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Jagwire will der etablierten Konkurrenz nicht mit einem besonders günstigen Produkt, sondern mit leistungsstarken Scheiben und Belägen zu einem fairen Preis den Rang ablaufen. Wie gut das funktioniert, wird sich zeigen. Wir haben die Scheiben schon montiert und werden beizeiten berichten. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Wer schon einmal nach einer langen Alpenabfahrt den Hebel gezogen hat und plötzlich mit einem schwammigen, kaum noch dosierbaren Bremsgefühl konfrontiert wurde, kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Bremsfading durch Wärmeentwicklung ist kein Randthema, sondern für viele Mountainbiker – und erst recht für E-MTB-Fahrer – Alltag. Jagwire, bisher vor allem als Hersteller hochwertiger Züge und Hydraulikleitungen bekannt, greift dieses Problem nun mit zwei neuen Produkten direkt an: der Pro LR3 Bremsscheibe und der Elite Bremsbelag-Serie.
Die Pro LR3 ist eine klassisch zweiteilige Bremsscheibe, wie man sie aus dem Performance-Segment kennt – Stahl-Bremsring, Aluminiumträger. Die Scheiben haben die bei Sram und Shimano übliche Dicke von 1,8 Millimeter. Was Jagwire jedoch betont, ist die überarbeitete Geometrie der Bremszone sowie eine neu konzipierte Verbindungskonstruktion zwischen Träger und Bremsring, die thermisch bedingte Verformung unter Dauerlast reduzieren soll. Laut Hersteller resultiert daraus eine bis zu zehn Prozent gesteigerte Bremsleistung im Vergleich zur Vorgängergeneration.
Praktisch gedacht ist der in die Reibfläche gestanzte Verschleißindikator. Das J für Jagwire zeigt auf einen Blick, wann die Scheibe ans Lebensende gelangt. Die Pro LR3 ist in 6-Loch- und Centerlock-Aufnahme erhältlich, die Größen reichen von 140 bis 220 Millimeter – womit auch Downhill-Anwendungen und schwere E-MTBs abgedeckt sein sollen.
Bei der Elite-Belagserie setzt Jagwire auf eine graphenbasierte Wärmeleitschicht zwischen Reibmaterial und Belagträger. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Graphen besitzt eine außerordentlich hohe Wärmeleitfähigkeit und kann thermische Energie schnell und flächig verteilen. In Kombination mit der patentierten Aero-Fin-Architektur – strukturierten Kühlrippen auf der Rückseite des Trägers – soll entstehende Wärme aktiv durch den Fahrtwind abgeführt werden. Das kennt man ähnlich zum Beispiel schon von Shimanos Ice Tech Pads.
Die internen Messwerte, die Jagwire kommuniziert, klingen beachtlich: bis zu 27 Prozent niedrigere Scheibentemperaturen und bis zu 13 Prozent reduzierte Bremsflüssigkeitstemperatur im Vergleich zu konventionellen Belägen. Letzteres ist besonders relevant, denn erhitzte Bremsflüssigkeit neigt zur Dampfblasenbildung – und genau das führt zu diesem gefürchteten Gefühl vom durchfallenden Bremshebel.
Das Reibmaterial selbst ist als semi-metallische Mischung ausgeführt, was auf dem Papier einen guten Kompromiss zwischen Bremskraft, Haltbarkeit und Allwettertauglichkeit verspricht. Die Elite-Beläge sind für Systeme von Shimano, SRAM und Magura erhältlich und decken damit die relevanten Marktführer ab.
Jagwire kommt wie viele Fahrrad-Firmen aus Taiwan. Wer hier aber Schnäppchenpreise erwartet, wird bei den Pro LR3 Scheiben und den Elite Belägen eher enttäuscht. Die Scheiben kosten zwischen 57 Euro (160 mm) und 87 Euro (220 mm), die Elite Pads kosten rund 23 Euro. Preislich liegen die Jagwire Parts damit ungefähr gleichauf mit den zweiteiligen Ice-Tech Scheiben und den Belägen mit Kühlfinne von Shimano, sind aber nicht wesentlich billiger.

Redakteur
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