Der Tausch des Tretlagers am Mountainbike ist kein Hexenwerk und gerade für Vielfahrer immer wieder Pflicht. Je nach Abdichtung, Belastung und Umweltbedingungen kann ein gewöhnliches Set bereits nach 2000 bis 3000 Kilometern verschlissen sein. Leider konnte sich die Industrie bislang nicht auf einheitliche Maße und Standards einigen. Vor dem Austausch müssen Schrauber also ersteinmal herausfinden, welches Ersatzteil sie brauchen.
Grundsätzlich sollte sich die genaue Bezeichnung des jeweiligen Tretlager-Standards beim Rahmenhersteller herausfinden lassen. Man unterscheidet zwischen Innenlagern, deren Schalen im Chassis verpresst und solchen, welche verschraubt werden. Anwenderfreundlicher ist das Gewinde, bei hoher Qualität aller beteiligten Parts und passendem Werkzeug ist aber auch ein verpresstes Lager in rund 15 Minuten getauscht. Der Durchmesser, beziehungsweise das Gewinde, des Tretlagers muss zum Gehäuse und der Innendurchmesser zur Kurbelachse passen. Letztere ist bei modernen Parts Bestandteil der Kurbel, nicht der Lager, aber ebenfalls nicht genormt. Beispielsweise passt eine Shimano-Kurbel nicht in ein Tretlager nach Sram-DUB-Achsstandard. Selbstverständlich gibt es zum Aus- und Einbau jedes Tretlagers auch noch je ein passendes Werkzeug.
Zu allem Übel muss ein Innenlager auch noch mit der Breite des Gehäuses harmonieren. Wer sich unsicher ist, kann mithilfe eines Messchiebers am Rahmen nachmessen. Bei den meisten Mountainbikes haben sich 68 oder 73 Millimeter Breite etabliert, für die oft ein Lagertyp gemeinsam passt. Ausnahmen finden sich bei Downhill-Bikes und einzelnen Modellen mit Superboost-Hinterradachse. Folgende Tabellen geben einen Überblick über die gängigsten Maße:
| Typ | Innendurchmesser |
| BSA | 34 mm |
| T47 | 46 mm |
| Typ | Innendurchmesser |
| BB 86/92/104/107/121 | 41 mm |
| BB 30 | 42 mm |
| PF 30 | 46 mm |
| Typ | Außendurchmesser |
| Shimano Hollowtech II | 24 mm |
| Sram DUB | 28,99 mm |
| div. Hersteller | 30 mm |
Nicht ohne Grund bewerten wir bei jedem Bike im BIKE-Testsystem auch die Servicefreundlichkeit des Tretlagers. Gegen die Identifizierung der passenden Ersatzteile und Werkzeuge ist der eigentliche Tausch des Innenlagers aber ein Kinderspiel. Wir erklären den Wechsel verschraubter und verpresster Tretlager in je drei einfachen Schritten.
1. Kurbel abziehen: Fast alle modernen Kurbeln besitzen eine integrierte Abzieh-Funktion. Bei den Shimano-Teilen unseres Beispielbikes müssen zunächst die zwei Klemmschrauben an der Nicht-Antriebsseite gelöst werden Anschließend kann die Hauptschraube mithilfe eines Shimano-Spezialwerkzeug entnommen und die Sicherungsplatte mit einem kleinen Schlitzschraubenzieher angehoben werden. Nun ist der linke Kurbelarm gelöst. Die rechte Seite lässt sich mit leichten Schlägen eines Kunststoffhammers auf die Achse herausklopfen.
2. Altes Lager ausbauen: Für jedes verschraubte Innenlagergehäuse gibt es einen speziellen Schlüssel, beziehungsweise eine passende Nuss (z.B. BSA oder T47). Obacht: Das rechte Lager besitzt ein Linksgewinde, das linke ein Rechtsgewinde. Die Schalen lassen sich also jeweils entgegen der Fahrtrichtung lösen. Meist sitzen zwischen Schalen und Rahmen noch ein oder mehrere Distanzringe zur Korrektur der Kettenlinie. Die jeweilige Anzahl pro Seite am besten kurz notieren, um diese wieder korrekt einbauen zu können.
3. Neues Lager einbauen: Gewinde und Rahmeninneres sollten vor Neueinbau gründlich gereinigt werden. Die Gewinde der neuen Lager mit Montagefett versehen und Distanzringe wieder einsetzen (bei 68 mm Gehäuse rechts zwei, links einer / bei 73 mm rechts einer, links keiner) Anschließend die Lagerschalen mit dem vom Hersteller angegebenen Drehmoment (um 40 Nm) in Fahrtrichtung festschrauben. Auch die Aufstandsflächen der Kurbelachse sollten gereinigt und neu gefettet werden. Nach dem Einbau der Kurbel überschüssiges Fett entfernen.
1. Altes Lager ausschlagen: Nachdem die Kurbel ausgebaut wurde (s. oben), können verpresste Innenlager mithilfe eines Ausschlagwerkzeuges aus dem Rahmen gehämmert werden. Die Funktionsweisen unterschiedlicher Werkzeuge variieren, vorsichtige aber kräftige Schläge sind in jedem Fall ratsam. Ohne Spezialwerkzeug ist der Gang zur Fachwerkstatt zu empfehlen, da der Rahmen beim Ausbau beschädigt werden kann. Auch bei verpressten Lagern kommen Kunststoffteile zum Einsatz, deren Position man sich bei Demontage merken sollte.
2. Neues Lager einpressen: Anschließend das Gehäuse reinigen und neu fetten. Bei den meisten verpressten Tretlagern ist es egal, welches Lager auf welcher Seite montiert wird. Nun muss ein zum Lagerdurchmesser passendes Einpresswerkzeug durchs Gehäuse eingesetzt werden. Beim Einpressen darauf achten, dass das Lager jederzeit gerade im Rahmen sitzt. Abschließend Werkzeug entnehmen, gegebenenfalls Kunststoffteile einsetzen und Kurbel gereinigt und neu gefettet wieder einsetzen.
3. Der richtige Dreh: Gerade bei verpressten Lagern ist die störungsfreie Rotation der Kurbel sensibel für Toleranzen im Rahmen. Viele der aktuellen Kurbelmodelle besitzen auf der Nicht-Antriebsseite einen Ring zur Einstellung der Lagervorspannung. Dazu dessen Klemmschraube nach dem Festziehen der Kurbelarme lösen, am Ring drehen, bis sich die Kurbel sauber dreht aber dennoch spielfrei sitzt und die Klemmschraube wieder vorsichtig zudrehen.