Florentin Vesenbeckh
· 13.07.2026
Psylo ist nicht gleich Psylo! Die Unterschiede zwischen den beiden Rockshox-Federgabeln Psylo Silver und Psylo Gold sind viel größer, als es der kleine Namenszusatz erwarten lassen würde. Die Psylo Gold ist nicht nur massiv leichter, sie funktioniert auch im Gelände deutlich besser. Während der große Bruder als ernstzunehmende Trail-Gabel überzeugt, ist die günstigere Psylo Silver klar im Einstiegssegment anzusiedeln.
Gold oder Silber? Was auf den ersten Blick wie eine reine Frage des Budgets wirkt, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als grundlegend andere Philosophie. RockShox hat mit der Psylo-Familie zwei Federgabeln auf den Markt gebracht, die zwar denselben Namen tragen und beide auf dem neuen 35-mm-Chassis basieren – doch die Funktion ist in der MTB-Realität drastisch unterschiedlich. Wie kann das sein? Wir haben beide Gabeln unter die Lupe genommen.
Bevor es um die Unterschiede geht, lohnt ein Blick auf das gemeinsame Fundament. Beide Gabeln teilen sich das neue 35-mm-Chassis mit überarbeiteten Standrohren, die für funktionale Steifigkeit und verbesserte Lenkpräzision sorgen sollen. Hinzu kommen Premium-Buchsen für eine geringere Losbrechkraft sowie das Maxima Plush Öl – sowohl als Dämpfungs- als auch als Dynamic Gabelöl.
Die Psylo Gold setzt auf 35-mm-Standrohre aus Aluminium, während die Silver auf Stahl baut. Klar, das ist eine Preisfrage. Der Unterschied zeigt sich vor allem im Gewicht. 2320 Gramm vs. 2786 Gramm stehen im Datenblatt. Das ist ein satter Unterschied von 450 Gramm. Das spürt man selbst am E-MTB, zumal die Gabel das Vorderrad belastet und damit agile Manöver wie Manuals spürbar erschwert.
Doch die Frage ob Silver oder Gold ist mehr als eine Materialfrage. Der für Mountainbiker wohl entscheidendste Unterschied zwischen beiden Gabeln liegt in der Druckstufendämpfung. Die Gold setzt auf das neue Isolator RC-System mit einer dreistufigen Druckstufeneinstellung – Open, Pedal und Firm. Die Silver vertraut dagegen auf die überarbeitete Motion Control-Dämpfung, eine ältere Technologie.
Auch bei der Luftfeder gehen die beiden Gabeln getrennte Wege. Die Psylo Gold kommt mit der DebonAir-Luftfeder, die bewusst höher im Federweg stehen soll, um den nutzbaren Hub voll auszureizen. Zudem ist sie mit Bottomless Tokens kompatibel – ein klares Signal an Fahrer, die ihre Gabel individuell abstimmen möchten. Die Psylo Silver setzt hingegen auf die SoloAir-Luftfeder, verzichtet also auf das modernere Rockshox-Feature.
Luftfeder und Dämpfung entscheiden darüber, wie sich die Federgabel im Gelände verhält. Und hier sind Begriffe wie Debonair oder Isolater RC mehr als Marketing-Buzzwords. Denn die Psylo Gold konnte an diversen Testbikes mit richtig guter Dämpfungskontrolle und grundsolidem Federverhalten überzeugen. Selbst an abfahrtsstarken Bikes mit gutem Hinterbau, wie dem Santa Cruz Vala AL Deore (zum Test), macht die Psylo Gold noch eine ordentliche Figur.
An Testbikes mit der Psylo Silver landete hingegen immer wieder Kritik in den Notizen unserer Tester. Die Gabel gibt den Federweg zu schnell frei und taucht an Stufen schnell durch den Federweg. Der Hub wird damit nicht so effektiv genutzt, wie bei der wertigeren Gold-Variante. Gerade auf schweren Trails und ruppigen Abfahrten kostet das Kontrolle und Traktion. Wer ambitioniert auf Trails unterwegs ist, wird den Unterschied deutlich ausmachen können.
Die Psylo Silver ist offiziell übrigens ein reines “OEM-Produkt”. Heißt: Sie gibt es nicht einzeln zu kaufen, sondern nur an Komplettbikes der Bike-Hersteller. Aus Kostengründen wird sie an günstigeren Bikes gerne spezifiziert. Vereinzelt tauchen trotzdem Modelle der Psylo Silver auch in Online-Shops als Nachrüst-Produkt auf.

Redakteur CvD
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