Jan Timmermann
· 26.10.2026
Laufradtuning kann am Cross-Country-Bike den Turbo zünden. Die Trägheit des Laufradsatzes entscheidet darüber, ob ein Mountainbike vom Fleck beschleunigt, wie der Blitz, oder im Antritt versumpft. Die Beschleunigungswerte eines Laufradsystems lassen sich messen - und genau das ist es, was wir seit vielen Jahren im BIKE-Testlabor tun. So macht das weltweit kann anderes Mountainbike-Fachmedium. Erstmals veröffentlichen wir ein Ranking unserer Daten zu den schnellsten XC-Laufrädern der Welt. Dabei handelt es sich um Setups, welche die schnellsten Komplettbikes des World-Cups nutzen. Die Unterschiede sind selbst in der absoluten High-End-Klasse gravierend.
Schnelle Laufräder machen schnelle Racebikes. Entscheidend ist stets die Kombination aus eigentlichem Laufradsatz, Reifen, Bremsscheiben und Kassette. Je leichter das System, desto weniger Trägheit besitzt es. Dabei fallen unterschiedliche Komponenten aber auch verschieden schwer ins Gewicht. Schneller als der Roval Control World Cup beschleunigte in den letzten drei Jahren kein kompletter Laufradsatz. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Die Laufradträgheit bestimmt das Beschleunigungs- und Verzögerungsverhalten eines Fahrrads. Gerade im Gelände gibt es zahlreiche Situationen, in denen sich die Geschwindigkeit des Systems aus Bike und Fahrer ändert. Ein Laufrad muss beim Beschleunigen nicht nur nach vorne bewegt, sondern gleichzeitig in Rotation versetzt werden. Dafür braucht es ein Drehmoment. Die relevante Größe ist das Massenträgheitsmoment, welche mittels folgender Formel beschrieben werden kann: I = ∑mr². Demnach beeinflusst die Masse am äußeren Rand des Laufrads die Trägheit wesentlich stärker als Masse nahe der Nabe. Deshalb macht beispielsweise ein schwerer Reifen beim Beschleunigen deutlich mehr aus als ein paar Gramm zusätzlich in der Laufradmitte. Gemessen wird die Trägheit in Kilo pro Quadratzentimeter. Je größer das Laufrad, desto entscheidender das Reifengewicht.
Im Cross-Country-Mountainbike-Sport gehören der Antritt nach einer Kurve, das Treten über Gegenanstiege, das Überfahren von Wellen, Sprünge oder das Anbremsen auf technischen Trails zum Alltag. Hier kann ein leichtes Laufrad mit geringer Rotationsmasse spürbar agiler wirken. Das Bike reagiert schneller auf Änderungen der Geschwindigkeit und fühlt sich leichtfüßiger an. Bei nur 100 Gramm Mehrgewicht an einem 29er Reifen erhöht sich die Laufradträgheit beispielsweise um rund 135 kg/cm² je Laufrad, beziehungsweise um 270 kg/cm² je Laufradsatz. Für die Beschleunigung dieses Laufradsatzes auf 20 km/h, braucht es rechnerisch etwa 6,2 Joule mehr Energie. Braucht der Fahrer vier Sekunden um auf diese Geschwindigkeit zu kommen, muss er circa 1,6 Watt mehr treten als mit je 100 Gramm leichteren Reifen.
Ein höheres Massenträgheitsmoment kann aber auch einen gewünschten Effekt bringen: Ein rotierendes Laufrad besitzt mehr Winkelimpuls. Vereinfacht gesagt kann es dadurch bei höherem Tempo etwas ruhiger und weniger nervös wirken. Das kann auf einem schnellen, offenen Trail durchaus angenehm sein. Ein schwererer Reifen oder ein schwereres Laufrad kann also zu einem ruhigeren, satteren Fahrgefühl beitragen. Allerdings sollte man das nicht mit einer grundsätzlich besseren Fahrstabilität gleichsetzen. Reifenbreite, Karkasse, Luftdruck, Geometrie und Federung haben darauf meist einen wesentlich größeren Einfluss.
Wir haben 15 Cross-Country-Laufradsätze mit 29 Zoll Felgenmaß aus den letzten vier Jahren miteinander vergleichen. Wann immer uns ein Racebike in die Hände kam, wurde die Laufradträgheit nach demselben Standard vermessen. Dazu nutzen wir ein hochgenaues Prüfinstrument, welches ursprünglich für die Vermessung von Golfschlägern entwickelt wurde. Vermessen wurden die Laufradsätze mit ihrer gesamten rotierenden Masse, sprich inklusive Reifen, Kassette und Bremsscheiben. Auch ebendieses Gewicht ermittelten wir auf einer normierten Präzisionswaage.
Im Vergleich wird die Bedeutung der Reifen gut ersichtlich. Moderne Breitreifen erhöhen die Laufradträgheit maßgeblich. Schnell beschleunigen vor allem die Laufradsätze, welche schmale Reifen um 29 mal 2,25 Zoll tragen. Die schnellsten Räder nutzen zudem extraleichte Bremsscheiben mit Alu-Spider. Gerade ältere Felgen-Modelle fallen zudem schmal aus. Das alles kann sich in der Praxis auch negativ aufs Fahrverhalten auswirken. Ein Laufradsatz, der schnell beschleunigt, macht im Rennen noch lange nicht das schnellste Bike. Die neusten Highend-Laufradsätze vereinen fast ausnahmslos Felgen sowie Speichen aus Carbon, große Felgeninnenweiten und breite Reifen.
An die Spitze setzt sich der Roval Control World Cup - und zwar mit gehörigem Vorsprung zu anderen aktuellen Laufradsätzen. Specialized baut aktuell die schnellsten Cross-Country-Räder, die wir je auf unseren Prüfständen vermessen haben. Nackt wiegen Vorder- und Hinterrad zusammen gerade einmal 991 Gramm und damit weniger als eine Packung Milch. Trotzdem sind sie bis zu einem maximalen Systemgewicht von 125 Kilo freigegeben und kommen mit lebenslanger Garantie. Wer jetzt über ein Upgrade nachdenkt sollte sich erst noch das Preisschild von 2950 Euro zu Gemüte führen.
Zur Einordnung: Unsere Messungen bilden über eine Vielzahl von Laufrad-Reifen-Kombinationen eine Bandbreite von knapp 1000 kg x cm² ab. Diesen Unterschied merken erfahrene Fahrer im Gelände sehr wohl. Ab einem Unterschied von unter 500 kg x cm² wird es selbst für eingefleischte Testredakteure schwer Unterschiede in der Laufradträgheit zu erspüren.
| Laufradsatz (Modelljahr) | Komplettbike (Preis) | Material Felge / Speichen | Reifen | Kassette | Bremsscheiben | Gewicht (g) | Laufradträgheit (kg/cm²) |
| Roval Control World Cup (2026) | Specialized S-Works Epic 9 (14.499 Euro) | Carbon / Carbon | Specialized Fast Trak / Air Trak Flex Lite 29 x 2,35 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Sram Centerline X, 180 / 160 mm | 3017 | 2337 |
| Newmen Advanced SL X.A.30 (2024) | Arc8 Evolve FS (8999 Euro) | Carbon / Carbon | Wolfpack Speed ToGuard 29 x 2,40 | Shimano XTR (12x); 10-51 | Shimano XTR, 160 / 160 mm | 3347 | 2495 |
| Cannondale Hollowgram 25 Superlight (2024) | Cannondale Scalpel HT Lab71 (10.500 Euro) | Carbon / Stahl | Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph SuperRace 29 x 2,25 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Sram Centerline X, 180 / 160 mm | 3642 | 2498 |
| Miche Carbon (2023) | Wilier Urta SLR (8900 Euro) | Carbon / Stahl | Vittoria Barzo XC-Race 29 x 2,25 | Sram XX1 Eagle (12x), 10-52 | Shimano XTR, 180 / 160 mm | 3425 | 2559 |
| Bontrager Kovee RSL 30 (2024) | Trek Supercaliber | Carbon / Stahl | Pirelli Scorpion XC RC 29 x 2,20 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Sram Centerline X, 160 / 160 mm | 3379 | 2603 |
| DT Swiss HXC 1200 (2024) | Storck Rebel.4 Platinum (4199 Euro) | Carbon / Stahl | Schwalbe Rocket Ron Performance 29 x 2,25 | Shimano XT (12x), 10-51 | Shimano XT, 180 / 160 mm | 3720 | 2605 |
| Reynolds Black Label 309/289r (2023) | Radon Jealous 10.0 (4199 Euro) | Carbon / Stahl | Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph SuperRace 29 x 2,25 | Sram X01 Eagle (12x); 10-52 | Magura Storm SL, 180 / 160 mm | 3867 | 2647 |
| Mavic Crossmax Carbon (2025) | Bulls Wild Edge Team (6999 Euro) | Carbon / Stahl | Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph SuperRace 29 x 2,25 | Shimano XTR (12x); 10-51 | Shimano XTR, 180 / 160 mm | 3695 | 2727 |
| Syncros Silverton CF1 (2026) | Scott Spark RC World Cup Evo (11.499 Euro) | Carbon / Carbon | Maxxis Aspen Exo, 29 x 2,40 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Sram Centerline X, 180 / 160 mm | 3531 | 2887 |
| Bike Ahead Three Zero XC (2024) | Bike Ahead The FRame Custom (8850 Euro) | Carbon / Stahl | Maxxis Rekon Race / ASpen Exo 29 x 2,40 | Sram X01 Eagle (12x); 10-52 | Carbon Ti 180 / 160 mm | 3678 | 2952 |
| DT Swiss XRC 1500 (2026) | Canyon Lux World Cup CFR X0 AXS (5999 Euro) | Carbon / Stahl | Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph SuperRace 29 x 2,35 | Sram X0 (12x); 10-52 | Sram HS2 180 / 160 mm | 4057 | 3085 |
| Cadex Max Carbon (2026) | Giant Anthem Advanced SL SE (12.499 Euro) | Carbon / Carbon | Maxxis Aspen Exo, 29 x 2,40 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Sram HS2 180 / 160 mm | 3875 | 3105 |
| Crankbrothers XCT 29 Synthesis (2025) | Salsa Spearfish Carbon Deluxe (12.299 Euro) | Carbon / Stahl | Teravail Drawpoint Light-Trail / Camrock Durable 29 x 2,40 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Formula Monolitic 180 / 180 mm | 4155 | 3136 |
| DT Swiss XRC 1200 (2026) | Canyon Lux World Cup CFR XX SL (7499 Euro) | Carbon / Stahl | Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph SuperRace 29 x 2,35 | Sram XX SL (12x); 10-52 | Sram HS2 180 / 160 mm | 4098 | 3205 |
| BH EA 30 SLS 8.5 (2025) | BH Lynx SLS | Carbon / Stahl | Pirelli Scorpoion XC 29 x 2,40 | Sram GX AXS Transm. (12x); 10-52 | Sram Centerline180 / 160 mm | 4243 | 3219 |
Wie seht ihr das: Habt ihr schon mal über ein Laufrad-Upgrade für euer Cross-Country-Bike nachgedacht? Zu welchem System würdet ihr greifen? Schreibt es uns in die Kommentare!

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.