Upside-Down-FedergabelnEin ungleiches Duell: Platzhirsch Fox Podium vs. Underdog KYB

Laurin Lehner

 · 08.09.2026

Zwei Gabeln im Duell: Es kann nur einen Sieger geben. Links der Upside-Down-Platzhirsch Fox Podium Factory, rechts der Herausforderer aus Japan: KYB. beide Gabeln zeigen im  Labor wie erwartet eine geringere Steifigkeit als Federgabeln im herkömmlichen Baustil.
Foto: Laurin Lehner
​Platzhirsch gegen MTB-No-Name. USA gegen Japan – wir duellieren die aktuell mächtigste Upside-Downgabel Fox Podium gegen den Newcomer von KYB.

Themen in diesem Artikel

​Upside-Down-Gabeln feiern ein Revival. Dabei bekam die Auf-den-Kopf-gestellt-Bauweise lange Gegenwind – auch von Fachmagazinen wie BIKE. Ihr vermeintliches Manko: zu geringe Steifigkeit und zu hohes Gewicht. Witzigerweise hat sich daran technisch nichts geändert, doch der Zeitgeist ist ein launisches Wesen, und er meint es gut mit Upside-Down-Gabeln. Die Kritik ist leiser geworden – weil a) Gewicht bei Bikes dieser Abfahrts-Kategorie keine so große Rolle mehr spielt. Und weil b) weiche Gabeln durchaus ihren Reiz haben – sie ermüden den Piloten weniger und suchen sich ihren Weg durch grobes Geläuf mit einer eigensinnigen Eleganz. Folge: Mehr Traktion! Weiterer netter Nebeneffekt: Das Öl steht stets an der Dichtung – das verbessert das Ansprechverhalten.

Nur ein Trend?

Im Worldcup beobachtet man den Trend zu mehr Flex mit wachsender Deutlichkeit: Rahmen, Lenker und Laufräder bestehen wieder zunehmend aus Aluminium statt aus steifem Carbon. Fox hat den Stein 2024 mit ihrer Single-Crown-Gabel Podium wieder ins Rollen gebracht. Mittlerweile folgen weitere – CaneCreek zum Beispiel, oder eben KYB.

Der Dominator: Fox Podium

2025 testeten wir die Fox Podium zum ersten Mal. Und weil nur Vergleichstests echte Auskunft geben, packten wir die Enduro-Gabel-Platzhirsche Fox 38 und RockShox ZEB mit ein (damals noch die 2025er-Modelle). Auf dem Papier sorgte die Podium im Vorfeld für lange Gesichter: ganze 300 Gramm schwerer als die damalige 38 Factory und fast doppelt so teuer wie die ZEB Ultimate von RockShox. Oha. Vorschusslorbeeren, nur im negativen Sinne. Auf dem Trail dann die Überraschung: Die Podium ist eine Macht. Sie schluckt dicke Brocken, giert nach Traktion und schont die Arme des Piloten mit einer fast fürsorglichen Konsequenz. Sie setzte sich in unserem Ranking sogar vor die Klassenbesten RockShox ZEB Ultimate und Fox 38 Factory. Daher bestellten wir sie nun für unseren Herausforderer KYB erneut.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Der Herausforderer: KYB

KYB – schon mal gehört? Selbst Branchen-Insider zuckten mit den Schultern, wenn wir von der Forke erzählten. Dabei zählt KYB zu den weltweit größten Herstellern von Hydrauliksystemen und Stoßdämpfern. Das 1919 gegründete Unternehmen produziert Fahrwerkskomponenten für Motorräder, Automobile, und Baumaschinen sowie Hydraulikpumpen und Betonmischer. Nun drängt KYB in den MTB-Markt – und vergaß dabei, der Gabel einen Namen zu geben. Der nüchterne Serienname lautet BFF-160-G1, was klingt wie ein vergessenes IKEA-Regal. Wir durften sie exklusiv testen und machten es ihr nicht leicht, indem wir die Podium als Sparringspartner aussuchten. Das Gewicht lässt Grammfuchser laut aufheulen – die KYB ist nochmals 160 Gramm schwerer als die ohnehin pummelige Podium, und sie besitzt nur 160 Millimeter Federweg. Der Motorrad-Einfluss zeigt sich beim Setup: Kreuzschlitz-Schrauben und eine Zugstufenverstellung, die oben an der Gabelkrone statt – wie bei herkömmlichen Gabeln – unten an den Ausfallenden einstellbar ist. Die Druckstufen-Einstellung findet man dagegen am Gabelfuss. Im linken Standrohr befindet sich eine konventionelle Stahl-Spiralfeder, wie sie auch in der Motocross-Branche üblich ist. Im rechten Standrohr befindet sich das Dämpfungs-Cartridge mit Air-Assist-Luftkammer, um die Federrate zusätzlich mit Luft anzupassen. Mit 1.800 Euro ist die KYB kein Schnäppchen, aber immerhin ganze 600 Euro günstiger als die Fox Podium Factory.

​Das Labor spricht...

…beide Gabeln zeigen im Labor wie erwartet eine geringere Steifigkeit als Federgabeln im herkömmlichen Baustil wie z. B. die Fox 38 oder RockShox ZEB. So ist die Podium in Sachen Verdrehsteifigkeit nahezu halb so steif wie ihr Pendant, die Fox 38. Noch einen Tick weicher ist hier jedoch die KYB. Während eine geringe Verdrehsteifigkeit einer Gabel durchaus positiv ausgelegt werden kann, ist eine hohe Bremssteifigkeit in jedem Fall besser. Hier zeigt die Podium bessere Werte als die Fox 38 oder die RockShox ZEB. Die KYB hat hier den geringsten und damit schlechtesten Laborwert. Mit 2.949 Gramm wiegt die KYB zudem 500 Gramm mehr als die Fox 38.

​Praxis-Test: Fox Podium Factory

Fox bleibt Fox Das Setup der Podium Factory gelingt genauso intuitiv wie bei allen Fox-Factory-Gabeln. Ein Aufkleber liefert die Luftdruckempfehlung fürs jeweilige Fahrergewicht – dazu gibt es Klick-Tipps für Druck- und Zugstufe. Kein Rätselraten, kein Frust. An der Gabelkrone lassen sich High- und Lowspeed-Druckstufe werkzeuglos mit jeweils 8 beziehungsweise 18 Klicks einstellen. Setup-Nerds dürfen sich zusätzlich über eine High- und Low-Speed-Zugstufe freuen.

Let´s Abfahrt!

Aha-Erlebnis auf den ersten Metern: Auf unserer ruppigen Wurzel-Teststrecke verwöhnt die Podium nicht nur mit Komfort, sondern auch mit eindrucksvoller Traktion – das spürten wir besonders in wurzeldurchzogenen Kurven, wo andere Gabeln zum verspringen tendieren, schnitt die Podium wie auf Schienen in den Turn. Die geringere Verdrehsteifigkeit spürten wir durchaus – doch sie fiel ausschließlich positiv auf und sorgte für ein spürbares Komfortplus. Wenn es schnell wurde und zur Sache ging, sorgte die Podium für beeindruckende Ruhe in der Front. Stufen, Kanten, dicke Wurzelstränge – die Podium nahm sie auf wie ein Spielautomat die Münzen eines Spielsüchtigen – rein, weg, weiter! Nur bei kleinen, schnellen Schlägen reagierte Duell-Gegner KYB noch gefühliger. Auch intensives Experimentieren mit der Zugstufe half nix. Was die Podium jedoch besser kann als die KYB: große, harte Schläge kassieren. Sie nutzt ihren gesamten Federweg und bleibt gegen Ende des Hubs angenehm progressiv – Kraftspitzen werden abgefedert, die Kontrolle bleibt.

  • Einstellmöglichkeiten Luftdruck, High und Lowspeed Druck- und Zugstufe, Volumespacer
  • Max. Ø Disc / Gewichtslimit 230 mm / 169 kg
  • Standrohr Ø 38 mm
  • Verfügbarer Federweg 160, 170 mm
  • Gewicht 2786 Gramm
  • Einbaulänge 595 mm
  • Verdreh-/Bremssteifigkeit 17,3 Nm/° / 355,1 Nm/°
Fox Podium Factory
Komfort (30%) 1,0
Kontrolle (30 %) 1,3
Handhabung (20 %) 2,0
Gewicht (15 %) 3,5
Bremssteifigkeit (5 %) 1,0
Gesamtnote 1,7

Fazit

Die Fox Podium Factory ist eine Wucht. Komfort, Traktion, Speed – sie beherrscht alles und toppt damit in der Praxis sogar die Testsieger-Gabel Fox 38. Nur zwei Dinge trüben das Bild: der Preis (!) und das Gewicht.


Praxis-Test KYB BFF 160-G1

Erstmal alles anders. Das kleine rote Rädchen oben an der Gabelkrone regelt die Zugstufe – mit zwei Umdrehungen, ohne Klicks. Hört sich nach wenig an, doch schon eine halbe Umdrehung ist spürbar. Unten am Ausfallende lässt sich nur die Einfach-Druckstufe einstellen (20 Klicks). Alle Einstellungen erfordern einen Schlitzschraubenzieher. Wir kamen beim Einsatzgewicht von rund 80 Kilo mit der mittleren Stahlfeder zurecht – lagen damit aber am oberen Ende. Hier lässt sich per Luft auf der Cartridge-Seite noch nachjustieren.

Abfahrt: Überraschungsmoment

Abfahrt Nummer 1: Die Tester reiben sich die Augen. Statt sich als gefügiges Bauernopfer zu ergeben, liefert die KYB der mächtigen Podium einen echten Schlagabtausch – und überrascht mit sensiblem Ansprechverhalten und massig Abfahrtspotenz. Das trotz weniger Hub. Genau wie die Podium baut die KYB massig Traktion auf, versorgt den Piloten mit Kontrolle und sendet dabei ein klares Signal: „Lass das Gas stehen, ich hab das im Griff.“ Mit ihrer nochmals etwas geringeren Verdrehsteifigkeit flubbert sie geradezu durch Steinfelder und Wurzelstränge, sucht aktiv nach Bodenkontakt und pariert gekonnt Schläge. Bei kleinen, schnellen Unebenheiten spielt sie sogar ihren größten Trumpf aus – hier agiert sie noch etwas feinfühliger und kontrollierter als die Podium. Erst bei großen Schlägen, Drops, Stufen und Gaps reagiert sie unkontrollierter und gibt den Federweg zu schnell frei. Hier zieht die Podium davon, profitiert aber auch von einem Zentimeter mehr Federweg.

  • ​​​Einstellmöglichkeiten: Stahlfeder, Air-Assist-Luftdruck, Einfach Druck und Zugstufe
  • Max. Ø Disc / Gewichtslimit 203 mm / 120 kg
  • Standrohr Ø 32 mm
  • Verfügbarer Federweg 160 mm (bald 170 mm)
  • Gewicht 2949 Gramm
  • Einbaulänge 580 mm
  • Verdreh-/Bremssteifigkeit 13,3 Nm/° / 252,8 Nm/°
KYB BFF 160-G1
Komfort (30%) 1,3
Kontrolle (30 %) 1,3
Handhabung (20 %) 2,0
Gewicht (15 %) 4,0
Bremssteifigkeit (5 %) 2,5
Gesamtnote 1,9

Fazit:

Debüt geglückt – bitte bleiben, gerne mit mehr Federweg. Die KYB glänzt mit Sahne-Ansprechverhalten, Potenz und Traktion. Das Setup verlangt Eingewöhnung, und das Pummel- Gewicht begrenzt den Einsatzbereich.


So testet BIKE

Labor: Unsere Federgabeln werden von unserem Testlabor geprüft. Neben dem Wiegen standen auch Steifigkeitsmessungen auf dem Programm.

Praxis: Für eine maximale Vergleichbarkeit haben wir das Upside-Down-Konkurrenz-Modell von KYB auf identischen Testbikes getestet. Im Bikepark Geisskopf fuhren wir sie auf unterschiedlichen Strecken. Beim Setup orientierten wir uns zunächst an den Herstellerempfehlungen und näherten uns dann Schritt für Schritt dem optimalen Setting an.

Duell-Gegener KYB (li.) und Fox Podium (re.). Hier in unseren Einheits-Bikes.Foto: Laurin LehnerDuell-Gegener KYB (li.) und Fox Podium (re.). Hier in unseren Einheits-Bikes.

Stimmen zum Duell:

Ich bin kein Lightweight- Verfechter, schon gar nicht bei Enduros – dennoch bringen beide Gabeln ganz schön viel Gewicht auf die Waage. Das muss man wollen und sich die Frage stellen, warum man nicht gleich zu einer Fox 38 Factory oder RockShox ZEB Ultimate greift.
Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
Wow, dass der Newcomer aus Japan dem Big Player von Fox so nahe kommt, hätte ich nicht vermutet. Klar, die KYB wiegt noch mal 160 Gramm mehr als die ohnehin schon pummlige Podium – in der Praxis auf den Abfahrten spürte ich allerdings keinen Unterschied. Zudem ist sie ganze 800 Euro günstiger.
​Dimitri Lehner, BIKE-Testredakteur
Die Podium von Fox war der große Favorit, die KYB ohne echten Modellnamen der Herausforderer mit vermeintlich schlechten Chancen – schließlich hat die Podium beim letzten Vergleichstest Maßstäbe gesetzt. Dass die KYB so dicht aufschließt, lässt die Testerseele hüpfen.
Laurin Lehner, BIKE-Testredakteur

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

Meistgelesen in der Rubrik Komponenten

Shorts