Mountainbike-ReifenDiesen Einfluss haben Karkasse und Gummimischung

Florentin Vesenbeckh

 · 08.01.2023

Gib Gummi! Über 25 Reifenvarianten haben wir durchs Labor geschleust.
Foto: Georg Grieshaber
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Schwalbe, Maxxis, Continental: Drei Hersteller dominieren den Markt der Mountainbike-Reifen. Was passiert, wenn man deren beste Kombis zum Schlagabtausch bittet? Und warum ist die Wahl der Marke dabei zweitrangig? Zwölf Reifen für All Mountain Bikes und Enduros im Labor- und Praxistest.

Inhalt dieses Artikels

Ein Mountainbike-Reifen ist ein einziger Kompromiss. Hoher Pannenschutz oder geringes Gewicht? Massig Grip und Traktion oder gute Haltbarkeit und leichter Rollwiderstand? All diese Eigenschaften lassen sich mit modernster Technik zwar optimieren – doch von dem einen Reifen, der alles perfekt kann, müssen wir Biker wohl ewig träumen. Also: Prioritäten setzen. Welcher MTB-Reifen der beste für den persönlichen Einsatzbereich ist, hängt dabei entscheidend vom Aufbau der Reifenwand und der Gummimischung ab. Das Profil, also die Größe, Form und Positionierung der Stollen, ist längst nicht das entscheidende Kriterium. Man könnte sagen: Die wahre Stärke eines Pneus bleibt von außen unsichtbar. Eine Maxxis-Kombi aus Assegai und Minion DHR II sieht auf den ersten Blick immer gleich aus. Doch wer an der Ladentheke steht, muss sich theoretisch für eine von 48 (!) möglichen Kombinationen dieser zwei Profile entscheiden. Bei unseren zwei Testkandidaten von Schwalbe sind es gar 54 Varianten. Verschiedene Laufradgrößen und Reifenbreiten sind dabei übrigens noch nicht mit eingerechnet.

Verlagssonderveröffentlichung
Kryptische Bildchen bei <a href="https://www.bike-magazin.de/komponenten/reifen-schlaeuche/mtb-reifen-continental-kryptotal-im-kurztest/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Contis Kryptotal</a>? Mit den Symbolen auf der Seitenwand sollte man sich vor der Reifenwahl unbedingt beschäftigen. Denn trotz identischem Profil sind die beiden Reifen im Bild ein komplett anderes Kaliber. Das Geheimnis liegt in Gummimischung und Karkassenkonstruktion.Foto: Georg Grieshaber
Kryptische Bildchen bei Contis Kryptotal? Mit den Symbolen auf der Seitenwand sollte man sich vor der Reifenwahl unbedingt beschäftigen. Denn trotz identischem Profil sind die beiden Reifen im Bild ein komplett anderes Kaliber. Das Geheimnis liegt in Gummimischung und Karkassenkonstruktion.

EXO, EXO+ oder Doubledown? Oder doch lieber DH- oder Draht-Karkasse? Und welcher Gummi soll es sein? MaxxTerra? MaxxGrip? Oder doch eher Dual-Compound? Wer bei diesen Begriffen nur rätselnd mit den Schultern zuckt oder sich nicht entscheiden kann, der sollte sich diesen Test ganz genau anschauen. Denn tatsächlich machen die Konstruktionen der MTB-Reifen hinter diesen kryptischen Bezeichnungen einen größeren Unterschied, als das Profil. Das hat unser aufwändiger Test im Labor und in der Praxis deutlich gezeigt.

MTB-Reifen im Vergleich: der Testaufbau

Welchen Einfluss nehmen Karkasse und Gummimischung auf das Verhalten eines Mountainbike-Reifens? Um das herauszufinden, haben wir von den drei marktführenden Herstellern Continental, Maxxis und Schwalbe jeweils zwei Reifen-Kombis zum Test gebeten. Profil und Reifendimension sind dabei jeweils identisch, lediglich Karkasse und Reifenaufbau sowie die Gummimischung ändern sich. Herauskommen drei Allround- und drei Extrem-Kombis mit gänzlich unterschiedlichen Eigenschaften.

Schwalbe, Maxxis, Continental: Die drei Reifenriesen vereinen laut unserer Leserumfrage 90 Prozent des Kaufinteresses. Alle anderen Brands landen im niedrigen einstelligen Prozentbereich.Foto: Max Fuchs
Schwalbe, Maxxis, Continental: Die drei Reifenriesen vereinen laut unserer Leserumfrage 90 Prozent des Kaufinteresses. Alle anderen Brands landen im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Warum nur Maxxis, Schwalbe und Conti? Laut unserer aktuellen Leserumfrage decken diese drei Marken 90 Prozent des Kaufinteresses ab, alle anderen Fabrikate landen bei niedrigen einstelligen Prozentwerten. Außerdem bleibt bei reduzierter Markenvielfalt mehr Kapazität, sich auf die Unterschiede der verschiedenen Modellvarianten zu konzentrieren. Von den drei Marktführern haben wir dabei die gängigsten und vielseitigsten Profile für Trail- bis Enduro-E-MTBs ausgewählt. Von Maxxis die beiden Klassiker Assegai und Minion DHR II; von Schwalbe den Magic Mary und Big Betty; und vom deutschen Gummi-Riesen Continental aus der neuen Gravity-Serie die Allround-Kombi aus Kryptotal Fr (Front) und Re (Rear).

So haben wir die Reifen getestet

Labortest

Um die harten Fakten unter vergleichbaren Bedingungen abzuklopfen, hat das EMTB-Testteam alle Reifen im Testlabor von Reifenhersteller Continental vermessen. Alle Tests wurden bei einem Reifendruck von 1,6 bar auf einheitlichen Felgen durchgeführt. Beim Durchschlagtest saust ein 10,1-Kilo-Fallbeil auf den Reifen. Dabei wird die Fallhöhe so lange erhöht, bis dem Schlauch die Luft ausgeht. Je höher die Fallhöhe, desto besser der Durchschlagschutz. Um einen Durchstich oder ein Aufschlitzen des Reifens zu simulieren, dringt ein Metalldorn durch den Reifen. Einmal auf der Lauffläche und einmal an der Seitenwand. Dabei wird die maximale Kraft gemessen bis die Karkasse durchstoßen ist. Der Rollwiderstand wird auf einem Trommelprüfstand bei 30 km/h und einer Last von 50 Kilo ermittelt. Dieses Prozedere bildet den Rollwiderstand auf Asphalt und sehr harten Untergründen ab.

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Foto: Florentin Vesenbeckh

Praxistest MTB-Reifen auf Scott Ransom eRide

Für unseren Praxistest standen uns drei baugleiche Scott Ransom eRide 910 zur Verfügung. Mit identischem Setup konnten wir schnell und unkompliziert zwischen den Reifenpaarungen wechseln und die Gummis im direkten Vergleich gegeneinander testen. Drei zusätzliche 29er-Laufradsätze ermöglichten es uns, alle 18 Gummis back-to-back und im ständigen Wechsel in definierten Geländesituationen zu fahren und die Unterschiede detailliert herauszufiltern. Vom Kurven-Grip auf harten und losen Böden, über die Traktion in steilen Anstiegen oder auf Wurzeln und das Bremsvermögen im Downhill haben insgesamt vier Tester die relevanten Fähigkeiten einer Reifen-Kombi überprüft. Die herbstlichen Bedingungen boten perfekte Voraussetzungen, auch dem Nass-Grip der Gummis und den Selbstreinigungsfähigkeiten der Profile auf den Grund zu gehen.

Zentraler Part unseres Praxistests ist ein Back-to-back-Vergleich in definierten Fahrsituationen. Alle Reifen-Kombis sind montiert und können munter durchgewechselt werden.
Foto: Max Fuchs

Kurz erklärt: Der Reifenaufbau

Reifenaufbau Continental Kryptotal | lFoto: Hersteller
Reifenaufbau Continental Kryptotal | l

1. Karkasse

Die Karkasse (auch Casing genannt) ist das Grundgerüst eines Reifens und trägt entscheidend zu Gewicht und Stabilität bei. Je mehr Lagen des mit Gummi beschichteten Nylon-Gewebes übereinander liegen, desto robuster wird die Konstruktion. Der Pannenschutz steigt. Aber auch die Dämpfungseigenschaften verändern sich. Dicke Karkassen sind steifer und kosten bei langsamer Fahrt Komfort. Bei hoher Geschwindigkeit dämpfen sie grobe Schläge effektiver ab. Stabile Konstruktionen erlauben einen niedrigen Luftdruck. Der Rollwiderstand steigt mit dicker Karkasse etwas an, da beim Abrollen mehr Walkarbeit anfällt.

2./3. Schutzschild

Zum zusätzlichen Schutz vor Pannen fügen die Hersteller verschiedene Schutzschichten ein. Zum Beispiel in Form eines Gummipuffers am Kern, genannt Apex (3) oder einer stichsicheren Zusatzschicht an Lauffläche und/oder Seitenwand (2).

4. Profil

Das Profil macht optisch den größten Unterschied zwischen verschiedenen Reifen und formt deren Charakter. Vereinfacht gesagt: Hohe Stollen mit großen Freiräumen eignen sich für feuchte Bedingungen und tiefe Böden. Flache, enger beisammen stehende Stollen bevorzugen harten Untergrund.

5. Gummimischung

Über Grip und Rolleigenschaften eines Reifens entscheidet maßgeblich die Gummimischung, auch Compound genannt. Hart rollt gut und ist haltbar, weiche Mischungen kleben förmlich am Boden (viel Grip, hoher Rollwiderstand), verschleißen aber auch deutlich schneller. Auch die Dämpfung des Pneus wird vom Gummi beeinflusst.

Welche Innereien sich unter dem Profil verstecken, verraten die Sticker auf der Seitenwand. DD steht für die robuste Doubledown-Karkasse, MaxxGrip für das weichste Gummi aus dem Maxxis-Portfolio.Foto: Georg Grieshaber
Welche Innereien sich unter dem Profil verstecken, verraten die Sticker auf der Seitenwand. DD steht für die robuste Doubledown-Karkasse, MaxxGrip für das weichste Gummi aus dem Maxxis-Portfolio.

Die Reifen-Kombis im Test

Von jedem Hersteller gehen zwei Reifen-Kombinationen in den Test. Einmal leicht mit härterem Gummi, einmal schwer mit weicher Mischung. Die leichtere Kombi eignet sich jeweils für den Allround-Einsatz auf MTB-Touren und Trails. Die dünnere Karkasse bringt zwar weniger Pannenschutz aber auch ein deutlich niedrigeres Gewicht. Die härtere Gummimischung ist weniger verschleißanfällig und rollt besser. Die Extrem-Kombis sind kompromisslos auf Grip und Durchschlagschutz gepolt und eignen sich damit für abfahrtsorientierte Enduro- und Park-Biker. Je schwerer der Biker und je wilder der Fahrstil, desto mehr macht eine dicke Reifen-Kombination Sinn. Doch das hohe Gewicht der MTB-Reifen macht das Bike-Handling behäbiger.

Schwalbe Big Betty: Das klassische Profil fürs Hinterrad.
Foto: Georg Grieshaber

Allround-Kombis:

Zweimal Schwalbe, zweimal Magic Mary. Vorne: Superground-Karkasse, Gummimischung soft (orange). Hinten: Supergravity Ultrasoft (lila).Foto: Georg Grieshaber
Zweimal Schwalbe, zweimal Magic Mary. Vorne: Superground-Karkasse, Gummimischung soft (orange). Hinten: Supergravity Ultrasoft (lila).
Die Vorderreifen der Maxxis-Kombis: vorne der leichtere Assegai EXO+ MaxxTerra, hinten der robustere Assegai Doubledown MaxxGrip.Foto: Georg Grieshaber
Die Vorderreifen der Maxxis-Kombis: vorne der leichtere Assegai EXO+ MaxxTerra, hinten der robustere Assegai Doubledown MaxxGrip.
Die Vorderreifen der Conti-Kombis: Kryptotal Fr in Trail/Endurance (vorne) und DH/Supersoft (hinten).Foto: Georg Grieshaber
Die Vorderreifen der Conti-Kombis: Kryptotal Fr in Trail/Endurance (vorne) und DH/Supersoft (hinten).

Extrem-Kombis:

  • Maxxis Minion DHR II DH Maxxgrip, 29 x 2,4 Zoll // 1359 Gramm
  • Maxxis Assegai DD Maxxgrip, 29 x 2,5 Zoll //1312 Gramm

Übrigens: In den meisten Fällen haben Biker nicht die freie Wahl aus allen Karkassen und Gummimischungen. Die ganz weichen Gummis bieten die Hersteller oft erst bei den schweren Reifen mit dicker Karkasse an, während es die leichten Pneus teils nur mit hartem Gummi gibt.

Die Ergebnisse: Was machen Karkasse und Gummimischung wirklich aus?

Gewicht

Augenscheinlichster Unterschied in den markeninternen Duellen: das Gewicht. Die Reifen der Allround-Kombis, also die jeweils leichten Varianten, wiegen als 29er gut 1000 Gramm, die schweren Pneus landen bei rund 1300 Gramm. Die leichte Continental-Kombi landet vorne, am schwersten fallen die dicken Maxxis-Schlappen aus. Der Unterschied zwischen den leichten und schweren Kombinationen fällt an der Waage mit durchschnittlich 24 Prozent deutlich niedriger aus als beim Pannenschutz (50 Prozent).

Gewichte der Allround- und Extrem-Kombis im Vergleich.Foto: EMTB Magazin
Gewichte der Allround- und Extrem-Kombis im Vergleich.

Pannenschutz

Im Schnitt bieten die schweren Reifen-Kombinationen 50 Prozent mehr Durchschlagschutz als ihre leichten Pendants. Das erreichen die Pneus über stabilere Karkassen, also mehrere Gewebelagen übereinander und stichfeste Schutzschichten oder Gummieinlagen am Kern (Apex). Mehr Material = mehr Pannenschutz. Dadurch steigt auch das Gewicht. Im Schnitt allerdings nur um 24 Prozent. Im Verhältnis zum Plus an Pannensicherheit sind die Pfunde also gut investiert. Das gilt vor allem für Continental, wo 80 Prozent mehr Durchschlagschutz nur 28 Prozent mehr Gewicht bedeuten. Die Kryptotal-Kombi bietet in der Trail-Variante den geringsten und in der DH-Variante den höchsten Pannenschutz aller getesteter Reifen. Auf reichlich Pannenschutz sollte man besonders am Hinterrad achten, denn das Heck trifft meist mit weniger Bedacht und dafür umso mehr Schwung auf grobe Hindernisse, während das Vorderrad Hindernissen gezielter ausweichen kann. Am Vorderreifen macht sich höheres Gewicht noch deutlicher im Handling bemerkbar als am Heck. Lenkbewegungen und Spielereien auf dem Trail werden mit schwererem Vorderreifen träger.

Je größer die Fallhöhe im Labortest, desto besser der Durchschlagschutz. Bei Continental fällt der Unterschied im Pannenschutz von leicht zu schwer am markantesten aus. Die DH-Kombi bietet richtig starken Durchschlagschutz.Foto: EMTB Magazin
Je größer die Fallhöhe im Labortest, desto besser der Durchschlagschutz. Bei Continental fällt der Unterschied im Pannenschutz von leicht zu schwer am markantesten aus. Die DH-Kombi bietet richtig starken Durchschlagschutz.

Rollwiderstand MTB-Reifen

Die Extrem-Reifenkombinationen rollen im Schnitt um 49 Prozent zäher als die Allrounder. Den größten Anteil daran hat die weichere Gummimischung. Die weichen Stollen kleben förmlich am Boden. Wer auf effizientes Rollen Wert legt und weitere Strecken auf Asphalt oder harten Untergründen abspult, sollte zumindest am Hinterrad auf einen härteren Gummi setzen. Denn hier lasten rund 75 Prozent des Drucks, entsprechend hoch ist die Bremswirkung. Der Rollwiderstand des Vorderreifens kostet deutlich weniger Energie. Auch eine steifere Karkasse erhöht den Rollwiderstand, da zusätzliche Walkarbeit anfällt. Dieser Einfluss ist bei den Testreifen aber geringer als der des Gummis, wie das Beispiel von Schwalbes Hinterreifen Big Betty zeigt. Die Gummimischung ist bei beiden Varianten identisch, die massivere Karkasse lässt den Wert nur leicht ansteigen. Maxxis setzt bei der Extrem-Kombi an Vorder- wie Hinterrad auf sehr weiches Gummi. Entsprechend hoch fällt der Rollwiderstand aus. Am schnellsten rollt die Light-Kombi von Continental.

Rollwiderstände der Reifen im Vergleich.Foto: Georg Grieshaber
Rollwiderstände der Reifen im Vergleich.

Grip und Traktion

Neben dem Profil hat vor allem die Gummimischung Anteil am Kurvenhalt und der Traktion der Mountainbike-Reifen. Insbesondere auf harten Untergründen oder bei Nässe ist ein weicher Gummi deutlich spürbar griffiger, als die härtere Variante. Eine softe Mischung passt sich dem Boden besser an und verzahnt sich förmlich mit Hindernissen. Besonders am Vorderrad erhöht das die Fahrsicherheit spürbar. Hinzu kommt: Mit dicker Karkasse sind niedrigere Luftdrücke möglich, ohne erhöhtes Pannenrisiko oder instabil sitzende Reifen. Das steigert den Grip noch weiter. Im Winter kommt ein weiterer Punkt hinzu: Weiche Reifen-Gummis sind kälteresistenter. Das heißt, sie bleiben bei niedrigeren Temperaturen geschmeidiger und bieten dann deutlich mehr Halt.

Verschleiß bei E-MTB-Reifen

Das kennt jeder aus der Schule: Ein weicher Radiergummi rubbelt sich schnell ab. So ist es auch bei Reifen. Die Zauberworte Ultrasoft, Supersoft oder MaxxGrip versprechen zwar massig Traktion, doch die weichen Gummmi-Mischungen verschleißen auch deutlich schneller. Gerade für Vielfahrer am E-Bike ist das nicht optimal. Auch hier gilt: Das Hinterrad ist besonders betroffen, da deutlich verschleißintensiver! Hier sollte ein superweicher E-MTB-Reifen nur wohlüberlegt zum Einsatz kommen.

Auf dem Trail

Beim Back-to-back-Vergleich der einzelnen MTB-Reifenkombinationen zwischen leicht und schwer fällt im normalen Fahrbetrieb am deutlichsten der Gewichtsunterschied auf. Knapp 300 Gramm mehr rotierende Masse pro Laufrad machen die Fahrt spürbar träger. Lenkbewegungen bei langsamer Fahrt oder spielerische Fahrmanöver, wie Sprungeinlagen, werden spürbar zäher. Doch auch im Positiven tut sich etwas. Bei schneller Fahrt auf ruppigem Untergrund liegen die Bikes mit den dicken Pneus satter und saugen sich förmlich am Untergrund fest. Je ruppiger das Gelände, desto deutlicher fällt das positiv auf. Auf seichten Trails mit wenig Gefälle und glattem Untergrund wünscht man sich allerdings die Spritzigkeit und das lebhafte Fahrgefühl, das die leichte Fahrradreifen vermitteln.

Leider geil! In Kurven bieten die Reifen mit weichem Gummi mehr Grip. Im direkten Vergleich ist das deutlich spürbar.Foto: Max Fuchs
Leider geil! In Kurven bieten die Reifen mit weichem Gummi mehr Grip. Im direkten Vergleich ist das deutlich spürbar.

Und wie sieht es in Kurven aus? Der höhere Grip durch die weichen Gummis fällt im direkten Vergleich ganz deutlich auf. Und das selbst bei identischem Luftdruck! Lässt man bei den Extrem-Kombis etwas Luft aus den Reifen, was die dickeren Karkassen locker zulassen und zum Teil sogar erfordern, steigen Grip und Traktion noch weiter. So liegt die subjektive Fahrsicherheit und der Kurvenhalt bei allen drei Extrem-Kombis spürbar über der griffigsten Allround-Kombi (Maxxis). Bei langsamer Fahrt haben die dicken Karkassen aber auch noch einen Nachteil. Die steife Konstruktion der Seitenwände schmälert den Fahrkomfort, da sich der Reifen weniger an Unebenheiten anschmiegt. Gerade in technischen Uphills kann das ein Nachteil sein. Am deutlichsten war dieser Effekt bei den supersteifen Contis mit DH-Karkasse zu spüren. Maxxis schafft es hingegen exzellent, auch der schweren Kombi mit DH-Casing erstaunlich viel Komfort einzuhauchen.

Das sagen die Tester

Max Fuchs, Testredakteur BIKE

Minimaler Luftdruck ist maximaler Fahrspaß, weil der Grip massiv ansteigt! Das funktioniert aber nur mit einem stabilen Reifen, deshalb hat bei mir Pannenschutz höchste Priorität. Am E-MTB stören mich das höhere Gewicht und mehr Rollwiderstand dicker Pneus sowieso nicht. Wenn alles passen muss, greife ich selbst am Heck zum weichen Gummi.
Max Fuchs, Testredakteur BIKEFoto: Thomas Weschta
Max Fuchs, Testredakteur BIKE

Laurin Lehner, FREERIDE-Magazin

Zugegeben: Im direkten Vergleich spürt man den Vorteil der weichen Gummimischungen. Doch das sind nur Nuancen. Der erhöhte Verschleiß steht dazu in keinem Verhältnis. Geldbeutel und Umwelt danken es Euch, wenn Ihr zum härteren Gummi greift - das gilt nochmal mehr am E-MTB, wo die Reifen im Zeitraffer runtergehobelt werden.
Laurin Lehner, FREERIDE-MagazinFoto: Wolfgang Watzke
Laurin Lehner, FREERIDE-Magazin

Florentin Vesenbeckh, Testleiter EMTB

Viel hilft viel? Einfach blind zum dicken und schweren Reifen zu greifen, macht keinen Sinn. Das höhere Gewicht an den Laufrädern macht das Handling spürbar träger. Auf seichten Trails kann das zum echten Spaß-Killer werden. Je nach Einsatzbereich und Fahrweise können die massiven Pellen also ein echter Nachteil sein. Das gilt auch für E-MTBs, insbesondere in der Light-Kategorie. Je wilder Gelände und Fahrstil, desto mehr lohnt sich ein dicker Schlappen.
Florentin Vesenbeckh, Testleiter EMTBFoto: Adrian Vesenbeckh
Florentin Vesenbeckh, Testleiter EMTB

Fazit zum Test der MTB-Reifen

Ja, es ist Fakt: Gummimischung und Karkassenkonstruktion sind maßgeblich für die Eigenschaften eines Mountainbike-Reifens verantwortlich und die Unterschiede sind, trotz identischem Profil, gravierend. Also: Nicht stumpf beim nächsten Sonderangebot eines Magic Mary oder Assegai auf “Kaufen” klicken, sondern erstmal genauer hinschauen. Die schlechte Nachricht: Welcher MTB-Reifen bzw. welche Ausführung die Beste ist, können wir pauschal nicht sagen. Hier muss jeder den besten Kompromiss für sein persönliches Anforderungsprofil finden. Die passende Datengrundlage haben wir mit diesem Test geschaffen.

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