Laurin Lehner
· 08.08.2026
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Wenn Fox und Rockshox im selben Winter ihre Enduro-Flaggschiffe neu auflegen, ist das eine Kampfansage. Die Fox 38 und die Rockshox ZEB führen das Enduro-Segment der Federgabeln seit Jahren an und ringen von Ausbaustufe zu Ausbaustufe um den Status des Klassenbesten. Jetzt haben beide Hersteller ihre Speerspitzen nachgeschärft und verfolgen dabei das gleiche Ziel: weniger Reibungsverluste, eine linearere Kennlinie und mehr Komfort. Nur die Wege dorthin könnten unterschiedlicher kaum sein.
Labor: Beide Federgabeln wurden durch unser Testlabor geschleust. Neben dem Wiegen standen auch Steifigkeitsmessungen auf dem Programm.
Praxis: Für maximale Vergleichbarkeit haben wir beide Gabeln im direkten Vergleich auf Einheitsbikes (Mondraker Foxy) getestet. Im Bikepark Geisskopf fuhren wir die Gabeln auf unterschiedlichen Strecken. Beim Setup starteten wir mit den Herstellerempfehlungen und arbeiteten uns Schritt für Schritt zum Optimum vor.
Steifigeit – gut oder schlecht? Eine „weiche“ Gabel ist nicht per se schlecht. Zwar sorgt eine hohe Verdrehsteifigkeit für ein präziseres Lenkverhalten, gleichzeitig kann sie aber die Traktion verschlechtern, weil das Vorderrad leichter verspringt. Anders sieht es bei der Bremssteifigkeit aus: Je höher sie ausfällt, desto weniger biegt sich die Gabel beim Bremsen nach hinten. Das reduziert Verspannungen im System und ermöglicht ein sensibleres Ansprechverhalten unter Last.
Unsere Laborergebnisse sprechen daher eher für die Fox 38: Sie kombiniert eine hohe Bremssteifigkeit mit einer vergleichsweise moderaten Verdrehsteifigkeit. Beim Gewicht hat auch Fox die Nase vorn. Ebenfalls interessant: Die Steifigkeitswerte der aktuellen Fox 38 unterscheiden sich nur leicht vom Vorgängermodell. Größer sind die Unterschiede bei der neuen ZEB – sie ist knapp 13 Prozent bremssteifer und weist gleichzeitig rund 15 Prozent weniger Verdrehsteifigkeit auf.
Duell: Fox versus RockShox. Zwei Big-Player im Schlagabtausch.
Hier bleibt vieles beim Alten. Die Highund Lowspeed-Druckstufe lässt sich sauber definiert klicken. Allerdings: Statt 8 beziehungsweise 18 Klicks hätte auch die Hälfte gereicht – für einen spürbareren Effekt pro Klick. Das Gleiche gilt für den Rebound. Anders als beim Konkurrenten ZEB gibt es hier eine High- und eine Lowspeed-Zugstufe. Klingt nach Profi-Setup, macht die Abstimmung in der Praxis aber eher kompliziert. In unseren Augen ist das überflüssig. Ein Aufkleber am Gabelholm gibt Empfehlungen – auch für den Luftdruck. Wir kamen mit rund 10 PSI weniger deutlich besser zurecht. Wie immer gilt: Die Herstellerangaben sind ein Anfang, nicht das Ende der Abstimmungsarbeit.
Die Fox 38 rollt den roten Teppich aus und spricht an wie warme Butter auf Toast – samtig, sahnig, geschmeidig. Sie pariert selbst kleine Schläge gekonnt. Genau das macht sie besser als ihren Vorgänger und beseitigt damit dessen größte Schwäche. In diesem Punkt schließt sie zur Rockshox auf – Tester Dimitri ist sogar der Meinung, dass sie die ZEB hier übertrifft. Selbst im groben Geläuf behält die 38 stets die Kontrolle. Sie erzeugt massig Grip und puffert Schläge gekonnt – das schont die Handgelenke. Harte Landungen nach Drops? Kein Problem! Auch ohne ABO (Adjustable Bottom Out) hält die 38 dank ihrer angenehmen Endprogression Durchschlägen stand – weniger Kraftspitzen, mehr Komfort. Das Bike bleibt auf Linie, der Fahrer entspannt. Die 38 wirkt im direkten Vergleich etwas weniger steif – das muss kein Nachteil sein, denn so verzeiht sie auch mal eine unsaubere Linie. Die Fox 38 Factory ist und bleibt zusammen mit der ZEB Benchmark. Unterschiede gibt es zwar, sie betreffen aber eher den Charakter als die reine Performance.
In diesem Vergleich überzeugte die Fox 38 mit viel Potenz, Sensibilität und Traktion – und setzt sich knapp vor die ZEB. Testsieg dank Komfort-Plus.
Rockshox bleibt sich treu und vertraut auf die einfache Zugstufe (Lowspeed) – das finden wir gut! Keep it simple. Mit der nummerierten High- und Lowspeed-Druckstufe (5 beziehungsweise 15 Klicks) findet man ebenfalls schnell das passende Setup. Neu ist der ABO (Adjustable Bottom Out) – ein mechanischer Durchschlagschutz mit acht Klicks. Auch hier klebt ein Aufkleber am Gabelholm und gibt Empfehlungen – im Gegensatz zu Fox allerdings nur für den Luftdruck. Wie gehabt: Wir kamen mit rund 10 PSI weniger deutlich besser zurecht als mit den Herstellerangaben.
Die ZEB Ultimate fühlt sich im direkten Vergleich wie ein Sportfahrwerk an: straffer und direkter. Trotz passendem Sag vermittelt sie dem Fahrer mehr Feedback. Zudem wirkt sie etwas steifer als die Fox, die gutmütiger reagiert, mehr Komfort bietet und die Linie bergab geschmeidiger hält. Nach hohen Drops und harten Landungen taucht die ZEB mit ihrer linearen Kennlinie überraschend tief weg. Die fehlende Endprogression lässt sich aber kompensieren. Drei Klicks am Adjustable Bottom Out (ABO) reichten aus. Von da an gab es keine Durchschläge mehr – selbst dann nicht, wenn wir sie bewusst provozierten. Je häufiger wir die ZEB über die Teststrecken prügelten, desto besser gefiel sie uns. Mit ihrer direkten und präzisen Rückmeldung besitzt sie echten Race-Charakter. Im mittleren Federwegsbereich liefert sie mehr Feedback – eine Eigenschaft, die wir bislang eher mit dem Mitbewerber Fox verbunden hatten. Kurzum: Rockshox hat der ZEB mehr Gegenhalt verpasst. Das ist cool, kostet aber etwas Komfort, den vor allem Gelegenheits-Shredder vermissen dürften.
Die neue Rockshox ZEB Ultimate ist potent, direkt, griffig und leicht einzustellen – dafür nicht ganz so komfortabel wie die Fox 38, die etwas kraftschonender ins Tal flubbert.
Wenn zwei Produkte derart auf Augenhöhe kämpfen, entscheiden die Details – und hier glänzt die Rockshox. Die klar beschriftete, intuitive Einstelllogik macht das Setup angenehm unkompliziert. Dazu kommen großzügige Serviceintervalle. Zwei Details, die den Alltag mit der Gabel spürbar erleichtern – und die ich sehr zu schätzen weiß. Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
Überrascht hat mich auch der empfohlene Luftdruck. Beide Hersteller drucken ihre Empfehlungen auf die Tauchrohre – doch in beiden Fällen waren uns die Werte deutlich zu hoch. Am Ende fuhren wir rund 10 PSI weniger, was spürbar besser funktionierte. Nach meiner Erfahrung gilt das allerdings nur für die Topmodelle. Dimitri Lehner, BIKE-Testredakteur
Fox oder Rockshox? Bei den Topmodellen liefern sich beide Hersteller seit vielen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Unterschiede waren meist persönlicher Geschmack. So war es damals, so ist es heute. Ich war bislang klar Team Rockshox: sensibler, geschmeidiger, mein Ding. Nach diesem Test liegt mir die Fox einen Tick mehr. Laurin Lehner, BIKE-Testredakteur

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