Mountainbike-LaufradHaben Carbon-Laufräder beim MTB Vorteile?

Stefan Frey

 · 05.01.2023

Mountainbike-Laufrad: Haben Carbon-Laufräder beim MTB Vorteile?Foto: Robert Niedring

Carbon-Laufräder seien leichter und steifer – so heißt es. Gleichzeitig sehen sie edel aus. Alles nur Hype – oder haben die teuren Carbon-Laufradsätze tatsächlich Vorteile beim Mountainbike? Wir ziehen den Vergleich.

Mountainbike-Pionier Gary Fisher hatte damals den richtigen Riecher. Er war einer der Ersten, der konsequent auf 29-Zoll-Laufräder setzte und hielt auch daran fest, als sich kurzzeitig die 27,5-Zöller auf die Bühne drängten. Heute ist 29 Zoll der unangefochtene Standard bei den Laufradgrößen, nur in wenigen Bereichen rollen Bikes noch auf 27,5 Zoll oder dem sogenannten Mullet-Setup aus 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten. 29-Zöller rollen besser über Hindernisse und bieten mehr Sicherheitsreserven auf anspruchsvollen Pfaden. Superbreite Fatbike-Laufräder spielen nur noch im Reich der Exoten eine Rolle – bei Spezialeinsätzen auf Sand oder Schnee.

Neben der Größe steht das Gewicht im Mittelpunkt. Laufräder und Reifen zählen zu den effektivsten Möglichkeiten, das Bike auf mehr Vortrieb zu trimmen. Bikes mit leichten Laufrädern, insbesondere vorne, fahren sich quirliger und lassen sich besser beschleunigen. Diese Spritzigkeit hängt aber nicht alleine von der rotierenden Masse ab, sondern auch davon, wie sie innerhalb des Laufrades verteilt ist. Außenliegende Teile – also vor allem Reifen und Felge – beeinflussen das Beschleunigungsverhalten mehr als innenliegende Teile wie die Nabe. Je leichter, desto sprintfreudiger das Laufrad. Deshalb sind Carbon-Laufräder so begehrt.

FSA Carbon-Laufrad K-Force Light Foto: Robert Niedring
FSA Carbon-Laufrad K-Force Light

Carbon-Laufräder sind leicht und steif

Ein Laufradsatz aus Kohlefaser hat aber noch einen zweiten Vorteil: Carbon ist sehr steif, wodurch sich die Laufräder sehr präzise steuern lassen. Was aber nicht heißt, dass man keine steifen Alu-Laufräder bauen könnte. Ein guter Teil der Stabilität hängt nämlich von den Speichen und der Art des Einspeichens ab. In der Praxis ist ein Unterschied zwischen guten Alu-Laufrädern und Carbon-Laufrädern für Durchschnitts-Biker kaum festzustellen.

Einen Einfluss auf die Fahrqualitäten hat auch die Felgen­breite. Seit dem Einzug der Tubless-Technologie (schlauchlos) geht der Trend zu breiteren Felgen. Damit lassen sich die Reifen mit weniger Druck fahren – ohne instabil zu werden oder bei radikalen Kurvenmanövern von der Felge zu springen. Zusätzlich verbessert ein größerer Felgenquerschnitt auch die Laufradsteifigkeit.

Das Carbon-Laufrad liegt hoch im Kurs, doch das hat seinen Preis

Für viele Biker sind Carbon-Laufräder die ideale Ergänzung zu den fast schon selbstverständlich gewordenen Rahmen aus Carbon. Leichte Lauf­räder aus Kohlefaser spuken vielen als Objekt der Begierde durch den Kopf. Doch nicht wenige zögern aufgrund der hohen Preise. Für einen kompletten Laufradsatz aus Carbon liegt der Preis schnell mal einen Tausender über dem von vergleichbaren Modellen aus Aluminium.

Lohnt sich diese Investition? Schon mehrmals haben wir in unseren Labor- und Praxistests die Probe aufs Exempel gemacht. Das Ergebnis: ein spannendes Unentschieden. Auf dem Papier haben Carbon-Laufräder die Nase vorn, doch erfühlen lässt sich der Unterschied weniger deutlich. Die Messungen im BIKE-Testlabor zeigen: Bei identischem Aufbau (32-Loch, 3-fach gekreuzt) und mit gleicher Speichenspannung besitzt der Carbon-Laufradsatz eine um immerhin 15 bis 20 Prozent höhere Steifigkeit. Seitliche Belastungen werden gleichmäßiger abgeleitet, und auch kurze Lastspitzen, wie sie etwa bei unsauberen Landungen auftreten, werden mit geringerer Verformung aufgenommen.

Carbon-Vorteile: geringes Gewicht, edle Optik, 
sehr hohe Steifigkeit. 
Nachteile bei Kohlefaser: unfahrbar bei Defekt,
 hoher Preis.  Foto: Paul Masukowitz
Carbon-Vorteile: geringes Gewicht, edle Optik, sehr hohe Steifigkeit. Nachteile bei Kohlefaser: unfahrbar bei Defekt, hoher Preis.

In der Theorie bedeutet das ein präziseres Fahrgefühl und höhere Belastbarkeit. Bei der Beschleunigung liegen die beiden Kontrahenten aber auf gleichem Niveau. In der Praxis fühlen sich auch die Alu-Laufräder ordentlich steif an. Sie fahren sich nahezu identisch. Echte Unterschiede konnte auf den Trails keiner der Tester feststellen. Bei der Robustheit hat Carbon durch moderne Verarbeitungstechnologien deutlich zugelegt. Einziger, gravierender Unterschied: Eine verbogene Alu-Felge lässt sich notfalls noch zurechtbiegen. Schäden am Carbon lassen sich kaum oder gar nicht reparieren.

Aluminium-Vorteile: stabil, bieg­- und reparierbar
 bei kleineren Defek­ten, gute Steifigkeit,
 relativ günstig.
 Nachteil des Leichtmetalls: schwerer und etwas weniger steif als Carbon. Foto: Hersteller
Aluminium-Vorteile: stabil, bieg­- und reparierbar bei kleineren Defek­ten, gute Steifigkeit, relativ günstig. Nachteil des Leichtmetalls: schwerer und etwas weniger steif als Carbon.
Schäden an Felgen im Vergleich: Carbon bricht - Aluminium verbiegt.  Foto: Robert Niedring
Schäden an Felgen im Vergleich: Carbon bricht - Aluminium verbiegt.

Fazit von Stefan Frey, BIKE Testredakteur

Gute Laufräder lassen sich sowohl mit Carbon- als auch mit Alu-Felgen realisieren. Im Ultra-Leichtbau hat Carbon definitiv die Nase vorne, doch dann wird’s auch teuer.
Stefan Frey, BIKE Testredakteur Foto: Stefan Frey
Stefan Frey, BIKE Testredakteur

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