E-Bikes sind mittlerweile erwachsen geworden und haben damit manche Kinderkrankheiten hinter sich gelassen. Wenn’s doch mal zwickt: Kleinere Elektro-Bugs sind oft schon mit einem Neustart behoben. Größere Defekte sind auch in unserem Testalltag mittlerweile die absolute Ausnahme. Falls doch, hilft im Zweifelsfall der Gang zum Händler. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Trivial, aber bewährt: ausschalten und wieder einschalten. Der System-Reset über einen Neustart kann kleine Fehler und Bugs beheben. Das E-Bike ist hier keine Ausnahme. Dabei wird auch die gesamte Sensorik einmal neu kalibriert. Oft hilft das dem E-Bike schon wieder auf die Sprünge. Schlägt der Versuch fehl, hilft manchmal ein forcierter System-Neustart, indem man einmal den Akku aus- und wieder einbaut. Dabei am besten gleich die Kontakte an Akku und Rahmen prüfen. Weder Wasser noch Korrosion sollten an den Kontakten sichtbar sein. Im Zweifel reinigen. Profis greifen bei Wackelkontakten spätestens zuhause zu Kontaktspray.
Das E-Bike lässt sich normal einschalten, unterstützt aber nicht richtig? Gerade früher, mit dem alten Speichenmagneten und externem Speed-Sensor waren Probleme mit dem Geschwindigkeits-Signal vom Hinterrad an der Tagesordnung. Der Hintergrund: Das E-Bike ist technisch gesehen ein Pedelec und darf nur bis 25 km/h unterstützen. Kommt kein valides Signal des Speed-Sensors vom Hinterrad am Motor an, muss der Motor die Unterstützung ausschalten.
Daher den Magneten an Speiche oder Bremsscheibe sowie Speed-Sensor und Verbindungskabel in der Kettenstrebe prüfen. Moderne Bosch-Motoren setzen auf einen Felgenmagneten, der oft am Ventil befestigt ist und vom Motor direkt erkannt wird. Er darf nach einem Schlauch-Wechsel nicht vergessen werden, sonst funktioniert das E-Bike nicht richtig.
Gerade nach einem Schlauch-Wechsel am Hinterrad wird oft der Felgenmagnet vergessen. Die Folge: Keine oder nur noch sporatische Motor-Unterstützung
Gerade bei schweren Stürzen aber auch einfach mit der Zeit können sich die Steckverbindungen am E-System lösen. Display, Lenker-Remote und weitere Komponenten wie etwa der Speed-Sensor (s. o.) sind über Kabel mit Motor und Akku verbunden. Oft werden diese Kabel nur gesteckt. Gibt es Probleme mit dem Antrieb, lohnt es sich also, gerade die außenliegende Verkabelung der verschiedenen Komponenten zu prüfen. Auch Scheuerstellen deuten auf Defekte und gestörte Verbindungen hin. Sind Kabel oder Stecker vollständig defekt, hilft oft nur noch der Gang zum Händler. Das bleibt aber im Alltag die absolute Ausnahme.
Viele E-Motoren wissen, wo das Problem liegt und reichen diese Info über einen Fehlercode an den Benutzer weiter. Der Fehlercode wird entweder im Display selbst über farbige LEDs oder über die zum System gehörige App angezeigt. Er hilft bei der Diagnose und erleichtert oft die Suche nach dem Problem. So deutet etwa Fehler 503 bei Bosch beziehungsweise W101 bei Shimano auf ein Problem mit dem Speed-Sensor hin. Auch zu viel Hitze im Antrieb, eine de-fekte Steckverbindung und vieles mehr kann direkt diagnostiziert werden. Was der Fehlercode genau bedeutet, lässt sich am leichtesten über das Internet herausfinden. Eine Mobilfunk-Verbindung vorausgesetzt.
Der Funktionsumfang moderner E-Bike-Apps steigt stetig. Längst sind Apps auch sinnvolle Diagnose-Tools und können sogar neue Software aufspielen. Die Hürde ist fast immer dieselbe: App runterladen, Account anlegen. All das kann nerven, wenn man eigentlich nur Radfahren will. Moderne E-Bike-Apps bieten aber auch viele Zusatz-Features wie eine Navigation oder ein Fitness-Tracking. Außerdem lassen sich Defekte damit zum Teil beheben. Beispielsweise wenn der Fehler durch verschiedene Firmware-Stände der Komponenten verursacht wird. Over-the-Air kann man dann die aktuelle Firmware auf allen Teilen aufspielen und damit manchen Bug beheben.
In seltenen Fällen behebt auch das Anstecken eines Ladegeräts oder eine vollständige Akku-Ladung den Defekt. Neben den wenigen genannten mechanischen Problemen sind Defekte beim E-Bike oft digitaler Natur. Wenn ein Neustart keine Besserung bringt und es keine App gibt, kann man einmal das Ladegerät anstecken. Es kommuniziert mit dem Akku. In Ausnahmefällen können so Probleme speziell im Zusammenhang mit der Batterie-Software behoben werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt den Akku dabei einmal komplett volllaufen. Anschließend probefahren. Besteht der Defekt weiterhin, wird der Gang zum Händler unvermeidlich.
Mit den sechs Handgriffen von oben lassen sich unserer Erfahrung nach 90 Prozent aller E-Bike “Defekte” beheben. Trotzdem können natürlich auch größere Probleme vorliegen, die sich nicht einfach wieder in den Griff kriegen lassen. Von Kabelbrüchen über defekte Akkus oder Controller bis hin zu wirklich kuriosen Problemen wie einer Störung des Motor-Magnetfelds durch ein magnetisiertes Kettenblatt haben wir schon alles erlebt. Im Zweifel hilft da nur der Gang zum Fachhändler, um dem Problem genau auf den Grund zu gehen.

Redakteur
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