Neuer Vorbau von HopeSo verbessert der Stummelvorbau das Handling von Enduros

Max Fuchs

 · 06.08.2026

Neuer Vorbau von Hope: So verbessert der Stummelvorbau das Handling von EndurosFoto: Hope
Moderne Trail- und Enduro-Bikes werden immer länger, flacher und laufruhiger. Mit dem neuen 20-mm-Gravity-Vorbau adressiert Hope den größten Nachteil dieses Trends. Der britische Komponentenhersteller verspricht mehr Kontrolle, eine zentralere Fahrerposition und weniger Belastung der Arme. Wir erklären, wie das ungewöhnliche Cockpit-Konzept funktioniert – und warum es vor allem für moderne Geometrien spannend sein könnte.

Themen in diesem Artikel

Fazit: Eine spannende Idee für moderne Geometrien

Der Hope-20-mm-Stummel-Vorbau zieht Blicke nur so auf sich. Doch es steckt mehr dahinter als nur der außergewöhnliche Look. Mit nur 20 Millimetern Länge und 35 Millimetern Bauhöhe rückt er die Hände näher an die Lenkachse, bringt den Fahrer aufrechter und zentraler aufs Bike und verändert damit die gesamte Cockpit-Ergonomie.

Vor allem moderne Trail- und Enduro-Bikes mit langem Reach, großem Frontcenter und langen Kettenstreben dürften von diesem Ansatz profitieren. Aus eigener Erfahrung mit Bikes, die auf ähnliche Cockpit-Setups mit viel Stack und kurzen Vorbauten setzen, erscheint das Konzept schlüssig. Ob Hope die versprochenen Vorteile tatsächlich auf den Trail bringt, muss allerdings erst ein Praxistest zeigen.

– Max Fuchs, BIKE-Testredakteur

Die wichtigsten Fakten

  • 20 mm Vorbaulänge
  • 35 mm Bauhöhe (Stack)
  • Für 31,8- und 35-mm-Lenker erhältlich
  • CNC-gefräst aus 2014-T6-Aluminium
  • Produktion im Hope-Werk in Barnoldswick (England)
  • Um 5 mm verbreiterte Lenkerklemmung für mehr Steifigkeit
  • Integrierte Vorbaukappe
  • Farben: Schwarz, Silber, Smoke, Blau, Rot, Lila und Orange
  • Entwickelt mit Feedback von Downhill- und Enduro-Weltcupfahrern
  • Gewicht: 200 g (31,8 mm) beziehungsweise 206,5 g (35 mm)
  • UVP: 144,50 Euro

Warum Hope auf nur 20 Millimeter setzt

Mountainbikes entwickelten sich in den vergangenen Jahren rasant. Die Rahmen wurden länger, die Lenkwinkel flacher und die Fahrwerke leistungsfähiger. Das Ergebnis: Moderne Bikes fahren schneller, ruhiger und vermitteln deutlich mehr Sicherheit als noch vor wenigen Jahren.

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Diese Entwicklung bringt allerdings neue Herausforderungen mit sich. Mit langen Frontcentern und großzügigen Reach-Werten fällt die Fahrerposition zunehmend frontlastig aus. In steilen Abfahrten lastet dadurch mehr Druck auf Armen und Schultern. Gleichzeitig fällt es einer unausgewogenen Radlastverteilung oft schwerer, das Bike aktiv zu bewegen. Gerade lange Bikes wirken dadurch träger, als sie es aufgrund ihrer Geometrie ohnehin schon sind.

Der Lösungsansatz von Hope: Nicht der Rahmen soll auf Kosten der Laufruhe kürzer werden – der Fahrer soll wieder näher in die Mitte des Bikes rücken. Mehr Stack und ein extrem kurzer Vorbau sollen genau das ermöglichen. Der neue 20-mm-Gravity-Vorbau kombiniert beide Maßnahmen in einem einzigen Bauteil.

Was verändert der hohe Stummel-Vorbau überhaupt?

Der entscheidende Unterschied liegt nicht allein in der kurzen Vorbaulänge.

Hope kombiniert 20 Millimeter Reach mit 35 Millimetern Bauhöhe. Dadurch wandern die Hände nicht nur näher zum Fahrer, sondern gleichzeitig näher an die Lenkachse der Gabel. Je nach Lenkwinkel verkürzt sich dadurch auch der effektive Reach: Bis zu drei Zentimeter sollen es gegenüber einem klassischen Cockpit ohne zusätzlichen Stack sein.

Die Hände rücken dadurch näher an den Drehpunkt der Gabel, gleichzeitig steht der Fahrer aufrechter und zentraler zwischen Vorder- und Hinterrad.

Hope verspricht dadurch eine neutralere Fahrposition, weniger Belastung auf den Armen und eine präzisere Lenkung. Die Theorie dahinter erscheint schlüssig: Liegen die Hände näher an der Lenkachse, verkürzt sich der Hebel, über den Lenkimpulse eingeleitet werden. Gleichzeitig muss der Fahrer weniger Gewicht mit den Armen abstützen.

Warum viel Stack und lange Bikes so gut zusammenpassen

Besonders interessant wirkt das Konzept im Zusammenspiel mit modernen Enduro-Geometrien.

Viele aktuelle Bikes setzen auf immer längere Kettenstreben. Das neue Yeti LT kommt in Rahmengröße XL auf beeindruckende 475 Millimeter. Zum Vergleich: Das Cannondale Bad Habit bleibt in XL bei nur 435 Millimetern.

Lange Hinterbauten erhöhen die Laufruhe und bringen mehr Last auf das Vorderrad. Gleichzeitig erschweren sie schnelle Richtungswechsel, Manuals oder Bunny Hops. Genau hier wirkt mehr Stack und ein kürzerer Vorbau Wunder.

Eine höhere und kürzere Front gleicht diese Gewichtsverteilung aus und sorgt für eine ausgewogenere Balance zwischen Front und Heck. Die zentralere Fahrposition schafft mehr Bewegungsfreiheit, und der höhere Stack vergrößert den Hebel am Vorderrad. Lange Bikes lassen sich besser steuern und leichter aufs Hinterrad ziehen, ohne an Laufruhe einzubüßen.

Bei Bikes mit kurzen Kettenstreben wie dem Bad Habit von Cannondale kann derselbe Ansatz allerdings nach hinten losgehen. Dort liegt die Gewichtsverteilung ohnehin stärker auf dem Hinterrad. Eine höhere und kürzere Front würde den Druck auf dem Vorderrad zusätzlich reduzieren und das Handling verschlechtern.

Made in UK

Hope entwickelte den neuen Gravity-Vorbau gemeinsam mit Downhill- und Enduro-Piloten aus dem Weltcup. Gefertigt wird er vollständig im eigenen Werk im englischen Barnoldswick.

Der Vorbau entsteht aus einem massiven Block 2014-T6-Aluminium und wird komplett CNC-gefräst. Gegenüber den bekannten TR-Vorbauten wächst die Lenkerklemmung um fünf Millimeter in der Breite und soll so zusätzliche Steifigkeit bringen.

Erhältlich ist der Vorbau für 31,8- und 35-Millimeter-Lenker sowie in den klassischen Hope-Eloxalfarben Schwarz, Silber, Smoke, Blau, Rot, Lila und Orange.

Redaktionelle Einordnung

Der Hope-20-mm-Gravity-Vorbau wirkt auf den ersten Blick wie ein Nischenprodukt. Tatsächlich adressiert er eine der größten Herausforderungen moderner Mountainbike-Geometrien: langen, flachen Bikes trotz ihrer Laufruhe ein ausgewogenes und unkompliziertes Handling zu verpassen.

Die technische Idee hinter dem Vorbau überzeugt. Sie passt zur Entwicklung moderner Trail- und Enduro-Bikes und deckt sich mit Erfahrungen, die wir bereits mit ähnlichen Cockpit-Konzepten gesammelt haben. Den Hope-Vorbau selbst konnten wir bislang allerdings noch nicht fahren. Ob sich die theoretischen Vorteile tatsächlich in mehr Kontrolle, weniger Armermüdung und einem agileren Handling niederschlagen, muss deshalb ein Praxistest zeigen.

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Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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