Laurin Lehner
· 26.07.2026
Wenn es um Federelemente im Mountainbiken geht, dann kommt man um die Big Player RockShox und Fox nicht herum. Natürlich gibt es viele weitere**:** SR Suntour, Formula, Marzocchi und andere, doch die zwei US-Marken geben den Ton an. Bis jetzt. Denn KYB drängt nun in die MTB-Branche. Der japanische Riesenkonzern KYB Corporation (Kayaba Industry Co., Ltd.) mit Hauptsitz in Tokio zählt zu den weltweit größten Herstellern von Hydrauliksystemen und Stoßdämpfern. Das 1919 gegründete Unternehmen entwickelt und produziert unter anderem Fahrwerkskomponenten für Motorräder, Fahrräder, Automobile sowie Baumaschinen und die Luftfahrtindustrie.
Wie kommt ein Konzern eurer Größe auf die Idee, ins MTB-Segment einzusteigen, das im Vergleich zu euren anderen Märkten wohl eher Peanuts ist?
Das ist tatsächlich die typische Reaktion. Wir kommen ursprünglich aus der Hydraulikbranche – vor über 100 Jahren in Japan gestartet. Von dort aus sind wir mit Unternehmen wie Toyota im Automotive-Sektor gewachsen und gehören heute weltweit zu den Top 3 Produzenten bei Automotiv- Stoßdämpfern. Über die Jahrzehnte haben wir dann auch den Motorradsektor stark ausgebaut, gerade im Offroad-Bereich sind wir sehr gut aufgestellt. Und genau aus dieser Motorradsparte heraus entstand der Kontakt zu Yamaha, die uns vor einigen Jahren gefragt haben, gemeinsam etwas Neues für den Mountainbike-Sektor zu entwickeln.
Wie lief diese Zusammenarbeit mit Yamaha konkret ab?
Yamaha hat die Mountainbike-Range damals auf einer großen japanischen Auto-Expo vorgestellt – inklusive eines Fully-Prototypen mit KYB-Fahrwerk. Über die Jahre wurde das Konzept dann zu einem finalen Produkt weiterentwickelt. Irgendwann zog sich Yamaha jedoch zurück. Wir bei KYB hatten aber bereits so viel Zeit und Herzblut in das Projekt gesteckt, dass wir entschieden haben, die Entwicklung eigenständig zu Ende zu bringen und das Produkt für den freien Markt anzupassen. Daher auch der Federweg von 160 Millimetern – ein Maß, das für gängige E-Mountainbikes heute Standard ist.
Die Gabel hat bislang keinen richtigen Namen. Wie nennt ihr sie?
Die offizielle Artikelnummer lautet 2025-DF-FF – wobei FF für Front Fork steht. Für ein Teaser-Video, das wir gerade planen, werden wir die Gabel schlicht „KYB 160mm Gabel" nennen. Schade – ich hätte auch gerne einen Namen, der dem Produkt gerecht wird.
Vielleicht kommt da doch noch ein Name.
Die zweite Generation – die wir gerade mit 170 Millimetern Federweg entwickeln – wird auf jeden Fall einen richtigen Namen bekommen. Bei dieser ersten Version wird das leider nichts mehr.
Eine wuchtige Upside-Down-Gabel mit nur 160 Millimetern Federweg – warum nicht gleich 170?
Das ist quasi schon ein Blick in die Zukunft. Die zweite Generation ist in Planung und wird mit 170 Millimetern kommen. Langfristig werden wir dann wahrscheinlich beide Federwege – 160 und 170 Millimeter – abdecken. Die Basis wird dabei identisch sein, über angepasste Federlängen lässt sich zwischen den Varianten wählen. Zunächst fehlt aber noch der passende Dämpfer – der ist ebenfalls in der Entwicklung. Erst dann können wir das Gesamtpaket wirklich vollständig anbieten.
Warum Upside-Down?
Das hat viel mit unserer Motorradhistorie zu tun. Die Ingenieure, die diese Gabel entwickelt haben, kommen alle aus dem Motocross- und Enduro-Sektor – Upside-Down ist deren tägliches Brot. Die Vorteile liegen vor allem im Ansprechverhalten und in der Langlebigkeit. Bei einer Upside-Down-Gabel liegen die Simmerringe permanent im Öl, was Reibung reduziert und die Dichtungen länger funktionsfähig hält. Generell stehen wir bei KYB für solide, langlebige Fahrwerke – nicht unbedingt mit fünf verschiedenen Einstellmöglichkeiten, aber verlässliche Technik, die über viele Jahre funktioniert.
Was kann der Fahrer konkret einstellen?
Es gibt eine Rebound-Einstellung und eine Dämpfungseinstellung. Dazu empfehlen wir einen vollständigen Service alle 100 Betriebsstunden. Mehr braucht es in der Regel nicht – das Produkt ist auf Langlebigkeit ausgelegt.
Ab wann ist die Gabel in Deutschland erhältlich, was kostet sie – und wie sieht das Service-Netzwerk aus?
Wir hatten leider etwas Verzögerung. Die ersten kleinen Stückzahlen werden ab September eintreffen. Den großen Schlag planen wir für Ende des Jahres, etwa im Dezember – dann starten wir europaweit. Beim Service-Netzwerk profitieren wir stark von unserer Automotive-Sparte: In jedem europäischen Land haben wir bereits Niederlassungen und Kollegen. In den wichtigsten Märkten – Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und England – bauen wir gerade ein Partnernetzwerk mit ausgewählten Werkstätten auf, die offiziell als KYB-Servicepartner zertifiziert werden. Der UVP liegt bei 1.800 Euro inklusive Steuern.
Und Ersatzteile?
Wir werden alle Teile als Einzelkomponenten verfügbar machen – dank unserer europäischen Logistikstruktur sind wir da gut aufgestellt. Theoretisch könnte man eine komplette Gabel aus Ersatzteilen zusammenbauen. Ob ein Tauchrohr beschädigt ist oder eine Kappe einen Kratzer abbekommen hat – alles lässt sich einzeln tauschen. Selbst die Dämpfungskartusche kann gewechselt werden, allerdings sollte das ein Profi übernehmen.
Seid ihr schon im Gespräch mit Komplettherstellern?
Ja, es gibt bereits Interessenten und erste Testkontakte. Das Hauptproblem aktuell ist, dass wir nur die Gabel anbieten können. Wenn ein Hersteller eine KYB-Gabel mit einem Fox-Dämpfer kombinieren müsste, ist das für OEM-Gespräche meist wenig attraktiv. Sobald wir aber Gabel und Dämpfer als Komplettpaket anbieten können, wird das Interesse deutlich größer – das ist das klare Feedback aus den Gesprächen. Es wird definitiv ein Bike mit KYB-Fahrwerk geben. Mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen.
Letzte Frage: Welche Gabeln habt ihr euch als Referenz angeschaut – oder waren die Ingenieure so sehr vom Motorrad geprägt, dass sie einfach ihr eigenes Ding gemacht haben?
Sie haben sich selbstverständlich die relevanten Produkte am Markt angeschaut. Für Vergleichstests wurden unter anderem eine Fox und eine Marzocchi herangezogen – von Torsionssteifigkeitstests auf der Bench bis zur ISO-Zertifizierung hatten wir das nötige Know-how und die Maschinen bereits aus dem Motorradbereich.

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