Winterreifen fürs FahrradWann Allwetterreifen und Spikes sinnvoll sind

Barbara Merz-Weigandt

 · 04.10.2026

Für Radfahrer besteht keine Winterreifen-Pflicht. Im Herbst kann sich ein Reifenwechsel am Fahrrad trotzdem lohnen.
Foto: Georg Grieshaber
„Von O bis O“, also von Oktober bis Ostern, erinnert viele Autofahrer daran, ihre Bereifung auf winterliche Bedingungen vorzubereiten. Für Fahrräder und normale Pedelecs gibt es in Deutschland jedoch weder einen festen Wechseltermin noch eine Winterreifenpflicht. Trotzdem lohnt sich die Reifenfrage spätestens dann, wenn nasses Laub, Schneematsch oder Eis auf dem Arbeitsweg und dem Trail auftauchen.

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Entscheidend für die Wahl des richtigen Reifens ist nicht der Kalendermonat, sondern der Untergrund, auf dem du tatsächlich fährst. Dazu hilft zunächst ein Blick auf die aktuell montierten Reifen, um deren Zustand und Profil, Karkasse und Einsatzzweck prüfen.

Brauchen Radfahrer im Winter spezielle Reifen?

Nicht grundsätzlich. Auf überwiegend geräumten, nassen Straßen kann ein intakter Allwetterreifen genügen. Bei regelmäßigem Schnee lohnt ein Reifen mit wintertauglicher Mischung und geeignetem Profil. Auf vereisten Wegen sind Spikes die deutlich wirksamere Wahl. Der Unterschied ist messbar: In einem Winterreifenvergleich von TCS und ADAC waren die Bremswege von Winterreifen auf festgefahrenem Schnee bei zwei Bar im Mittel 16 Prozent kürzer als bei Sommerreifen; auf glattem Eis blieb der Vorteil von Reifen ohne Spikes dagegen gering. Das ist ein älterer Vergleich aus dem Jahr 2021, kein aktueller Modelltest.

Anders als bei Kraftfahrzeugen greift die situative Winterreifenregel der Straßenverkehrs-Ordnung (§2 StVO) nicht für das gewöhnliche Fahrrad. Auch „O bis O“ ist keine gesetzliche Frist. Für die Praxis ist die Frage wichtiger: Ist deine Route nach Frostnächten zuverlässig eisfrei, oder fährst du morgens über schattige Brücken, ungeräumte Nebenwege und Waldpassagen?

​Fazit: Erst prüfen, dann wechseln

Wer überwiegend auf geräumten Wegen fährt, braucht keinen Reifenwechsel. Ein guter Allwetterreifen kann die unkomplizierte Lösung sein. Wer regelmäßig durch Schnee oder Matsch fährt, profitiert von einer wintertauglichen Mischung und passendem Profil. Wer eisige Strecken nicht vermeiden kann oder für Touren abseits geräumter Wege fährt, sollte Spikes erwägen und die Nachteile auf Asphalt einkalkulieren. Und wenn Blitzeis den Weg zur Rutschbahn macht, ist Umkehren vernünftiger als jeder Reifenkauf.

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Welche Reifen passen zu welchem Winterweg?

Typischer UntergrundSinnvolle BereifungGrenze der Lösung
Nasser Asphalt, Laub, gelegentlicher SchneematschGriffiger Allwetterreifen mit geeignetem ProfilKein verlässlicher Halt auf blankem Eis
Regelmäßig Schnee, Matsch und unbefestigte WegeWintertauglicher, breiterer Reifen mit passendem ProfilStollen allein ersetzen keine Spikes auf Eis
Häufig überfrorene Wege und EisstellenSpike-Reifen, möglichst mit ausreichend Spikes an den SchulternLauter und träger auf freiem Asphalt
Blitzeis oder großflächig blankes EisFahrt verschieben oder anderes Verkehrsmittel wählenAuch Spikes machen die Situation nicht risikofrei

Allwetterreifen, Winterreifen oder Spikes: Was leisten die Modelle?

Allwetterreifen für den Alltag: Der Schwalbe Marathon 365 ist ein Beispiel für einen Ganzjahresreifen mit Lamellenprofil und Pannenschutzeinlage. Er richtet sich an Fahrer, die bei Kälte, Nässe und leichtem Schnee unterwegs sind und nicht zweimal im Jahr Reifen wechseln möchten. Für spiegelglatte Eisflächen ist ein Reifen ohne Spikes dennoch nicht die passende Antwort.

Winterreifen ohne Spikes: Der Continental Top Contact Winter II Premium ist ein Beispiel für einen speziell auf winterliche Straßen ausgelegten Reifen ohne Metallstifte. Solche Modelle sind interessant, wenn Schnee und kalter, nasser Asphalt häufiger vorkommen, vereiste Strecken aber gemieden werden können. Prüfe vor dem Kauf die konkret angebotene Größe und die Eignung für dein Rad.

Spikes für Eis: Der Schwalbe Marathon Plus Spike, früher Marathon Winter Plus, ist auf den winterlichen Alltag ausgelegt. Für MTB-Fahrer ist der Schwalbe Ice Spiker Pro eine stärker geländeorientierte Option; je nach Ausführung nennt der Hersteller bis zu 402 Spikes. Die Metallstifte greifen auf Eis, verursachen auf freiem Asphalt aber mehr Geräusche und höheren Rollwiderstand. Diese Anleitung zur Spike-Montage zeigt, wie neue Reifen eingefahren und verlorene Spikes ersetzt werden. Die genannten Modelle sind Beispiele.

Worauf musst du beim Reifenkauf im Herbst und Winter achten?

  • Untergrund vor Produktname: Für Matsch und losen Schnee sind Profil und Reifenbreite wichtig. Für Eis zählen Spikes und Seitenführung. Ein grober MTB-Stollenreifen ist kein Ersatz für einen Spike-Reifen auf Glatteis.
  • Passform und Reifenfreiheit: ETRTO-Größe, Felge und zulässige Reifenbreite müssen zusammenpassen. Kontrolliere den Platz an Gabel, Hinterbau und Schutzblechen auch bei eingefedertem Rad und mit Matsch am Reifen. Spike-Reifen können breiter ausfallen als erwartet.
  • Mischung und Zustand: Ein wintertaugliches Profil nützt wenig, wenn der Reifen abgefahren oder beschädigt ist. Kontrolliere Lauffläche, Seitenwand und Pannenschutz vor der Saison.
  • Luftdruck: Etwas weniger Druck kann die Aufstandsfläche und den Grip auf nachgiebigem Untergrund erhöhen. Bleib aber innerhalb der Druckgrenzen von Reifen und Felge und berücksichtige Gewicht, Fahrstil und Durchschlagsrisiko. Ein Manometer ist zuverlässiger als die Daumenprobe. Dieser Artikel erklärt, warum der richtige Reifendruck vom Einsatz abhängt. Weniger Druck macht aus einem normalen Reifen keinen Eisreifen.
  • E-Bike-Zulassung: Beim Pedelec mit Unterstützung bis 25 km/h sind geeignete Fahrrad-Spikereifen möglich. Das S-Pedelec bis 45 km/h ist dagegen ein Kleinkraftrad - Spike-Reifen sind dafür nicht zulässig. Für Reifen ohne Spikes sind Freigabe, Geschwindigkeits- und Tragfähigkeitskennzeichnung sowie die Vorgaben der Fahrzeugpapiere und des Herstellers entscheidend.
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Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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