Praxis so gut wie sie aussieht? Zumindest laut Datenblatt sind die Voraussetzungen dafür gegeben. Zwölf Gänge sortiert das teils 3D-gedruckte, teils aus Alu gefräste Schaltwerk auf der zweiteiligen Kassette. Mit 10 bis 48 Zähnen fällt die Bandbreite mit 480 Prozent etwas geringer aus als bei den Antrieben von Shimano und Sram. Dafür sollen die Gangsprünge homogener sein – gerade für sportliche Fahrer ein Argument. Die zweiteilige Kassette wird aus Alu und Stahl aus dem Vollen gefräst, so soll sie leicht und langlebig zugleich sein. Wie bei der Konkurrenz üblich sind die Kassettenzähne asymmetrisch geformt, um die Schalt-Performance zu steigern und ein Abfallen der Kette auch beim Rückwärtstreten zu verhindern. Ein Dämpfer im Schaltwerk verringert Kettenschlagen und lässt sich bei Bedarf leicht warten oder ersetzen. Ebenfalls aus der CNC-Fräse kommen Kurbel und Kettenblatt. Das Narrow-Wide-Profil soll die Kette zuverlässig übers Kettenblatt führen. Die Kurbelarme werden aus je zwei Frästeilen zusammengesetzt und ergeben so ein leichtes und steifes Hohlprofil. Geschaltet wird mit Triggern von Sram, bis der eigene Schalthebel die Marktreife erreicht hat. Das Gewicht soll etwa auf XTR-Niveau liegen, der Preis bei rund 1500 Euro ohne Kette und Schalthebel.

  Die 12fach-Kassette der Ingrid-Schaltung mit einer Abstufung von 10-48 Zähnen.Foto: Hersteller
Die 12fach-Kassette der Ingrid-Schaltung mit einer Abstufung von 10-48 Zähnen.

Interview mit Giulio Mancini, Entwickler Ingrid Components

BIKE: Wie kam es dazu, dass Ihr als Zwei-Mann-Unternehmen jetzt eine komplette Schaltgruppe macht?

Giulio Mancini: Das Projekt Ingrid begann 2016, nach der Kooperation mit Leonardi Racing (italienische Custom-Firma, Anm. d. Red.). Dort waren wir für das Design der Antriebskomponenten zuständig. Daraus und aus einem Mix aus Leidenschaft für das Biken und einer Abneigung gegenüber Umwerfern entstand dann die Idee zur eigenen Schaltung.

Was macht Ihr besser als Shimano und Sram?

Als kleines Team können wir nicht mit diesen Riesen konkurrieren. Das ist auch nicht der Anspruch. Wir wollen ein gutes Produkt machen, aber vor allem eins, das anders ist. Handwerklicher, persönlicher, weniger alltäglich.

Bei Euch kommen vor allem Stahl und Alu zum Einsatz. Wäre Titan oder Carbon nicht noch leichter?

Wir bei Ingrid mögen Metalle. Damit kennen wir uns aus. Titan könnte ich mir in Zukunft auch vorstellen, das ist vor allem eine Kostenfrage. In etwas fernerer Zukunft wäre sogar Carbon eine Möglichkeit. Man muss aber bedenken: Für jede Anforderung gibt es das passende Material. Und für unseren Einsatzbereich funktionieren Stahl und Alu bislang sehr gut.

Die Ausnahme ist der Schaltkäfig. Dort setzt Ihr auf 3D-Druck. Warum?

Mit dem 3D-Druck lässt sich eine Form realisieren, die wir zum Beispiel mit der CNC-Fräse oder mit einer Gussform nicht machen könnten. Wir verwenden zum Drucken ein klassisches Polyamid, das haltbar und leicht ist und mit dem sich sehr präzise fertigen lässt. An den entscheidenden Stellen kommen aber trotzdem steife CNC-Teile zum Einsatz, die maximale Schaltpräzision gewährleisten.

  Beim Anblick des Ingrid-Schaltwerks dürfte Custom-Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen. 270 Gramm soll es wiegen.Foto: Hersteller
Beim Anblick des Ingrid-Schaltwerks dürfte Custom-Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen. 270 Gramm soll es wiegen.

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