Qvist FreilaufDouble-Ratchet-System mit minimalem Eingriffswinkel

Sandra Schuberth

 · 19.08.2022

Qvist Freilauf: Double-Ratchet-System mit minimalem EingriffswinkelFoto: Sandra Schuberth

Qvist hat auf der Eurobike Naben und insbesondere einen Freilauf vorgestellt - der erste mit Zahnscheibensystem und 128 Rasterpunkten. Das junge Unternehmen aus Dresden verspricht mit dem zum Patent angemeldete Double-Ratchet-System einen kleinen Eingriffswinkel, satten Stereosound und geringes Gewicht. BIKE hat dem Team sechs Fragen gestellt.

Hinter Qvist steckt ein dreiköpfiges Team und eine Ausgründung der Technischen Universität Dresden. Der Name kommt aus dem Altschwedischen und bedeutet Zweig. Das soll die Liebe der Gründer zur Natur versinnbildlichen und gleichzeitig erinnert der Freilaufmechanismus optisch an die Äste und Zweige einer Kiefer.

 Der Freilaufmechanismus von Qvist erinnert optisch an Zweige und Äste einer KieferFoto: David Ohl
Der Freilaufmechanismus von Qvist erinnert optisch an Zweige und Äste einer Kiefer

Zur bisher gezeigten Produktpalette von Qvist gehören zwei Hinterradnaben und zwei Vorderradnaben, einmal für den Boost- und einmal für den Non-Boost-Standard.

Qvist Nabe + Freilauf: Rear Boost

  • Zahnscheiben CNC gefräst aus gehärtetem hochfestem Edelstahl
  • 17 mm Achse
  • Edelstahl-Lager
  • ISO Bremsscheibenaufnahme
  • Aluminiumteile aus 7075-T6

Spezitikationen

  • Gewicht: 295 Gramm
  • Bremsscheibenaufnahme: 6-Loch (ISO)
  • Freilauf-Optionen: XD, Micro Spline
  • Steckachse: 148 x 12 Millimeter
  • Flange Durchmesser DS & NDS: 54 Millimeter
  • Made in Germany, assembled in-house in Dresden

Qvist Nabe - Front Boost

Die Boost Vorderradnabe ist passend zur Hinterradnabe, denn sie folgt den gleichen Design Prinzipien. Die Unternehmensgründer sind zu Scherzen aufgelegt, sie garantieren, dass diese Vorderradnabe ganz ohne Engagement-Points kommt und in beide Richtungen frei drehbar ist. Auch hier werden große Lager eingesetzt, die aus Edelstahl gefertigt sind. Die Scheibenbremsaufnahme ist für 6-Loch-Scheiben. Alle Teile, die aus Aluminium gefertigt sind, bestehen aus der Legierung 7075-T6.

Spezifikationen

  • Gewicht: 140 Gramm
  • Scheibenbremsaufnahme: ISO (6-Loch)
  • Verfügbar mit 28 und 32 Löchern
  • Thru-Axle: 110 x 15 Millimeter
  • Flanschdurchmesser beidseitig: 54mm

non-Boost: ältere MTBs, Gravelbikes und Rennräder

Die Hauptunterschiede zwischen Boost und Non-Boost ist die Breite der Achse, welche an der Hinterradnabe 142 Millimeter beträgt. Die Bremsscheibenaufnahme kommt mit Centerlock-Standard.

Spezifikationen

  • Gewicht: 280 Gramm
  • Scheibenbremsaufnahme: Centerlock
  • Verfügbar mit 24, 28 und 32 Speichenlöchern
  • Freilauf-Optionen : XDR, HG oder N3W
  • Steckachse: 142mm x 12mm
  • Flanschdurchmesser: beidseitig: 54 Millimeter

Made in Germany, assembled in-house in Dresden

Front non-Boost

Es kommen die gleichen Edelstahllager zum Einsatz, da sie und zuverlässig sind. Der einzige Unterschied, den es gibt ist, dass diese Vorderradnabe auch als Version mit nur 24 Speichenlöcher verfügbar sein wird.

Spezifikationen

  • Gewicht: 115 Gramm
  • Scheibenbremsaufnahme: Centerlock
  • Verfügbar mit 24, 28 und 32 Speichenlöchern
  • Steckachse: 100 x 12 Millimeter
  • Flanschdurchmesser: beidseitig 45 Millimeter

6 Fragen an QVIST

Der Qvist-Freilauf im Einsatz
Foto: David Ohl

BIKE: Wie kamt ihr auf die Idee, einen Freilauf zu entwickeln?

Willem Rijper: Roman und Alfred sind Ingenieure und leidenschaftliche Radfahrer. Oder vorrangig Radfahrer? Wie dem auch sei: Sie waren nicht zufrieden mit ihren Naben. Einige sind kaputt gegangen. Mit einem Wechsel auf Naben mit Zahnscheibenfreilauf verschwanden die Probleme der Kurzlebigkeit. Allerdings entstand dadurch ein neues Problem: der Eingriffswinkel. Der war sogar mit der feinst-verzahnten Scheibe noch zu groß. So setzten sich beide zusammen auf der Suche nach eine Lösung für das Dilemma Eingriffspunkte versus Langlebigkeit. Dabei durfte die Nabe auch nicht schwer werden, was eine echte Herausforderung war.

Was ist das Besondere an eurem Freilauf?

Das besondere an der Nabe, ist dass es unseren zwei Ingenieuren gelungen ist eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Die Nabe hat eine Scheibe mit mehr Eingriffspunkten als als herkömmlich bekommen. Eine Scheibe hat 64 Zähne. Die äußeren Scheiben sind um einem halben Zahn versetzt und somit liegt die totale Anzahl an Eingriffspunkte bei 128. Das resultiert in einen Leerweg von unter 3 Grad. Leerweg ist eurer Leserschaft vielleicht von früher bekannt, auf dem Kinderrad mit der Rücktrittbremse. Nach dem Bremsen trat man erst einmal in die Luft, bevor man Vortrieb erzeugte. Je technischer das Terrain, desto wichtiger ein niedriger Eingriffswinkel.

Wer ist eure Zielgruppe? Wen möchtet ihr mit eurem Produkt ansprechen?

Die technologische Neuerung ist vor allem im technischen Bereich sehr relevant. Sprich: MTB, BMX, CX, Trail. Das hat mit den geringeren Eingriffswinkeln zu tun. Je technischer das Gelände, desto wichtiger wird ein direkten Antrieb. Allerdings bietet die Technik aufgrund der Lastenverteilung über mehreren Flächen auch in Punkto Lebensdauer für alle weiteren Anwendungen Vorteile.

Ihr schreibt, dass so viele Einzelteile wie möglich in Deutschland und Europa hergestellt werden sollen. Mit was für Schwierigkeiten seht ihr euch dabei konfrontiert?

Wir sehen da vorrangig Vorteile. Die Lieferketten sind so überschaubar, die Qualität besser zu kontrollieren und anzupassen, es ist nachhaltiger weil ressourcenschonender, etc etc. Nur die Fertigung von Prototypen erwies sich bis jetzt als aufwendiger. Da gibt es einige Anbieter aus Asien, die das sehr günstig machen können zu niedrigen Stückzahlen. Dennoch wollten wir das nicht, aus den bevor genannten Gründen. Ziel ist, die Produktion vollständig in eigener Hand im eigenen Werk zu haben.

Euer Freilauf ist reparierbar und man kann ihn warten. Braucht man spezielles Werkzeug?

Derzeit haben wir nur einen Vorgang, wofür ein Werkzeug benötigt wird: Lager Demontage und Montage vom Freilaufkörper. Dieses für beide Arbeiten einsetzbare Werkzeug werden wir auch mit anbieten. Alles andere ist tool-free, bzw. brauchst du nichts, was du nicht schon hast, wenn du selbst dein Fahrrad wartest.

Habt ihr weitere Produkte in Planung?

Ideen haben wir genug, aber wir fokussieren wir erstmal auf das Double Ratchet System.

Danke für das nette Gespräch. Im Namen der gesamten Redaktion wünsche ich euch einen guten Start mit sattem Stereosound :-)

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