Mehr Bremspower und StandfestigkeitGalfer Shark Evo Disc im Test

Stefan Frey

 · 30.04.2026

Mehr Power, weniger Fading: Galfer, der Bremsen-Spezialist aus Spanien, erweitert seine Shark Bremsscheiben-Linie um die Disc Shark Evo.
Foto: Stefan Frey
Wer später bremst, ist länger schnell – genau dafür bringt Galfer das nächste Update seiner Bremsscheiben-Linie. Die neue Disc Shark EVO verspricht mehr Standfestigkeit und Kühlung für Enduro-Piloten und E-MTB-Fahrer. Ich habe die neuen 2,0 Millimeter dicken Bremsscheiben der Spanier in mein Pivot Dauertest-Bike eingebaut, in der Hoffnung der schwachbrüstigen Sram DB8 mehr Punch einzuhauchen. Hier kommt der Test.

Mein Pivot und ich, eine Beziehung mit Höhen und Tiefen. Letzten Sommer hatte ich das neue Trailcat SL in den Dauertest genommen. So richtig warm geworden sind wir beide aber nicht. Immer wieder gab es Grund zur Kritik. Immer wieder habe ich Komponenten getauscht, auf der Suche nach dem idealen Setup. Der Hinterreifen war mir einerseits zu grob, andererseits zu wenig pannensicher. Ein Fels knallte so hart bis zur Felge durch, dass ich seither mit Schlauch statt tubeless fahren muss. Außerdem war der Vorbau zu lang, die Sitzposition zu frontlastig. Und der Sattel? Gelinde gesagt eine Katastrophe in Form eines Polstersessels.

Doch am allermeisten ärgerte mich die Wahl der Bremsanlage. Die Sram DB8 gilt per se schon nicht als Verzögerungswunder. Doch in Verbindung mit den 180er Bremsscheiben an Front und Heck hatte ich auf schnellen Abfahrten den Bremsweg eines Güterzugs. So manche Kurve musste ich schon in gedachter Linie geradeaus verlängern. Lange Downhills wurden zur Kraftprobe für die Bremsfinger und das anhaltende Tingeln nach harten Bremsmanövern strapazierte meine Nerven.

Upgrade auf die neuen Galfer Shark Evo Discs

Da kam die Nachricht, dass der Bresscheiben- und Belagsspezialist Galfer eine neue MTB-Bremsscheibe auf den Markt bringt gerade recht. Der spanische Hersteller fertigt seit über 70 Jahren Zubehör für Bremsen und ist eine Ikone im Motorradsport. Die Disc Shark EVO ist die konsequente Weiterentwicklung der bereits legendären Shark-Serie und soll das Temperaturmanagement am Bike erheblich verbessern.

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Galfer Disc Shark EVO - Key-Facts auf einen Blick

  • Einsatzbereich: Enduro, Downhill und E-MTB.
  • Besonderheit: Patentierte Kühlfinnen („Shark Fins“) zur Wärmeableitung; optimierte halbstarre Verbindung; drei Farben; Schwarz, Silber, Kashima-Koating.
  • Design: Optimierter Reibring für konstante Reibwerte.
  • Bremsscheibenaufnahme: Centerlock / 6-Loch
  • Größen: 180 mm / 203 mm / 223 mm
  • Dicke: 2,0 mm
  • Gewicht: 168 g / 199 g / 225 g
  • Preis: 85 bis 125 Euro

Die Anatomie der Haiflossen-Disc: Kühlung ist alles

Das auffälligste Merkmal der neuen EVO-Version bleiben die charakteristischen „Finnen“ auf der Innenseite des Reibrings. Diese dienen als kleine Kühlkörper, die die Oberfläche vergrößern und die Wärme vom Bremssattel wegleiten. Doch Galfer hat bei der EVO-Variante noch einmal an der Materialzusammensetzung und dem Cut-Out-Design gefeilt. Das Ziel: Fading (das Nachlassen der Bremskraft bei Hitze) soll endgültig der Vergangenheit angehören.

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Besonders für Enduros und E-Mountainbikes, die aufgrund ihres hohen Systemgewichts enorme Anforderungen an die Hardware stellen, ist die EVO-Linie konzipiert. Die Scheibe ist mit 2,0 Millimetern Dicke massiv genug, um Hitze zu absorbieren, aber durch die speziellen Bohrungen noch immer einigermaßen leicht. Zum Vergleich: Eine Magura MDR-P wiegt mit 203 Millimetern Durchmesser etwa 216 Gramm.


Der Praxis-Check: Licht und Schatten der Disc Shark EVO

Vorteile:

  • Überragendes Hitzemanagement: Die „Shark Fins“ sollen die Betriebstemperatur messbar reduzieren. Das schont die Dichtungen im Bremssattel und sorgt für einen konstanten Druckpunkt.
  • Aggressiver Biss: Das Design des Reibrings ist auf maximale Verzögerung optimiert. Wer eine digitale Brems-Charakteristik mag, wird hier fündig.
  • Reduzierter Belagsverschleiß: Durch die optimierten Bohrungen soll die Reinigung der Beläge während der Fahrt verbessert werden.
  • Steifigkeit: Die Scheibe ist extrem verwindungssteif, was nerviges Klingeln oder Schleifen minimieren soll.

Nachteile:

  • Gewicht: Im Vergleich zu filigranen Leichtbau-Scheiben bringt die EVO ein paar Gramm mehr auf die Waage.
  • Geräuschentwicklung: Das aggressive Design kann bei bestimmten Belagskombinationen zu einem charakteristischen „Surren“ beim Bremsen führen.
  • Preis: Galfer spielt hier in der Champions League – das spiegelt sich auch im Preis pro Scheibe wider.

Fazit: Erster Fahreindruck

Passend zu der neuen Disc Shark Evo lieferte Galfer organische Beläge aus der Pro-Serie. Die sollen besonders kräftig zupacken und resistent gegen Fading sein. Schon nach wenigen Bremsmanövern haben sich Beläge und Scheiben gut aufeinander eingelaufen. Vor allem am Vorderrad ist das Upgrade deutlich spürbar. Die Galfer-Kombi verzögert extrem kraftvoll und mit angenehm direkt einsetzender Wirkung. Die Handkraft ist nun wesentlich geringer als mit den Standard-Bremsscheiben von Sram. Auch am Hinterrad ist bei gleicher Scheibengröße (180 mm) eine Verbesserung der Bremsleistung spürbar. Das nervige Tingeln nach harten Bremsmanövern? Weg. Die Galfer-Scheibe verzieht sich auch bei langen Abfahrten kaum. Müde Bremsfinger? Bisher keine Spur. Wie schnell sich die Pro-Beläge abnutzen wird sich noch zeigen, doch bisher bin ich mit der Leistung der neuen Disc Shark Evo mehr als zufrieden. Das größte Manko der Galfer-Scheiben: der exorbitante Preis.


Die Konkurrenz: Wer beißt noch im Gravity-Segment?

Galfer ist nicht allein auf der Jagd nach der perfekten Verzögerung. Wer Alternativen zur Shark® EVO sucht, sollte diese Modelle auf dem Schirm haben:

  1. SRAM HS2: Die US-Amerikaner setzen auf eine dickere Scheibe (2,0 mm) und eine spezielle Thermolackierung auf den Speichen, um die Hitzeabfuhr zu verbessern. Ein sehr solider Allrounder.
  2. Magura MDR-P: Der Favorit vieler E-Biker. Durch die zweiteilige Bauweise bleibt die Scheibe auch bei extremer Hitze absolut plan und hitzebeständig.
  3. Hope Floating Disc: Der Klassiker für Individualisten. Der Aluminium-Spider trennt den Reibring thermisch von der Nabe und kommt in vielen schicken Eloxal-Farben.

Stefan Frey

Stefan Frey

Redakteur

Stefan Frey ist Niederbayer, er liebt die moosig-lehmigen Trails des Bayerischen Waldes ebenso wie den schroffen Fels der Dolomiten. Für technische Abfahrten nimmt er nahezu jeden Anstieg in Kauf – gerne aus eigener Kraft. Als Zubehör-Spezialist ist er die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Ausrüstung und Anbauteilen, während er als Textchef die Sprachkrümel von den Seiten der BIKE-Print-Ausgaben fegt.

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