Test KYBWie stark ist die Underdog-Upside-Down-Forke aus Japan?

Laurin Lehner

 · 27.08.2026

Neuer Player in Town: Wir durften die Japan-Forke als erstes Magazin im deutschsprachigen Raum testen. Dafür rückten wir aus in den Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis. Als Referenz nahmen mir den Upside-Down-Platzhirsch Fox Podium in der Factory-Ausführung mit.
Foto: Georg Grieshaber

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Die KYB ist neu im MTB-Business. Die Upside-Down-Federgabel aus Japan will Enduristen mit Sahne-Ansprechverhalten und Abfahrtspotenz überzeugen – geht der Plan auf? Wir haben den Newcomer getestet.

Themen in diesem Artikel

KYB – schon mal gehört? Selbst Branchen-Insider zuckten mit den Schultern, wenn wir von der Forke erzählten. Dabei zählt KYB zu den weltweit größten Herstellern von Hydrauliksystemen und Stoßdämpfern. Das 1919 gegründete Unternehmen produziert Fahrwerkskomponenten für Motorräder, Automobile, und Baumaschinen sowie Hydraulikpumpen und Betonmischer.

KYB Goes MTB

Nun drängt KYB in den MTB-Markt – und vergaß dabei, der Gabel einen Namen zu geben. Der nüchterne Serienname lautet BFF-160-G1, was klingt wie ein vergessenes IKEA-Regal. Wir durften sie exklusiv testen.

Das Gewicht lässt Grammfuchser laut aufheulen – die KYB ist nochmals 160 Gramm schwerer als die ohnehin pummelige Platzhirsch-Upside-Down-Federgabel Fox Podium. Und sie besitzt nur 160 Millimeter Federweg. Der Motorrad-Einfluss zeigt sich beim Setup: Kreuzschlitz-Schrauben und eine Zugstufenverstellung, die oben an der Gabelkrone statt – wie bei herkömmlichen Gabeln – unten an den Ausfallenden einstellbar ist. Die Druckstufen-Einstellung findet man dagegen am Gabelfuss.

Im linken Standrohr befindet sich eine konventionelle Stahl-Spiralfeder, wie sie auch in der Motocross-Branche üblich ist. Im rechten Standrohr befindet sich das Dämpfungs-Cartridge mit Air-Assist-Luftkammer, um die Federrate zusätzlich mit Luft anzupassen.

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Mit 1.800 Euro ist die KYB kein Schnäppchen, aber immerhin ganze 600 Euro günstiger als die Fox Podium Factory. Der Verkauf startet laut KYB im Dezember 2026.

​Test: KYB BFF -160 - G1

​Erstmal einstellen, dann fahren.

​Das Setup: Ungewöhnlich

Erstmal alles anders. Das kleine rote Rädchen oben an der Gabelkrone regelt die Zugstufe – mit zwei Umdrehungen, ohne Klicks. Hört sich nach wenig an, doch schon eine halbe Umdrehung ist spürbar. Unten am Ausfallende lässt sich nur die Einfach-Druckstufe einstellen (20 Klicks). Alle Einstellungen erfordern einen Schlitzschraubenzieher. Wir kamen beim Einsatzgewicht von rund 80 Kilo mit der mittleren Stahlfeder zurecht – lagen damit aber am oberen Ende. Hier lässt sich per Luft auf der Cartridge-Seite noch nachjustieren.

Abfahrt: Überraschungsmoment

Abfahrt Nummer 1: Die Tester reiben sich die Augen. Die KYB überrascht mit sensiblem Ansprechverhalten und massig Abfahrtspotenz. Das trotz nur 160 Millimeter Federweg. Die KYB baut massig Traktion auf, versorgt den Piloten mit Kontrolle und sendet dabei ein klares Signal: „Lass das Gas stehen, ich hab das im Griff.“

Mit ihrer sehr geringeren Verdrehsteifigkeit flubbert sie geradezu durch Steinfelder und Wurzelstränge, sucht aktiv nach Bodenkontakt und pariert gekonnt Schläge. Bei kleinen, schnellen Unebenheiten spielt sie sogar ihren größten Trumpf aus – hier agiert sie extrem feinfühlig und kontrolliert. Erst bei großen Schlägen, Drops, Stufen und Gaps reagiert sie etwas unkontrolliert und gibt den Federweg zu schnell frei.

Fazit:

Debüt geglückt – bitte bleiben, gerne mit mehr Federweg. Die KYB glänzt mit Sahne-Ansprechverhalten, Potenz und Traktion. Das Setup verlangt Eingewöhnung, und das Pummel- Gewicht begrenzt den Einsatzbereich.

Kurz & Knapp

  • Einstellmöglichkeiten: Stahlfeder, Air-Assist-Luftdruck, Einfach Druck und Zugstufe
  • Max. Ø Disc: 203 mm
  • Gewichtslimit: 120 kg
  • Standrohr: Ø 32 mm
  • Verfügbarer Federweg: 160, (voraussichtlich bald 170 mm)
  • Einbaulänge: 580 mm
  • Verdreh-/Bremssteifigkeit: 13,3 Nm/° / 252,8 Nm/°
  • ​Gewicht: 2949 Gramm
  • Preis: 1800 Euro (Der Verkauf startet europaweit laut KYB im Dezember)

So testet BIKE

Labor: Unsere Federgabeln werden von unserem Testlabor geprüft. Neben dem Wiegen standen auch Steifigkeitsmessungen auf dem Programm.

Praxis: Für eine maximale Vergleichbarkeit haben wir das Upside-Down-Konkurrenz-Modell von KYB auf identischen Testbikes getestet. Im Bikepark Geisskopf fuhren wir sie auf unterschiedlichen Strecken. Beim Setup orientierten wir uns zunächst an den Herstellerempfehlungen und näherten uns dann Schritt für Schritt dem optimalen Setting an.

Zwei Gabeln, ein Konzept: Die Upside-Down-Forke vom Japan-Label KYB (re.) neben der Fox Podium Factory (re.)Foto: Laurin LehnerZwei Gabeln, ein Konzept: Die Upside-Down-Forke vom Japan-Label KYB (re.) neben der Fox Podium Factory (re.)

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Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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