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KYB – schon mal gehört? Selbst Branchen-Insider zuckten mit den Schultern, wenn wir von der Forke erzählten. Dabei zählt KYB zu den weltweit größten Herstellern von Hydrauliksystemen und Stoßdämpfern. Das 1919 gegründete Unternehmen produziert Fahrwerkskomponenten für Motorräder, Automobile, und Baumaschinen sowie Hydraulikpumpen und Betonmischer.
Nun drängt KYB in den MTB-Markt – und vergaß dabei, der Gabel einen Namen zu geben. Der nüchterne Serienname lautet BFF-160-G1, was klingt wie ein vergessenes IKEA-Regal. Wir durften sie exklusiv testen.
Das Gewicht lässt Grammfuchser laut aufheulen – die KYB ist nochmals 160 Gramm schwerer als die ohnehin pummelige Platzhirsch-Upside-Down-Federgabel Fox Podium. Und sie besitzt nur 160 Millimeter Federweg. Der Motorrad-Einfluss zeigt sich beim Setup: Kreuzschlitz-Schrauben und eine Zugstufenverstellung, die oben an der Gabelkrone statt – wie bei herkömmlichen Gabeln – unten an den Ausfallenden einstellbar ist. Die Druckstufen-Einstellung findet man dagegen am Gabelfuss.
Im linken Standrohr befindet sich eine konventionelle Stahl-Spiralfeder, wie sie auch in der Motocross-Branche üblich ist. Im rechten Standrohr befindet sich das Dämpfungs-Cartridge mit Air-Assist-Luftkammer, um die Federrate zusätzlich mit Luft anzupassen.
Mit 1.800 Euro ist die KYB kein Schnäppchen, aber immerhin ganze 600 Euro günstiger als die Fox Podium Factory. Der Verkauf startet laut KYB im Dezember 2026.
Erstmal einstellen, dann fahren.
Erstmal alles anders. Das kleine rote Rädchen oben an der Gabelkrone regelt die Zugstufe – mit zwei Umdrehungen, ohne Klicks. Hört sich nach wenig an, doch schon eine halbe Umdrehung ist spürbar. Unten am Ausfallende lässt sich nur die Einfach-Druckstufe einstellen (20 Klicks). Alle Einstellungen erfordern einen Schlitzschraubenzieher. Wir kamen beim Einsatzgewicht von rund 80 Kilo mit der mittleren Stahlfeder zurecht – lagen damit aber am oberen Ende. Hier lässt sich per Luft auf der Cartridge-Seite noch nachjustieren.
Abfahrt Nummer 1: Die Tester reiben sich die Augen. Die KYB überrascht mit sensiblem Ansprechverhalten und massig Abfahrtspotenz. Das trotz nur 160 Millimeter Federweg. Die KYB baut massig Traktion auf, versorgt den Piloten mit Kontrolle und sendet dabei ein klares Signal: „Lass das Gas stehen, ich hab das im Griff.“
Mit ihrer sehr geringeren Verdrehsteifigkeit flubbert sie geradezu durch Steinfelder und Wurzelstränge, sucht aktiv nach Bodenkontakt und pariert gekonnt Schläge. Bei kleinen, schnellen Unebenheiten spielt sie sogar ihren größten Trumpf aus – hier agiert sie extrem feinfühlig und kontrolliert. Erst bei großen Schlägen, Drops, Stufen und Gaps reagiert sie etwas unkontrolliert und gibt den Federweg zu schnell frei.
Debüt geglückt – bitte bleiben, gerne mit mehr Federweg. Die KYB glänzt mit Sahne-Ansprechverhalten, Potenz und Traktion. Das Setup verlangt Eingewöhnung, und das Pummel- Gewicht begrenzt den Einsatzbereich.
Labor: Unsere Federgabeln werden von unserem Testlabor geprüft. Neben dem Wiegen standen auch Steifigkeitsmessungen auf dem Programm.
Praxis: Für eine maximale Vergleichbarkeit haben wir das Upside-Down-Konkurrenz-Modell von KYB auf identischen Testbikes getestet. Im Bikepark Geisskopf fuhren wir sie auf unterschiedlichen Strecken. Beim Setup orientierten wir uns zunächst an den Herstellerempfehlungen und näherten uns dann Schritt für Schritt dem optimalen Setting an.

Redakteur
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