Die leichtesten MTB-Laufräder der WeltSpecialized Roval Control World Cup im Test

Max Fuchs

 · 12.07.2026

Ein Laufradsatz unter der magischen 1-Kilo-Marke: Möglich macht das ein kompromissloser Leichtbau bis ins letzte Detail, von Carbon-Speichen über eine ultraleichte Felge bis hin zu eigens entwickeltem Felgenband.
Foto: Max Fuchs
​Specialized setzt mit dem Roval Control World Cup neue Maßstäbe im Cross-Country: Gerade einmal 991 Gramm bringt der 29-Zoll-Laufradsatz auf die Waage – laut Hersteller so wenig wie kein anderer Serien-Laufradsatz. Doch was bringt das Rekordgewicht in der Praxis – und wie steht es um die Haltbarkeit nach einer Saison? Wir haben es ausprobiert!

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Fazit von Max Fuchs, BIKE-Redakteur

Auf dem Papier ist der Specialized Roval Control World Cup eine Machtdemonstration: Ein Großserienhersteller unterbietet die 1000-Gramm-Marke – und knausert dabei weder beim zulässigen Systemgewicht von 125 Kilogramm noch bei der Garantie. Im Test überzeugen die Laufräder mit knallhartem Vortrieb und messerscharfem Handling, bieten jedoch kaum Komfort. Damit sind sie wie gemacht für die Kurzdistanz auf der Cross-Country-Rennstrecke, im Trail-Alltag verlangen sie dagegen ein dickes Sitzfleisch und allzeit höchste Konzentration.

Unsere Werkstatt-Durchsicht nach einer Saison im Dauereinsatz fällt allerdings ernüchternd aus. Felgen, Speichen und Rundlauf präsentieren sich in tadellosem Zustand, die Nabenlager laufen aber rau und schwergängig. Lebenslange Garantie hin oder her: Bei einem knapp 3000 Euro teuren Laufradsatz sollten die Lager unserer Meinung nach deutlich länger halten als nur ein paar Monate.

Fakten: Specialized Roval Control World Cup

  • ​Gewicht: 991 Gramm (Laufradsatz inkl. Ventilen und Felgenband)
  • Felgenmaterial: Carbon
  • Preis: 2950 Euro
  • Felgeninnenbreite: 28,5 Millimeter
  • Felgendesign: Hookless
  • Kompatible Reifenbreiten: 1,9 bis 2,6 Zoll
  • Maximaler Reifendruck: 40 psi (2,8 bar)
  • Speichen: Carbon mit Titanfittings, 304 Millimeter Länge
  • Naben: Roval Low Flange Mountain Hub (LFM23), DT Swiss-EXP-System
  • Lager: Sinc Ceramic
  • Freilauf: 36 Rastpunkte
  • Freilaufkompatibilität: Shimano HG MTB, Shimano Micro Spline, SRAM XD
  • Maximale Scheibengröße: < 200 Millimeter
  • Strukturelles Gewichtslimit: 125 Kilogramm
  • Einsatzbereich: XC-Racing (ASTM Kategorie 3)
  • Garantie: Lebenslang

Leichtbau bis ins Detail

Um unter die 1000-Gramm-Marke zu kommen, hat Specialized jedes Gramm gejagt. Ein optimiertes Felgen-Layup spart gegenüber der Control SL Team rund 36 Gramm – laut Hersteller ohne Einbußen bei Haltbarkeit oder Performance. Den größten Sprung bringen die Carbon-Speichen mit Titan-Hardware: Gegenüber vergleichbaren Stahlspeichen fallen rund 102 Gramm weg. Selbst beim Zubehör wurde gefeilt – ein gemeinsam mit 3M entwickeltes Ultraleicht-Felgenband spart knapp 10 Gramm, und die Tubeless-Ventile wiegen nur 1,5 Gramm pro Stück. Sie sind gerade so lang, dass sie noch an Standard-Pumpenköpfe passen.

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Naben, Speichen und Freilauf

Im Zentrum sitzen die Roval-LF-Naben – im Kern stark abgespeckte DT-180-Naben. Lager, Freilauf-Innereien und Freilaufkörper teilen sie sich mit der Serienversion, was die Ersatzteilbeschaffung erleichtern soll. Verbaut sind Keramiklager. Der Freilauf verfügt über 36 Rastpunkte. Ab Werk liegt ein XD-Freilaufkörper bei. Eine HG- oder Micro-Spline-Variante ist optional erhältlich. Die je 20 Carbon-Speichen pro Laufrad haben eine praktische Eigenheit: Vorne wie hinten, links wie rechts ist die Speichenlänge identisch – man braucht also nur eine einzige Ersatzspeichenlänge für den gesamten Satz. Vier Ersatzspeichen liegen je Laufrad bei.

Fahreindrücke von Dauertestfahrer Max Fehr

Die Testeindrücke stammen von unserem Dauertest-Fahrer Maximilian Fehr. Er ist den Satz eine Saison lang mit seinem BH Lynx SLS gefahren. Sein Eindruck: Das geringe Gewicht ist sofort spürbar – eigentlich schon, bevor sich das Bike überhaupt bewegt. Bereits beim Anheben fällt auf, wie groß der Unterschied zu den serienmäßigen Laufrädern ist. Mit dem Roval Control World Cup wirkt das Rad geradezu federleicht.

Spätestens mit der ersten Kurbelumdrehung folgt der Aha-Moment. So direkt und verlustfrei hat sich Pedaldruck für mich noch nie in Vortrieb verwandelt. Die Beschleunigung ist beeindruckend und macht regelrecht süchtig. Zwischensprints, aus Kurven heraus antreten oder kleine Kuppen wegpressen – all das fühlt sich spielerisch leicht an und macht einfach Spaß.

Der kompromisslose Leichtbau hat allerdings seinen Preis. Mein Bike wirkt mit den Roval-Laufrädern spürbar nervöser. Schläge und Landungen werden direkter an Hände und Arme weitergegeben, insgesamt liegt das Rad weniger satt auf dem Trail und neigt in ruppigem Gelände eher zum Verspringen. Die Laufräder verlangen eine saubere Linienwahl und verzeihen kaum Fahrfehler.

Gerade auf längeren Abfahrten hatte ich deshalb das Gefühl, etwas Vertrauen ins Bike zu verlieren. Gleichzeitig ermüdet man schneller, weil die permanente Konzentration Körner kostet. Wer überwiegend Cross-Country-Rennen fährt, wird den explosiven Vortrieb lieben. Für den Trail-Alltag ist mir das Gesamtpaket dagegen etwas zu kompromisslos.

Werkstatt-Check – das ergab unsere Durchsicht

Felgen und Speichen befinden sich in tadellosem Zustand. Die Speichenspannung ist an beiden Laufrädern gleichmäßig, zudem zeigen sich weder nennenswerte Seiten- noch Höhenschläge.

Kritik ernten dagegen die Nabenlager. Am Vorderrad laufen beide Lager rau und schwergängig. Am Hinterrad zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Während sich das Lager auf der Zahnkranzseite geschmeidig dreht, läuft das auf der Scheibenseite spürbar schwer. Für einen Laufradsatz dieser Preisklasse ist das ein absolutes No-Go.

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Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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