Magura Race ProStärker als Gustav Pro und Aluminium statt Carbotecture

Stefan Frey

 · 17.09.2026

Mit der neuen Race Pro präsentiert Magura ein echtes Highlight: Die neuen Vierkolben-Stopper sollen die stärksten Bremsen der Firmengeschichte sein.
Foto: Magura
Stärker als die Gustav, aber so leicht wie eine XC-Bremse. Mit der Race Pro stellt Magura eine neue Vierkolbenbremse für XC, Trail, Enduro, Downhill und E-MTBs vor und verabschiedet sich von der markentypischen Carbotecture-Bauweise. Die Kombination aus CNC-bearbeitetem Aluminium, radialem Geber und kompakter Bauweise soll maximale Bremsleistung mit einer kontrollierbaren Kraftentfaltung verbinden. Magura positioniert die Race Pro oberhalb der MT7 und verspricht nicht weniger als die stärkste und präziseste Bremse der eigenen Firmengeschichte.

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Aluminium statt Carbotecture

​Man kann die Jubelrufe förmlich hören, und zwar nicht nur aus der Magura-Fankurve, sondern auch aus der gegnerischen Ecke. Denn was die reine Bremsleistung angeht, konnte man Magura selten Schwachbrüstigkeit vorwerfen. Zuletzt konnte der Downhill-Anker Gustav Pro in unserem Test mit üppiger Power glänzen. Mit ihrem absoluten USP, dem Carbotecture-Material, haben sich die Schwaben jedoch nicht nur Freunde gemacht. Klobige Optik, hoher Materialverschleiß bei Stürzen und vor allem eine allzu sensible Entlüftungsschraube - so die Hauptkritikpunkte.

Mit der Race Pro schlägt Magura nun ein neues Kapitel auf. Während die MT-Serie über viele Jahre die Speerspitze des Portfolios bildete und die Gustav Pro zuletzt neue Maßstäbe bei der Bremskraft setzte, soll die Race Pro beide Welten verbinden: maximale Bremsleistung bei möglichst geringem Kraftaufwand und gleichzeitig hoher Dosierbarkeit.

Magura setzt dabei auf einen komplett neu entwickelten Aluminium-Aufbau. Hauptbremszylinder, Hebel und Klemmschelle bestehen vollständig aus Metall. Damit verabschieden sich die Schwaben bewusst von der bekannten Carbotecture-Bauweise vieler MT-Modelle.

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Auch der Bremssattel setzt auf Aluminium. Magura fertigt ihn als einteilig geschmiedete Konstruktion und bearbeitet ihn anschließend umfangreich per CNC. Ausnehmungen im Sattel und eine aufwendig bearbeitete Geber-Einheit sollen Gewicht sparen, ohne die Steifigkeit zu beeinträchtigen.

Das Ergebnis ist eine auffällige, technisch geprägte Optik. Die matte Oberfläche soll zudem widerstandsfähig gegen Kratzer sein. Mit 310 Gramm inklusive einem Meter Leitung fällt die Race Pro für eine Vierkolbenbremse vergleichsweise leicht aus.

Lineare Kraftentfaltung statt On/Off-Gefühl

Die zentrale technische Neuerung liegt laut Magura in der konstanten Übersetzung über den gesamten Hebelweg. Dadurch soll die Bremskraft gleichmäßig ansteigen. Je weiter der Hebel gezogen wird, desto stärker verzögert die Bremse. Ein abruptes Ansprechen mit einem schmalen Modulationsbereich, wie es beispielsweise bei der ersten Maven-Serie der Fall war, soll explizit vermieden werden.

Für die hydraulische Übersetzung kombiniert Magura einen Geberkolben mit 12 Millimetern Durchmesser mit vier 19-Millimeter-Kolben im Bremssattel. Hinzu kommen eine reibungsarme, eloxierte Kolbenkammer und ein kugelgelagertes Hebellager. Dieser Aufbau soll die Handkraft reduzieren und gleichzeitig einen klar definierten Druckpunkt ermöglichen.

Magura spricht von einer besonders breiten Modulationszone. In der Praxis soll sich die Grenze zwischen maximaler Verzögerung und blockierendem Vorder- oder Hinterrad dadurch besser kontrollieren lassen. Ein weiterer Anspruch: Die Race Pro soll sich an Vorder- und Hinterrad gleich anfühlen.

Kompakter Geber mit Easy Link

Der Geberzylinder ist weiterhin radial ausgeführt. Magura ordnet das Ölvolumen dabei so an, dass eine kompakte Bauweise entsteht. Das schafft Platz am Lenker und soll für ein aufgeräumtes Cockpit sorgen. Von der bisherigen Flip-Flop-Bauweise der MT-Bremsen verabschieden sich die Schwaben allerdings. Trotz der nun festgelegten rechten und linken Geber soll die Bremse schnell auf die jeweils andere Seite umgebaut werden können.

Hierfür kommt die spezielle Easy-Link-Kupplung zum Einsatz. Mit ihr lässt sich die Leitung ohne Spezialwerkzeug am Geber anschließen und wieder lösen. Magura verwendet bei der Race Pro ein verschraubtes Easy-Link-Ventil, das den Geber beim Öffnen der Verbindung geschlossen halten soll. Das kann besonders bei innen verlegten Leitungen durch Rahmen oder Steuersatz hilfreich sein.

Wartung und Ersatzteile

Beim Entlüften setzt Magura auf einen durchgängigen Ölkreislauf ohne abgeschlossene Bereiche. Dadurch sollen Luftblasen schnell aus dem Bremssattel gelangen. Die Ausrichtung des Sattels während des Entlüftens spielt laut Hersteller nur eine untergeordnete Rolle.

Auch bei der Ersatzteilversorgung will Magura die Race Pro langfristig wartbar halten. Neben einzelnen Hebeln sind unter anderem Lagerkits für den Bremshebel, Kolben- und Dichtungssätze für den Geber sowie Ausgleichsbehälterdeckel erhältlich. Wie bei den übrigen Magura-Bremsen gilt eine fünfjährige Dichtigkeitsgarantie.

Beläge, Rotoren und Shiftmix

Serienmäßig wird die Race Pro mit MDP-13-Silver-Belägen ausgeliefert. Zur Auswahl stehen außerdem die Mischungen Black und Yellow. Der Yellow-Belag soll gegenüber der Silver-Variante rund zehn Prozent mehr Bremskraft liefern und sich damit vor allem für kurze, besonders harte Bremsmanöver eignen.

Die Bremse ist mit Magura-Rotoren der Stärke 2,0 Millimeter kompatibel. Erlaubt sind Scheibengrößen von 180 bis 220 Millimetern. Je nach Einsatzgebiet können Fahrer zwischen den MDR-P-, MDR-S- und MDR-C-Rotoren wählen. Der MDR-P besitzt einen zweiteiligen Aufbau mit Aluminium-Spider, der MDR-S soll eine ausgewogene Mischung aus Bremskraft, Hitzebeständigkeit und Gewicht bieten. Der MDR-C ist auf hohe Temperaturstabilität und geringe Vibrationen ausgelegt.

In die Klemmschelle integriert Magura die Shiftmix-IG-Schnittstelle. Damit lassen sich Schalthebel oder Sattelstützenhebel von Shimano, TRP und Sram platzsparend am Bremsgeber montieren. Unterschiedliche Shiftmix-IG.X-Varianten ermöglichen eine Anpassung an verschiedene Hebelpositionen und Handgrößen.

Magura Race Pro - Infos & Preis

  • Einsatzbereich: XC, Trail, Enduro, Downhill und E-MTB
  • Geber: Aluminium, geschmiedet und CNC-bearbeitet
  • Bremssattel: einteilig geschmiedetes Aluminium, CNC-bearbeitet, vier Kolben
  • Hebel: Aluminium-CNC, werkzeuglose Griffweitenverstellung, kugelgelagert
  • Leitungsanschluss: Magura Easy Link Valve
  • Bremsscheiben: 180 bis 220 Millimeter, 6-Loch oder Center Lock
  • Rotorstärke: 2,0 Millimeter
  • Serienbelag: MDP-13 Silver
  • Farbe: mattes Silber mit schwarzen Details
  • Gewicht: 310 Gramm bei einem Meter Leitung
  • Garantie: fünf Jahre Dichtigkeitsgarantie
  • Preis: 699,80 Euro pro Set

Erster Fahreindruck der Race Pro

Wir konnten die neue Race Pro bereits ausgiebig beim Test-Event am Samerberg fahren und waren nicht nur von der neuen Alu-Optik angetan. Der neue Geber baut für eine derart starke Bremse erstaunlich kompakt. Der Magura-typisch lange Hebel mit ausgeprägtem Haken liegt sicher am Bremsfinger und lässt sich dank Kugellager seidenweich betätigen. Die werkzeuglose Griffweitenregulierung ist leichtgängig und klar gerastert.

Auch der Bremssattel mit seinen skelettartigen Ausfräsungen kommt besonders hochwertig daher. Viel wichtiger aber: Er liefert enorme Bremskraft bei absolut narrensicherem Handling. Statt digitaler Power bietet die Race Pro eine hervorragende und unkomplizierte Modulation. So lässt sich die Bremse auch von weniger erfahrenen Piloten über mehr oder weniger Zug am Bremsgriff fein dosieren. Auch in steilen Abfahrten bleiben die Handkräfte dabei erfreulich gering.

Wer extrem direktes Ansprechverhalten und sofort anliegende maximale Power sucht, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, denn die neue Race Pro entfaltet ihre Kraft unauffällig.


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Stefan Frey

Stefan Frey

Redakteur

Stefan Frey ist Niederbayer, er liebt die moosig-lehmigen Trails des Bayerischen Waldes ebenso wie den schroffen Fels der Dolomiten. Für technische Abfahrten nimmt er nahezu jeden Anstieg in Kauf – gerne aus eigener Kraft. Als Zubehör-Spezialist ist er die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Ausrüstung und Anbauteilen, während er als Textchef die Sprachkrümel von den Seiten der BIKE-Print-Ausgaben fegt.

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