Ein Roboter hat dieses E-Bike gebautDas C-Duro E-Epona im BIKE-Test

Max Fuchs

 · 10.07.2026

Das Alleinstellungsmerkmal des nur 19,3 Kilogramm leichten E-Bikes ist sein Carbonrahmen. Statt klassischer Carbon-Lagen setzt C-Duro auf das Filament-Winding-Verfahren: Durchgehende Kohlefasern werden unter Spannung mit Epoxidharz imprägniert und um einen rotierenden Kern zu einem Hohlkörper gewickelt.
Foto: Max Fuchs

​Fazit von Max Fuchs, BIKE-Redakteur

​Der Preis für das E-Epona ist gesalzen, und auch die Optik dürfte nicht jedermanns Sache sein. Entsprechend spitz fällt die Zielgruppe aus. Wer das nötige Kleingeld mitbringt und Gefallen am eigenständigen Design findet, muss bei den Fahreigenschaften aber keine Abstriche machen: Geometrieseitig präsentiert sich das Bike als hervorragender Kletterer, bergab souverän und im Handling angenehm natürlich. Hier hat C-Duro einen richtig guten Job gemacht.

Angefangen hat alles 1995 im Wildwasser. Zwei tschechische Maschinenbau-Studenten hatten die Nase voll davon, dass ihnen beim Kanufahren ständig die Carbonpaddel unter den Händen zerbrachen. Also bauten sich Ondrej Uher und Vítek Šprdlík in der heimischen Garage kurzerhand ihre eigenen Paddel. Dabei stießen sie auf ein Fertigungsverfahren, das sie bis heute perfektionieren: Filament Winding. Dabei werden durchgehende Fasern – in diesem Fall Kohlefasern – unter Spannung mit Epoxidharz imprägniert und um einen rotierenden Kern zu einem Hohlkörper gewickelt. Stark vereinfacht gesagt natürlich.

Aus dem Garagen-Duo und einer handbetriebenen Wickelmaschine entstand später Compotech – ein rund 60 Mitarbeiter starkes Unternehmen, das Carbonstrukturen für Luftfahrt, Landwirtschaft, Marine, Automobilindustrie und Maschinenbau fertigt. Was einst per Hand begann, erledigen heute riesige Roboter vollautomatisiert im eigenen Werk in Sušice, direkt am Rand des Šumava-Nationalparks.

Noch mehr besondere Bikes:

​Vom Segelmast zum E-Mountainbike

Dass ein automatisiertes Fertigungsverfahren für Carbon-Hohlkörper irgendwann in einem eigenen Fahrradrahmen endet, liegt nahe. Schließlich macht es für den Wickelroboter kaum einen Unterschied, ob er ein Filament zu einem Segelmast oder zu einem Unterrohr formt. Ein paar bikeverrückte Compotech-Mitarbeiter kamen auf eben diesen Gedanken – und konnten der Versuchung nicht widerstehen. Warum Carbonstrukturen nur für andere Branchen bauen, wenn daraus auch ein eigenes Bike entstehen kann? 2017 nahm ein siebenköpfiges Team die Idee in Angriff. Aus dem Tagesgeschäft ausgeklinkt und ausgestattet mit dem Know-how sowie den technischen Ressourcen der Mutterfirma, entstanden die ersten Prototypen eines Enduros mit Eingelenker-Hinterbau. Die Schwestermarke C-Duro war geboren.

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C-Duro E-Epona: Ein leichtes E-Mountainbike mit Maxon-Antrieb

​Heute, acht Jahre später, steht das erste E-Mountainbike der Tschechen in unserer Redaktion. Der Eingelenker-Hinterbau und die geradlinige Formsprache sind geblieben. Neu sind dafür ein paar Alu-Parts aus dem 3D-Drucker, der Maxon-Motor im Tretlagerbereich und das wuchtige Unterrohr mit integriertem 400-Wh-Akku. Die Eckdaten: 160er Gabel, 150 Millimeter Federweg am Heck und 29-Zoll-Laufräder. Und das Beste zum Schluss: Trotz Alu-Laufrädern, Enduro-Reifen und jeder Menge robuster Komponenten bringt das E-Epona gerade mal beeindruckende 19,3 Kilogramm auf die Waage.

Preis7.500 Euro (Rahmenset mit antrieb und Dämpfer)
Gewicht19,3 kg (ohne Pedale)
Federweg160/150 mm
Laufräder29 Zoll

Die Rahmenproduktion: automatisiert und kerzengerade

​Und damit sind wir wieder dort, wo alles begann: im Wildwasser. Beim Filament Winding – jener Technik, mit der Ondrej und Vítek einst ihre eigenen Paddel bauten und die heute Roboter Carbonrahmen fertigen lässt. Denn normalerweise entsteht ein Carbonrahmen noch immer in Handarbeit. Zu Beginn werden Fasermatten in eine Negativ-Form gelegt. Je nach Bauteil – ob Steuerrohr oder Sitzstrebe – unterscheiden sich Anzahl und Überlappung der Lagen, um Steifigkeit und Stabilität gezielt zu optimieren. Anschließend härtet der Rahmen unter extrem hohem Druck und großer Hitze im Autoklaven aus. Dann folgt die Nachbearbeitung: Trennkanten verschleifen, Metallteile einkleben, Lagersitze fräsen.

​C-Duro geht beim Rahmenbau einen eigenen Weg. Für den Hauptrahmen des E-Epona übernimmt ein Roboterarm die Hauptarbeit. Zehn bis zwölf Stunden lang tanzt er auf sechs Achsen um die Positivformen von Steuer-, Ober-, Sitz- und Unterrohr. Anschließend umhüllt dieselbe Maschine die fertigen Rohrteile mit einer Art Hochdruck-Klebeband. Der Druck verdichtet die Fasern und presst überschüssiges Epoxidharz aus dem Verbund. Danach verbringen die Bauteile bei 45 Grad eine Nacht in der sogenannte Thermobox. Für ihre endgültige Festigkeit härten sie anschließend bei 150 Grad für eine weitere Nacht in einem Spezialofen aus.

Statt die einzelnen Rohre später über Muffen oder Klebeverbindungen zu einem Rahmen zusammenzufügen, spinnt der Roboter in einem zweiten Durchlauf die Rohre mit durchgehenden Carbonfaserschlaufen aneinander. Belastungsspitzen laufen dadurch durch die Faser selbst – nicht durch eine Klebefuge. C-Duro verspricht so eine maximal stabile Verbindung. Zum Schluss setzt sich das Puzzle zusammen: Die offenen Rohrenden werden mit einem 3D-gedruckten Aluminium-Bauteil verbunden, das Tretlagergehäuse, Hauptdrehpunkt und Motoraufnahme in sich vereint. Eine letzte Nacht bei 45 Grad – dann ist der Carbonrahmen bereit für den Trail.

Automatisiertes Verfahren, gewöhnungsbedürftige Optik

​Der offensichtliche Haken an der Methode: Sie kommt nur mit geraden Formen zurecht. Keine Bögen, keine organischen Designs, kein Spielraum für moderne Rahmenästhetik. Genau deshalb sieht das E-Epona so aus, wie es eben aussieht: schnörkellos, kantig, auf das Wesentliche reduziert. Die Form folgt der Fertigung – und die war ursprünglich schließlich dafür gedacht, robuste, schnurgerade Kanupaddel herzustellen, nicht Designpreise für Mountainbikes zu gewinnen.

So fährt es sich: Das C-Duro E-Epona im Test

​Lange Kettenstreben, ein sehr steiler Sitzwinkel und ein üppiger Reach: Mit dieser Geometrie entpuppt sich das E-Epona als hervorragender Kletterer. Mit viel Druck auf dem Vorderrad und reichlich Traktion am Hinterbau erklimmt man selbst knifflige Steilstücke kontrolliert. Auch bergab vermittelt das Bike viel Souveränität. Der hohe Stack platziert den Fahrer sicher und zentral hinter dem Cockpit. Der flache Lenkwinkel und der lange Radstand halten das Bike selbst bei hohem Tempo und in ruppigem Gelände entspannt auf Kurs. Trotz des vergleichsweise einfachen Hinterbausystems überzeugt das Fahrwerk mit einer gelungenen Mischung aus Schluckvermögen, Traktion und Gegenhalt. Dank des geringen Gesamtgewichts kann das E-Epona bergab aber nicht nur Vollgas – es lässt sich auch spielerisch und präzise über den Trail dirigieren - Bravo!

ProContra
Top-KlettereigenschaftenExtrem teuer
Souveräne FahreigenschaftenGewöhnungsbedürftige Optik
Laufruhiges, natürliches Handling
Sehr leise

Mehr Testeindrücke speziell zum Motor gibt es hier:

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Kommentare

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Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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