Max Fuchs
· 30.06.2026
Schon beim ersten Blick aufs Datenblatt wird klar: Das Lynx SLS will kein klassisches Fully sein. 80 Millimeter Federweg am Heck treffen auf eine 110-Millimeter-Gabel – ein Setup, das wir in ähnlicher Form bereits vom Trek Supercaliber und Specialized Epic World Cup kennen. Der Auftrag der Redaktion war entsprechend klar formuliert: Finde heraus, ob BHs „Al-dente-Race-Fully“ genauso gut und vor allem zuverlässig funktioniert.
Ich gebe zu: Der Umstieg fiel mir nicht leicht. Zuvor fuhr ich das Arc8 Evolve im Dauertest – ein trailorientierter Racer mit 120 Millimetern Federweg und langer, flacher Geometrie, das bergab enormes Selbstvertrauen vermittelt. Entsprechend skeptisch war ich, ob das deutlich sportlicher ausgelegte BH hier mithalten kann.
Doch bereits die ersten Fahrten zeigten: Der Federweg allein ist nicht entscheidend. Der Split-Pivot-Hinterbau arbeitet erstaunlich sensibel, spricht feinfühlig an und harmoniert überraschend gut mit der Fox-34-Factory-Gabel. Auf sanften Trails wirkt das Bike super, sehr verspielt, effizient und vermittelt genügend Fahrsicherheit.
Ganz perfekt war das Setup aber zunächst nicht. Nach den ersten Kilometern flogen zwei Volumenspacer aus der Gabel. Der Grund: Die Front arbeitet für meinen Geschmack viel zu progressiv. Auf längeren Abfahrten bescherte mir das stramme Feedback schnell müde Arme.
Mit dem größeren Luftvolumen in der Gabel kam ich deutlich besser zurecht: Die Gabel spricht sensibler an, nutzt den Federweg besser aus und passt nun deutlich stimmiger zum komfortablen Heck.
Außerdem hatte ich das Vergnügen, einen Satz Roval Control World Cup Laufräder zu testen. Sie raubten dem Lynx SLS auch das letzte bisschen Schwerfälligkeit, das durch die relativ schweren und serienmäßig verbauten Alu-Laufräder entstand.
Nach der Eingewöhnung überzeugt das BH vor allem durch seine Effizienz. Der Hinterbau wippt kaum, die sportliche Sitzposition bringt spürbar Druck aufs Pedal – der Vortrieb ist messerscharf und kommt bei gesperrtem Fahrwerk schon relativ nah an das Gefühl eines Hardtails heran. Das spricht für die Rahmenkonstruktion. Bei anderen Fullys war im Wiegetritt deutlich mehr Querverwindung spürbar als beim Lynx SLS.
Bergab offenbart das Bike jedoch seine Grenzen. Die Geometrie mit steilem Lenkwinkel und kurzem Radstand verlangt bei hoher Geschwindigkeit volle Konzentration. Laufruhe? Fehlanzeige. Gerade in steilem, technischem Gelände fährt man deutlich aktiver und weniger souverän als auf moderneren Trail- oder Downcountry-Bikes.
Nach der Eingewöhnung überzeugt das BH vor allem durch seine Effizienz. Der Hinterbau wippt kaum, die sportliche Sitzposition bringt viel Druck aufs Pedal – der Vortrieb ist messerscharf. Legt man den Lockout-Hebel am Lenker um und sperrt das Fahrwerk, kommt das BH relativ nah an die Sprint-Qualitäten eines Hardtails heran. Die meisten anderen Fullys mit 100 oder 120 Millimetern Heckfederweg gehen im Wiegetritt stärker in die Knie.
Bergab offenbart das Bike jedoch auch seine Grenzen. Die Geometrie mit steilem Lenkwinkel und kurzem Radstand verlangt bei hoher Geschwindigkeit volle Konzentration. Laufruhe? Fehlanzeige. Gerade in steilem, technischem Gelände kostet das BH Körner und muss mit viel Körpereinsatz und Fahrtechnik-Skills in der Spur gehalten werden.
Das BH Lynx SLS steht für mich irgendwie zwischen den Stühlen. Der Hinterbau überzeugt mit viel Feingefühl, der Vortrieb ist top. Hier zeigt das Rad seine Renn-Gene. Doch die konservative Geometrie kostet bergab Vertrauen sowie extra Körner, und kleine Mängel im Detail trüben den Gesamteindruck. Mit leichteren Laufrädern steckt in dem Bike ein Marathon-Spezialist. Um auf technisch anspruchsvollen XC-Kursen zu punkten, fehlt es aber an Fahrsicherheit.
Positiv (+)
Negativ (-)

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