Wo E-Bike-Antriebe entwickelt und geprüft wurden, suchen nun Maschinen, Fahrräder, Bikeparts und Betriebsausstattung neue Besitzer. Auf der Plattform Restlos läuft eine umfangreiche Inventarversteigerung am Ottobrunner Standort von Porsche eBike Performance. Die ersten Zuschläge sind für Montag, den 19. Oktober 2026, ab 8 Uhr vorgesehen.
Der Auktionsveranstalter nennt das Unternehmen im Auktionskatalog zur Standortschließung nicht ausdrücklich. Die Adresse Marie-Curie-Straße 6 und angebotene, eigens für Fazua gebaute Prüfanlagen sprechen jedoch ziemlich klar für die Zuordnung. “Standortschließung eines bekannten deutschen Herstellers für E-Bike Antriebe: Lager-, Produktions-, und Büroeinrichtung, Prüfstationen, Fahrräder, Werkzeug, Zubehör”, steht in der Auktionsbeschreibung. BIKE hatte bereits über das angekündigte Ende des Geschäftsbetriebs von Porsche eBike Performance und Fazua berichtet.
Die Fahrradauswahl geht über Modelle mit Fazua-Motor hinaus. Angeboten werden unter anderem ein Porsche-Rotwild eBike Cross sowie ein Raymon Tarok Carbon-E-MTB des Modelljahrs 2025. Auch Trekking- und Alltagsräder gehören zum Sortiment, darunter ein Haibike Trekking 10 High.
Wer kein komplettes Rad sucht, findet ebenfalls einschlägiges Material: Fox-38-Factory-Federgabeln, offenbar komplett neu, Dämpfer, Sattelstützen und weitere Fahrradteile stehen ebenso zum Verkauf wie Bekleidung und Transportzubehör. Manche Positionen werden einzeln angeboten, andere als Paket - was durchaus für Überraschungen sorgen könnte. Denn der genaue Inhalt und die Menge sind nicht immer klar ersichtlich. Für die eigene Werkstatt können außerdem Werkzeugwagen, Montageständer und hochwertige Tools interessant sein. Oder fehlt im Schrauberparadies eine stilvolle Grünpflanze? Auch das steht zum Angebot.
Das Durchblättern der Angebote kann sich durchaus lohnen, auch wenn kein Kaufinteresse besteht. Zumindest durften wir das ein oder andere Mal kräftig schmunzeln. So werden zum Beispiel gleich mehrere Fahrräder unter dem Namen “Müller & Riese” angeboten. Hoffentlich sind das keine billigen Kopien des bekannten deutschen Premiumherstellers “Riese und Müller”. Auch eine “Santa Cruz Werkbank” entlockt Kennern ein Grinsen. Denn auf dem Produkt der Marke Unior hat ein fleißiger Mitarbeiter lediglich einen Aufkleber der beliebten Bike-Marke Santa Cruz platziert.
Die angebotenen E-Bikes werden als Testfahrräder beschrieben, ihre Funktion wurde nicht geprüft. Akkus und Zubehör zählen nach den Angebotshinweisen nur dann zum Lieferumfang, wenn sie auf den Bildern zu sehen sind. Mindestens ein Rad wird ausdrücklich ohne Akku angeboten.
Das macht die Besichtigung besonders wichtig. Interessenten sollten vor dem Bieten klären, ob Akku, Ladegerät und Bedieneinheit vorhanden sind, welche Schäden erkennbar sind und ob sich fehlende Teile überhaupt beschaffen lassen. Auch mögliche Reparaturkosten gehören ins persönliche Preislimit. Ein ungeprüftes Testbike lässt sich preislich nicht ohne Weiteres mit einem fahrbereiten Gebrauchtangebot vergleichen.
Im Katalog sind 18 Prozent Aufgeld und 19 Prozent Mehrwertsteuer hinterlegt. Die angezeigten Gebote sollten deshalb nicht mit dem Gesamtpreis verwechselt werden.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Größenordnung: Werden auf einen Zuschlag von 1.000 Euro zunächst 18 Prozent Aufgeld und anschließend auf beide Beträge 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnet, ergibt sich eine Endsumme von 1.404,20 Euro. Abholung und mögliche Instandsetzung sind darin noch nicht enthalten. Maßgeblich bleibt die Kostenaufstellung des jeweiligen Loses.
Abseits der Fahrräder gibt die Versteigerung Einblick in die technische Ausstattung eines Antriebsherstellers. Zu den besonderen Positionen gehört ein End-of-Line-Prüfstand für Fazua-Ride-60-Antriebseinheiten. Laut Losbeschreibung dient die Anlage dazu, Motoren unter Last zu prüfen und zu kalibrieren. Erfasst werden unter anderem Leistung und Drehmoment. In der privaten Fahrradwerkstatt hat dieses edle Teil wohl keine Zukunft. Schade, dass der Prüfstand seine Arbeit nicht weiter verrichten darf, um uns mit schicken Light-E-MTBs zu versorgen.
Aus dem Verkauf von Standortinventar allein lässt sich nicht ableiten, wie Service oder Ersatzteilversorgung organisiert werden. Diese Fragen behandelt BIKE gesondert im Bericht über die angekündigten Regelungen zu Fazua-Service, Ersatzteilen und Updates. Ein Blick zurück macht wehmütig.

Redakteur CvD
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