Jan Timmermann
· 06.08.2026
Vom neuen Specialized Pathfinder Reifen wünschten sich die Profi-Athleten mehr Volumen, mehr Traktion und mehr Geschwindigkeit. Also gönnten die Kalifornier ihrem Gravel-Reifen mehr Luftvolumen und vergrößerten ihn auf die Dimensionen 29 mal 2,2 Zoll. Trotz mehr Material soll der Pathfinder 2.2 nicht an Gewicht zugelegt haben. Specialized Rennfahrer nutzten die Neuentwicklung bereits sowohl in Gravel- als auch in Cross-Country-Rennen. Ob das schnelle Gummi auch etwas für nicht-Profis ist? Wir haben es ausprobiert.
Nachdem ich den neuen Specialized Pathfinder 2.2 sowohl am Gravelbike als auch am Mountainbike getestet habe, muss ich sagen: Der sinnvolle Einsatzbereich am Cross-Country-Renner ist so schmal wie der Reifen selbst und beschränkt auf maximal schnelle, trockene Sprint-Kurse. Anders sieht das am Gravelbike aus. Dort überzeugt die Kombi aus Leichtlauf und Dämpfung. Grip können andere aber noch besser. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Ursprünglich wurde der Specialized Pathfinder für Gravelbikes entwickelt. Inzwischen steigen aber auch die Geschwindigkeiten im Cross Country Worldcup immer weiter an. Gerade in den Short-Track-Rennen ist das Tempo höher denn je und Hersteller suchen verstärkt nach kleinen aber entscheidenden Vorteilen. Deshalb testen immer mehr Rennteams großvolumige Gravel-Reifen an XC-Mountainbikes. Schon 2025 in Nové Město na Moravě konnte man viele World Cup Athleten auf schmalen, wenig profilierten Reifen beobachten. Die aerodynamischen Vorteile eines schmalen Reifen können auf Weltniveau rennentscheidend sein.
Im direkten Vergleich zum Vorgänger spricht Specialized dem Pathfinder 2.2 einen Vorteil von 21 Watt bei 30 km/h zu. Das erreichen die Amerikaner vor allem durch einen optimierten Aufbau mit Gripton T2/T5 Gummimischung und einer angepassten Karkasse. Laut Specialized soll der größere Reifen ein besseres Pannenverhalten aufweisen, wodurch weniger Material eingesetzt werden musste. Außerdem soll der Reifenaufbau für schnelles Rollen in der Profilmitte auf ein härteres und an den Außenseiten zugunsten des Kurvengrips auf eine weicheres Gummi setzen.
Zwischen den filigranen Titanrohren unseres Test-Gravelbikes wirkt der neue Specialized Pathfinder 29 x 2,2 wie ein Ballon kurz vor dem Platzen. Groß und rund bläst sich der Reifen auf. Bei den meisten Gravelbikes kann das aktuell noch zum Problem werden. Nur die wenigsten Modelle sind für 55 Millimeter breite Schlappen freigegeben. Der Trend geht jedoch eindeutig in Richtung Breitreifen. Selbst das neue, gewichtsoptimierte Specialized Crux 5 Race-Gravelbike wurde auf die 55 Millimeter breiten Pneus ausgelegt. Durch sein großes Volumen dämpft der Pathfinder die Fahrt geschmeidig ab. Kleine Kiesel werden einfach aufgesaugt, Asphalt-Kanten verlieren ihren Schrecken. Für den Fahrkomfort ist der fette Specialized Reifen ein Gewinn.
Auf Asphalt, feinem Kies und bei trockenen Bedingungen spielt der Pathfinder seine Stärken voll aus. Selbst auf der Straße rollt der geschlossene Mittelsteg schnell und geräuscharm ab. In einfachem Terrain und in urbaner Umgebung lässt sich damit zügig Strecke machen. In der Kurve kommt das weichere Seitengummi zu Tragen. Damit lässt der Reifen mehr Lehnung zu, als man seinem zahmen Äußeren zutrauen möchte - Daumen hoch! Bei nassem Untergrund oder grobem Schotter ändert sich das Bild. Grip und Traktion sind zwar noch immer ordentlich, können aber nicht mit anderen Gravelreifen der Dimension 29 mal 2,2 oder 2,1 Zoll mithalten. Beim Ritt durch den feuchten Wald wichen wir Matsch und Wurzeln lieber aus.
Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt der Specialized am Mountainbike - wo er optisch wiederum ungewohnt schmal ausschaut. Für Shorttrack-Rennen an trockenen Tagen ist der neue Pathfinder definitiv ein Ausprobieren wert. Auf der Start-Ziel-Geraden etwa zieht das schnelle Gummi merklich widerstandsarm nach vorne. Hier wird der Fahrer-Input unmittelbar in Speed verwandelt. Biegt der Kurs in den Wald, ist Vorsicht geboten. Rennfahrer sollten ihre Linie gezielt wählen, um Traktion und Grip nicht zu verlieren. Der Pathfinder 2.2 ist offenkundig ein Spezialist - gut für das letzte Quäntchen Vorteil im Wettkampf, kompromissbehaftet im täglichen Einsatz.
Wie seht ihr das: Wäre der neue Specialized Pathfinder ein Match für euer Race-Mountainbike oder passt er besser ans Gravelbike? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

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