Pirelli Scorpion Race ENEnduro-Reifen zum Draufhalten

Stefan Frey

 · 23.04.2026

Mit dem Scorpion Race EN M hat der italienische Reifenhersteller Pirelli ein echtes Schwergewicht für den Enduro-Race-Einsatz entwickelt, der maximalen Grip und Pannenschutz im extremen Gelände bieten soll.
Foto: Max Fuchs

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Draufhalten und gut! Pirelli hat mit dem Scorpion Race Enduro M einen echten Berserker für extreme Enduro-Einsätze im Programm. Mit Duall-Wall-Karkasse und Smart-Evo-Mischung für maximalen Grip und Pannenschutz zielt Pirelli auf den Renneinsatz ab. Mit einem Gewicht von weit über 1300 Gramm und einem Preis von fast 90 Euro ist der italienische Enduro-Reifen ein echter Hardcore-Schlappen. Wir haben herausgefunden, wie sich der Scorpion Race Enduro M im Vergleich mit der Konkurrent schlägt.

Themen in diesem Artikel

​Italienisches Racing-Flair: Pirelli Scorpion Race Enduro M

Pirelli hat ernst gemacht. Nach den ersten Gehversuchen im MTB-Bereich markiert die Scorpion Race-Serie den Angriff auf das Enduro-Podium. Das „M“ im Namen steht für Mixed Terrain und ist das Herzstück der Range. Hier trifft eine kompromisslos klebrige Gummimischung auf eine Karkasse, die speziell für die harten Anforderungen moderner Enduro-Rennen entwickelt wurde. Ein Reifen für Fahrer, die maximale Traktion auf unterschiedlichsten Böden suchen.


​Diese Enduro-Reifen haben wir getestet:


Charakter und Einsatzgebiet

Der Scorpion Race Enduro M ist das Schweizer Taschenmesser für die grobe Gangart. Sein Profildesign mit eher eng stehenden Mittelstollen und massiven Seitenstollen ist darauf ausgelegt, auf harten Böden ebenso zu glänzen wie auf lockerem Waldboden. Er bietet ein extrem vorhersehbares Grenzverhalten – das gefürchtete „Wegschmieren“ soll hier durch einen sanften Übergang ersetzt werden. Dank der SmartEVO DH Mischung klebt der Reifen förmlich am Boden und bietet eine Eigendämpfung, die man sonst nur von schweren Downhill-Schlappen kennt. Sein ideales Einsatzgebiet sind technische Enduro-Stages und Bikepark-Einsätze, bei denen die Bodenbeschaffenheit ständig wechselt.

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Stärken und Schwächen

Stärken:

  • Überragender Grip: Die SmartEVO DH Mischung bietet massig Grip – sie saugt sich förmlich an Steinen und Wurzeln fest.
  • Berechenbarkeit: Sehr stabiles Handling in Schräglage ohne plötzliche Traktionsabrisse.
  • Stabile Karkasse: Die DualWALL-Konstruktion bietet exzellenten Durchschlagschutz und hohen Support bei niedrigen Drücken.
  • Dämpfung: Hoher Komfort und Ruhe im Fahrwerk durch die weiche Gummimischung.
  • Selbstreinigung: Das Profil des Scorpion setzt sich auch im schlammigen Einsatz wenig zu.

Schwächen:

  • Rollwiderstand: Wie zu erwarten, reiht sich der Scorpion beim Rollen weit hinten im Feld ein; der Fokus liegt klar auf Bergab-Performance.
  • Verschleiß: Wie bei allen weichen Rennmischungen leiden die Kanten bei intensivem Einsatz am Hinterrad merklich.
  • Gewicht: Mit weit über 1200 g kein Leichtgewicht, was sich beim Beschleunigen bemerkbar macht.
  • Sehr teuer: Mit einem Preis von 90 Euro pro Stück lässt sich Pirelli den Scorpion teuer bezahlen.

​​Pirelli Scorpion Race EN M - Facts & Preis

Pirelli Scorpion Race EN M
Preis89,90 >> hier erhältlich
Gummimischung / TPISmart Evo DH (40 A) / 120
Karkasse / GrößeDual Wall / 29 x 2,5
Labortest
Gewicht / Rollwiderstand1381 g / 46,3 Watt
Reifenbreite / Reifenhöhe63,2 / 58,9 mm
Durchschlag / Durchstich520 mm / 115; 595; 510 N
Praxistest
Kurvenverhalten■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■
Traktion■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ □
Selbstreinigung■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■
BIKE-Note2,07
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bike/einsatzbereich-pirelli_2d095c9738c51b6cdbe928a0824dbff0Foto: Stefan Frey

Fazit: Pirelli Scorpion Race EN M

Wo die Maxxis-Kombi das Skalpell ist, fühlt sich der Pirelli eher wie die Streitaxt an. Der schwerste Reifen im Test baut zudem am breitesten. Großes Volumen, stabile Karkasse und weiche Gummimischung erzeugen ein sattes Fahrgefühl mit hoher Traktion und Souveränität. Der Scorpion ist fürs Draufhalten gemacht und erzielt auch die höchsten Durchschlagswerte im Labor. Das hohe Gewicht stabilisiert zwar bergab, sorgt aber auch für eine sehr träge Beschleunigung. Aufgrund seiner Breite ist der Pirelli nur für Hinterbauten mit ausreichend Reifenfreiheit geeignet. Mit 90 Euro sehr teuer.


​​So testet Bike

Mit insgesamt zehn unterschiedlichen Reifen ging es ins Labor von Reifenhersteller Ralf Bohle, wo wir Werte zum Pannenschutz, Rollwiderstand und Gewicht ermittelten. Der Praxistest fand im Bikepark Oberammergau auf unterschiedlichen Strecken statt.

Der Test im Labor

Wie gut rollen die Reifen und wie hoch ist der Pannenschutz? Um diese Fragen zu klären, nutzten wir das Testlabor von Schwalbe. Den schnellen Specialized-Eliminator-Hinterreifen und den Maxxis Highroller trennen über 21 Watt bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h, 50 kg Last und 1,7 Bar Reifendruck. Auch beim Snakebite-Schutz gibt es deutliche Unterschiede. Während der leichte Specialized Butcher bereits bei einer Fallhöhe von 310 Millimetern die Luft aushaucht, verträgt der dicke Pirelli Scorpion einen um 70 Prozent höheren Schlag bis zum Defekt. Wie empfindlich die Reifen auf Fremdkörper wie Dornen oder spitze Steine reagieren, testen wir mit einem dreifachen Durchstichtest ab. Dabei werden ein runder Dorn mit 1,5 Millimetern Durchmesser und eine Fünf-Millimeter-Klinge durch der Lauffläche gestochen. Auch an der Steitenwand wird der Test mit der Klinge durchgeführt. Beim Durchstich gibt es Unterschiede von bis zu 70 Prozent.

Der Praxistest in Oberammergau

Um die Reifen im direkten Vergleich gegeneinander fahren zu können, organisierten wir uns drei identische Canyon Neuon:On AL 8. Der Test fand bei Regenwetter und zwölf Grad Außentemperatur im Bikepark Oberammergau statt. Auf kleinen Runden bzw. Sektionen konnten wir die Reifen mit drei Testfahrern so perfekt miteinander Vergleichen. Traktion für den Uphill und beim Bremsen, Kurvenhalt und Selbstreinigung wurden für jeden einzelnen Reifen bewertet. Zusätzlich spielen auch Fahrstabiliät und Dämpfungsverhalten mit in die Gesamtnote ein. Die Praxiseindrücke machen 50 Prozent der Endnote aus. Weitere 30 Prozent entfallen auf den Pannenschutz, während Gewicht und Rollwiderstand zusammen 20 Prozent zur Endnote beitragen.


Stefan Frey

Stefan Frey

Redakteur

Stefan Frey ist Niederbayer, er liebt die moosig-lehmigen Trails des Bayerischen Waldes ebenso wie den schroffen Fels der Dolomiten. Für technische Abfahrten nimmt er nahezu jeden Anstieg in Kauf – gerne aus eigener Kraft. Als Zubehör-Spezialist ist er die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Ausrüstung und Anbauteilen, während er als Textchef die Sprachkrümel von den Seiten der BIKE-Print-Ausgaben fegt.

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