Eurobike-InnovationThe next big Thing? Fahren wir bald alle mit Motor-Getriebe-Einheit?

Laurin Lehner

 · 12.07.2026

Eurobike-Innovation: The next big Thing? Fahren wir bald alle mit Motor-Getriebe-Einheit?Foto: Clutch Damien Guio / Moustache Clutch
Zukunftsmusik oder schon bald Standart?
Sogenannte MGU`s (Motor Gear Unit) sollen Motor, Getriebe und Schaltung in einer Einheit kombinieren. Durchgesetzt haben sie sich bisher nicht - doch jetzt kommen die Chinesen mit Gobao und Avinox. Drei Typen, drei Meinungen.

​MGUs ist eine Baugruppe, die Elektromotor, Getriebe und häufig auch die Schaltung in einer Einheit kombiniert. Vorteile: Weniger Wartung, Schalten im Stand, besser Gewichtsverteilung, längere Lebensdauer des Antriebs, saubere Schaltvorgänge. Nachteile: höheres Gewicht, teuer, evtl. komplexere Reparaturen. Soweit so gut. Bisher gab es das Pinion-Getriebe, dass sich aber nicht durchsetzen konnte.

Auf der diesjährigen Eurobike haben ausgerechnet Asien-Hersteller Gobao und Avinox neue Modelle gezeigt. Konstrukteur Peter Denk sagt: “Bosch hat sowas sicher auch in der Pipeline, doch die Chinesen waren schneller. Jammerschade”.

Was ist ein MGU?

​Das ist eine Baugruppe, die Motor, Getriebe und Schaltung in einer Einheit kombiniert. Vorteile: Weniger Wartung, Schalten im Stand, bessere Gewichtsverteilung, längere Lebensdauer des Antriebs, saubere Schaltvorgänge. Nachteile: höheres Gewicht, teuer, evtl. komplexere Reparaturen. Auf der Eurobike zeigten Gobao und Avinox neue Modelle.

From China with Love... äh, Power! Gobaos MGU. Und was macht Bosch?Foto: GobaoFrom China with Love... äh, Power! Gobaos MGU. Und was macht Bosch?

Drei Typen, drei Meinungen.

Hier kommen die Konstrukteure Peter Denk, Lutz Scheffer und Stellv. Chefredakteur Florentin Vesenbeckh zu Wort.

Peter Denk, Kinematik-Experte und Visionär

​Das Schaltwerk muss weg. Stufenlose Getriebe sind der einzig richtige Weg beim Mountainbike, ja sogar auch beim Citybike. Kein Schaltwerk, keine Zugkraftunterbrechung, keine Kompromisse.

Zahnräder ohne Zugkraftunterbrechung? Macht das mal. MotoGP hat Jahrzehnte daran gearbeitet, mit riesigem Aufwand, und es ist immer noch ein Krampf. Hyperkomplex, zu schwer, zu fehleranfällig. Das ist für mich daher ein Irrweg.

Was Gobao und Avinox jetzt machen, ist ein spannender Ansatz. Und ich bin ehrlich gesagt extrem scharf drauf. Dass die Deutschen das verschlafen haben, ist wirklich schade. Was mich wirklich elektrisiert: Du sparst 700 bis 900 Gramm ungefederte Masse am Hinterrad. Fahr mal einen brutalen Wurzelteppich und sag mir danach, dass das keinen Unterschied macht. Das ist doppelt gewonnen – die Federung spricht besser an, und die gesamte Dynamik ist einfach eine andere Welt.

Und dann noch das: Ohne Schaltwerk liegt die Kette fix auf einer Position. Null Kettenschräglauf. Das heißt, ich kann die Kette komplett kapseln – sauber, geschützt, wartungsarm. Das öffnet völlig neue Möglichkeiten im Bike-Design. Kurzum: MGU´s haben das Zeug zur Super-Innovation, mal gucken, ob es soweit kommt.
“Ich bin extrem scharf drauf”, sagt Peter Denk.Foto: Laurin Lehner“Ich bin extrem scharf drauf”, sagt Peter Denk.

​Florentin Vesenbeckh, BIKE-Tester und Stellv. Chefredakteur

Eine wirklich überzeugende Getriebeschaltung gilt als Endgegner für die Mountainbike-Industrie. Bisher konnte im sportlichen Einsatz kein System wirklich überzeugen. Wenn das Gobao oder Avinox gelingt, wäre es die nächste Revolution am E-MTB-Markt und eine gute Nachricht für alle E-Biker. Den chinesischen Playern ist viel zuzutrauen, doch bisher glänzen sie nur auf dem Papier.
“Den chinesischen Playern ist viel zuzutrauen”, sagt Florentin Vesenbeckh.Foto: Max Fuchs“Den chinesischen Playern ist viel zuzutrauen”, sagt Florentin Vesenbeckh.

​Lutz Scheffer, Konstrukteurs-Schwergewicht, Rotwild

Ja, weil Automatik, Riemen, Wartungsarmut und weniger ungefederte Masse starke Argumente sind. Für reichhöhenorientierte Fahrer, niedrige Unterstützung und maximale Effizienz bleibt der klassische Mittelmotor mit Kettenschaltung jedoch die harte Referenz. Neben Komfort entscheiden vor allem Systemeffizienz, Gewichtsbilanz und reale Fahrleistung über die Zukunft des Konzepts.
“Weil Automatik, Riemen, Wartungsarmut und weniger ungefederte Masse starke Argumente sind”, sagt Scheffer.Foto: Laurin Lehner“Weil Automatik, Riemen, Wartungsarmut und weniger ungefederte Masse starke Argumente sind”, sagt Scheffer.

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Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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