2000 km mit dem Kurzhub-FullyWie zuverlässig funktioniert das BH Lynx SLS im Dauertest?

Max Fuchs

 · 30.06.2026

BIKE-Dauertester Fahrer Max Fehr und das BH Lynx SLS. Nach rund 2.000 Kilometern ist es Zeit für die Abrechnung. Taugt das extravagante Race-Fully? Was hält dem Dauereinsatz stand – und was nicht?
Foto: Max Fuchs
Weniger Federweg, dafür maximaler Vortrieb – das verspricht BH mit dem Lynx SLS. Der Ansatz ist nicht neu, aber anspruchsvoll: Komfort und Traktion eines Fullys sollen auf das Antrittsverhalten eines Hardtails treffen. Klingt spannend. Doch funktioniert dieses Konzept im harten Dauereinsatz? Nach rund 2000 Kilometern und 40.000 Höhenmetern zieht Dauertester Max Bilanz.

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Schon beim ersten Blick aufs Datenblatt wird klar: Das Lynx SLS will kein klassisches Fully sein. 80 Millimeter Federweg am Heck treffen auf eine 110-Millimeter-Gabel – ein Setup, das wir in ähnlicher Form bereits vom Trek Supercaliber und Specialized Epic World Cup kennen. Der Auftrag der Redaktion war entsprechend klar formuliert: Finde heraus, ob BHs „Al-dente-Race-Fully“ genauso gut und vor allem zuverlässig funktioniert.

Max steht in seiner Freizeit regelmäßig als Hobby-Racer an den Startlinien von Marathonrennen. Das war allerdings nicht immer so: In seiner Jugend sammelte der Würzburger in Dirtparks unzählige Flugstunden. Kein Wunder also, dass er auch mit einem Race-Fully spielerisch durch Halfpipes wirbelt.Foto: Max FuchsMax steht in seiner Freizeit regelmäßig als Hobby-Racer an den Startlinien von Marathonrennen. Das war allerdings nicht immer so: In seiner Jugend sammelte der Würzburger in Dirtparks unzählige Flugstunden. Kein Wunder also, dass er auch mit einem Race-Fully spielerisch durch Halfpipes wirbelt.

Ausstattung BH Lynx SLS

  • Gabel / Dämpfer: Fox 34 SC Factory / Float Factory
  • Schaltung / Bandbreite: Sram GX AXS Transmission / 520 %
  • Bremsen: Sram Level Bronze / 180/160 mm
  • Laufräder: BH EA 30 SL
  • Reifen: Pirelli Scorpion XC 29 x 2,4
  • Sattelstütze / Hub: Bike Yoke Divine SL / 125 mm
  • Max. Systemgewicht: 145 kg
  • Garantie: lebenslang
  • Besonderheiten: Carbon-Lenker-Vorbau-Einheit mit optionalem Werkzeug

Aus dem Testlabor

  • Gesamtgewicht: 11,21 kg ohne Pedale
  • Rahmengewicht: 1693 g
  • Gewicht Laufräder: 4243 g
  • Laufradträgheit: 3219 kg x cm²

Skepsis vor dem knappen Federweg

Ich gebe zu: Der Umstieg fiel mir nicht leicht. Zuvor fuhr ich das Arc8 Evolve im Dauertest – ein trailorientierter Racer mit 120 Millimetern Federweg und langer, flacher Geometrie, das bergab enormes Selbstvertrauen vermittelt. Entsprechend skeptisch war ich, ob das deutlich sportlicher ausgelegte BH hier mithalten kann.

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Doch bereits die ersten Fahrten zeigten: Der Federweg allein ist nicht entscheidend. Der Split-Pivot-Hinterbau arbeitet erstaunlich sensibel, spricht feinfühlig an und harmoniert überraschend gut mit der Fox-34-Factory-Gabel. Auf sanften Trails wirkt das Bike super, sehr verspielt, effizient und vermittelt genügend Fahrsicherheit.

Setup-Feinschliff für mehr Komfort

Ganz perfekt war das Setup aber zunächst nicht. Nach den ersten Kilometern flogen zwei Volumenspacer aus der Gabel. Der Grund: Die Front arbeitet für meinen Geschmack viel zu progressiv. Auf längeren Abfahrten bescherte mir das stramme Feedback schnell müde Arme.

Mit dem größeren Luftvolumen in der Gabel kam ich deutlich besser zurecht: Die Gabel spricht sensibler an, nutzt den Federweg besser aus und passt nun deutlich stimmiger zum komfortablen Heck.

Außerdem hatte ich das Vergnügen, einen Satz Roval Control World Cup Laufräder zu testen. Sie raubten dem Lynx SLS auch das letzte bisschen Schwerfälligkeit, das durch die relativ schweren und serienmäßig verbauten Alu-Laufräder entstand.

Effizient bergauf, nervös bergab

Nach der Eingewöhnung überzeugt das BH vor allem durch seine Effizienz. Der Hinterbau wippt kaum, die sportliche Sitzposition bringt spürbar Druck aufs Pedal – der Vortrieb ist messerscharf und kommt bei gesperrtem Fahrwerk schon relativ nah an das Gefühl eines Hardtails heran. Das spricht für die Rahmenkonstruktion. Bei anderen Fullys war im Wiegetritt deutlich mehr Querverwindung spürbar als beim Lynx SLS.

Bergab offenbart das Bike jedoch seine Grenzen. Die Geometrie mit steilem Lenkwinkel und kurzem Radstand verlangt bei hoher Geschwindigkeit volle Konzentration. Laufruhe? Fehlanzeige. Gerade in steilem, technischem Gelände fährt man deutlich aktiver und weniger souverän als auf moderneren Trail- oder Downcountry-Bikes.

Alltag und Dauerhaltbarkeit

Nach der Eingewöhnung überzeugt das BH vor allem durch seine Effizienz. Der Hinterbau wippt kaum, die sportliche Sitzposition bringt viel Druck aufs Pedal – der Vortrieb ist messerscharf. Legt man den Lockout-Hebel am Lenker um und sperrt das Fahrwerk, kommt das BH relativ nah an die Sprint-Qualitäten eines Hardtails heran. Die meisten anderen Fullys mit 100 oder 120 Millimetern Heckfederweg gehen im Wiegetritt stärker in die Knie.

Bergab offenbart das Bike jedoch auch seine Grenzen. Die Geometrie mit steilem Lenkwinkel und kurzem Radstand verlangt bei hoher Geschwindigkeit volle Konzentration. Laufruhe? Fehlanzeige. Gerade in steilem, technischem Gelände kostet das BH Körner und muss mit viel Körpereinsatz und Fahrtechnik-Skills in der Spur gehalten werden.

Fazit von Maximilian Fehr, BIKE-Testfahrer

Das BH Lynx SLS steht für mich irgendwie zwischen den Stühlen. Der Hinterbau überzeugt mit viel Feingefühl, der Vortrieb ist top. Hier zeigt das Rad seine Renn-Gene. Doch die konservative Geometrie kostet bergab Vertrauen sowie extra Körner, und kleine Mängel im Detail trüben den Gesamteindruck. Mit leichteren Laufrädern steckt in dem Bike ein Marathon-Spezialist. Um auf technisch anspruchsvollen XC-Kursen zu punkten, fehlt es aber an Fahrsicherheit.

Bewertung

Positiv (+)

  • Effizienter Vortrieb
  • Sensibel arbeitender Hinterbau
  • Stimmiges Fahrwerks-Konzept

Negativ (-)

  • Nervöse Geometrie bei Highspeed
  • Eingeschränkte Servicefreundlichkeit
  • Ungünstige Flaschenhalter-Position
  • Etwas zu hohes Gewicht für ein Race-Fully

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Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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