Custom-Optik und Made in GermanyNeue Mountainbike Pedale von Haig Rip

Henri Lesewitz

 · 27.11.2022

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Guter Stand, glamouröse Optik: Die Custom-Pedale von Haig Rip sollen top Funktion und individuelle Optik mit einander verbinden

Mountainbike-Pedale gibt es in allen Ausführungen und Preisklassen. Besonders das Sortiment an Plattform-Pedalen ist fast kaum zu überschauen. Es gibt sie in Kunststoff und Alu, für 50 Euro oder für das Mehrfache. Was es bisher nicht gab: Pedale, die 100 Prozent “Made in Germany” sind, und deren optische Details sich der Kunde individuell zusammenstellen kann. Haig Rip, heißt die neue Marke, die noch ganz am Anfang steht. Die Pedale sehen hochgradig edel aus, kosten aber auch um die 200 Euro. Lohnt sich das? Wir haben sie exklusiv getestet.

Hubert Ruff ist ein Mountainbike-Enthusiast und hat die Pedale ursprünglich für sich entwickelt. Seine Firma steht noch ganz am Anfang.Foto: Hurbert Ruff.
Hubert Ruff ist ein Mountainbike-Enthusiast und hat die Pedale ursprünglich für sich entwickelt. Seine Firma steht noch ganz am Anfang.

Der Mann hinter dem Label Haig Rip heißt Hubert Ruff und lebt in einem idyllischen Ort in Baden-Württemberg. Als er nach längerer Mountainbike-Pause wieder anfing zu fahren, und zwar im Bikepark, lernte er schnell die Vorteile von Plattform-Pedalen schätzen. Das Angebot war zwar riesig, aber Hubert störte, dass nahezu alle am Markt erhältlichen Pedale aus Fernost kamen. “Wieso nicht Pedale Made in Germany bauen?”, sei es ihm durch den Kopf geschossen, erzählt Hubert. Er ist Werkzeugmacher-Meister. Er verfügt über die nötigen Maschinen. Er kennt sich aus mit Lagern und Materialien. Also machte er sich ans Werk. Zwei Jahre ist das her. Nun sind seine Schmuckstücke fertig. Beim renommierten Prüfinstitut Zedler schafften die Pedale die Dreifach-TÜV-Norm Advanced Plus XXL.

Verlagssonderveröffentlichung

Produziert wird aber bisher nur in kleiner Stückzahl. Die Pedale sind momentan nur über Huberts Instagram-Account bestellbar (@hubse_ruff). Ein Webshop ist in Planung.

In einer Liga mit Edel-Zigarren und teurem Wein: Die Haig Rip-Pedale kommen in einer großen, schweren Holzbox. Diese kann nach dem Auspacken für andere Zwecke verwendet werden.Foto: Henri Lesewitz
In einer Liga mit Edel-Zigarren und teurem Wein: Die Haig Rip-Pedale kommen in einer großen, schweren Holzbox. Diese kann nach dem Auspacken für andere Zwecke verwendet werden.

Die wichtigsten Facts der Haig Rip MTB-Pedale:

  • Farblich komplett individualisierbar
  • 6 Farben, frei kombinierbar für Pedalkörper und Pins
  • 100 Prozent Made in Germany
  • Pedalkörper CNC-gefräst aus 7075 Alu
  • Stahlachsen nitriert und eloxiert für maximalen Korrosionsschutz und bessere Gleiteigenschaften
  • 12 Pins pro Standfläche
  • Doppelt gedichtete Nadellager
  • 370 Gramm / Paar
  • 200 bis 240 Euro (je nach Grad der Individualisierung)
Die Frontplatte der Kiste zieht das Marken-Logo, dass Hubert aus einer Metallplatte schneiden lässt und anschließend liebevoll aufschraubt.Foto: Henri Lesewitz
Die Frontplatte der Kiste zieht das Marken-Logo, dass Hubert aus einer Metallplatte schneiden lässt und anschließend liebevoll aufschraubt.
Rattenscharfe Custom-Optik: Die CNC-gefrästen Pedale sind kleine Kunstwerke.Foto: Henri Lesewitz
Rattenscharfe Custom-Optik: Die CNC-gefrästen Pedale sind kleine Kunstwerke.

Exklusivität und Qualität sind Leitplanten von Huberts Projekt. Die Körper der Haig Rip MTB-Pedale sind aus 7075er Flugzeug-Aluminium gefräst und weder klotzig noch filigran. Dass die Fräse das Alu nicht bis zum Gehtnichtmehr runtergenagt hat, soll für gute Steifigkeit der Pedale sorgen. Kunden können zwischen verschiedenen Eloxal-Farben wählen und sich auch ein Pärchen mit verschiedenen Farben links und rechts zusammenstellen. Schwarz, Gold, Silber, Rot, Blau und Lila sind möglich.

Durch eine seitliche Ausfräsung der Außenwand kann man auf die goldfarbene Mutter gucken, mit der Achse und Pedalkörper verschraubt sind.Foto: Henri Lesewitz
Durch eine seitliche Ausfräsung der Außenwand kann man auf die goldfarbene Mutter gucken, mit der Achse und Pedalkörper verschraubt sind.

Von der Seite betrachtet entfaltet die 3D-Optik ihre Wirkung. Die goldene Kappe ist die Abdeckung der äußeren Lager und gleichzeitig die Mutter, mit der Achse und Pedalkörper fixiert werden. Die Achsen bestehen aus CroMo-Stahl und sind für bessere Gleiteigenschaften und eine härtere Oberfläche nitriert und eloxiert.

Manche Flatpedals haben Wölbungen an der Stelle, an der die Achse durch den Pedalkörper führt. Das verschlechtert den Grip. Diese hier haben ebene Standflächen. Top!Foto: Henri Lesewitz
Manche Flatpedals haben Wölbungen an der Stelle, an der die Achse durch den Pedalkörper führt. Das verschlechtert den Grip. Diese hier haben ebene Standflächen. Top!

Die Trittflächen sind 10 mal 10 Zentimeter groß, was in etwa dem Standard bei Plattformpedalen entspricht. Die Oberflächen sind eben, besitzen je 12 Pins und sind für einen maximalen Grip zusätzlich geriffelt. Auch die Pins können individualisiert werden. Ob in einer der sechs angebotenen Farben, oder in Form eines wilden Farben-Mixes. Der Kunde entscheidet.

Das Fisheye-Objektiv lässt die Haig Rip monströs erscheinen, aber die Optik täuscht. Die Pedale sind normal groß und auch normal schwer.Foto: Henri Lesewitz
Das Fisheye-Objektiv lässt die Haig Rip monströs erscheinen, aber die Optik täuscht. Die Pedale sind normal groß und auch normal schwer.

Andere Pedale sind vielleicht günstiger, aber keine sind so exklusiv

Die Haig Grip Plattformpedale wiegen als Pärchen 370 Gramm. Ein guter Wert, aber keiner, der heraussticht. Modelle aus Kunststoff (Nylon oder Faserverbund-Material) wiegen zum Teil sogar weniger. Bei günstigeren Preisen. Die Testsieger aus unserem aktuellen Kunststoffpedal-Test, die Tatze Link Composite, bringen bei einem Preis von 89 Euro nur 358 Gramm auf die Waage. Das Argument für die Haig Rip ist die exklusive Optik. Und die hochwertige Made in Germany-Fertigung. Die große Frage aber lautet: Wie gut funktionieren sie?



Im Praxistest machten die Haig Rip einen guten Eindruck. Der Grip ist super, ohne dass sich die Pins zu sehr in den Sohlen der Schuhe verbeißen.Foto: Henri Lesewitz
Im Praxistest machten die Haig Rip einen guten Eindruck. Der Grip ist super, ohne dass sich die Pins zu sehr in den Sohlen der Schuhe verbeißen.

Die Haig Rip MTB-Pedale bieten einen guten Stand. Die Verbindung von Schuh und Pedal ist dank der geraden, voll nutzbaren Oberfläche sowie der 12 Pins top. Die Pins beißen sich dabei aber nicht zu aggressiv in die Sohle, so dass Korrekturen bei der Fußstellung jederzeit ohne Probleme möglich sind. In den nächsten Monaten müssen sie nun noch in unserem Dauertest ihre Qualität in Sachen Langlebigkeit beweisen.

Fazit: Plattformpedale Haig Rip

Exklusive, qualitativ überzeugende Pedale, auf denen man sicher steht. Der hohe Preis ist zweifellos aufgrund der Made in Germany-Fertigung gerechtfertigt. Die Funktion der MTB-Pedale ist aber nicht besser oder schlechter als bei günstigeren Produkten. Die Haig Rip sind eine Option für nachhaltig denkende, qualitätsbewusste Custom-Fans.
Der neue Prototyp treibt das optische Potential dank der Segment-Bauweise auf die Spitze. In unserem Test zeigte sich diese Version hier aber als zu wenig robust für harte MTB-Einsätze. Hubert Ruff ist bereits dran, die Schwachstellen auszumerzen.
Foto: Henri Lesewitz

Die Leidenschaft für das Pedal-Projekt schlug so große Flammen bei Hubert, dass er noch eine zweite Variante entwickelt hat, mit der er das ganze Potential des Themas Custom Made auszureizen versucht. Die Haig Rip V2-Version ist extrem detailverliebt gearbeitet und besteht aus einem Mehrkomponenten-Körper, dessen einzelne Parts farblich den Wünschen des Kunden angepasst werden können. Die MTB-Pedale wiegen noch mal 20 Gramm weniger als die normale Version. In unserem Test erwiesen sich die Prototypen aber noch nicht als stabil genug. Hubert will die dünnen, filigranen Standplatten noch anders dimensionieren. In unserem Test brachen zwei Stege an der dünnsten Stelle. Wann die finale Version fertig ist, kann Hubert noch nicht sagen. Erst einmal stehen noch ausgiebige Tests an.

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