Unzuverlässig und vergleichsweise schwachDie Formula Cura 4 hat Verbesserungspotenzial

Max Fuchs

 · 27.03.2026

Gut fürs Hitzemanagement unter Dauerlast und für die Haltbarkeit: die 2,2 Millimeter dicke Bremsscheibe der Formula Cura 4.
Foto: Georg Grieshaber
Die Formula Cura 4 ist altbekannt, leicht und günstig. Doch während die Konkurrenz in den letzten Jahren aufgerüstet hat, wirkt Formulas Vierkolben-Flaggschiff etwas angestaubt. Einst sahnte die Bremse im BIKE-Test einen Preistipp ab. Doch kann sie auch 2026 noch punkten? Um das herauszufinden, haben wir die Cura 4 gegen neun weitere High-End-Scheibenbremsen getestet.

Fazit zur Formula Cura 4

​Auch wenn die Cura 4 mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist, verzögert sie ganz ordentlich. Ihre Stärke liegt in der gutmütigen Dosierbarkeit, dem geringen Gewicht und dem niedrigen Preispunkt. Wer die vollen Kraftreserven entfesseln will, muss unverhältnismäßig stark am Hebel ziehen. - Dimitri Lehner, BIKE Redakteur

Unser letzter Bremsenvergleich liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Seither hat sich bei Formulas Vierkolben-Flaggschiff wenig getan. Schade, denn während die Konkurrenz in den letzten Jahren ihre Kandidaten verfeinert oder komplett neue Modelle vorgestellt hat, rutscht die Cura vom einstigen Preistipp beim aktuellen Test etwas ins Hintertreffen.

Technische Daten: Formula Cura 4

Preis211 Euro (ohne Scheibe und Zubehör)
Gewicht pro Stück248 g (inkl. 800 mm Leitung + Beläge)
Scheiben / Dicke180 mm / 2,20 mm
BremsbelägeOrganisch
BremsmediumMineralöl
DruckpunktverstellungNein
HebelweitenverstellungJa, Werkzeug erforderlich
Besonderheiten Nachrüsthebel mit zusätzlicher Druckpunktverstellung verfügbar

Die Formula Cura 4 ist leicht und günstig

Aber eins nach dem anderen: Beim Gewicht kann sich die Cura 4 einen kleinen Punktevorsprung sichern. Mit 248 Gramm inklusive der 800 Millimeter langen Leitung und einem Belagspaar landet sie auf Platz zwei. Nur die filigrane Trickstuff mit ihrem 3D-gedruckten Titanhebel schneidet noch besser ab. Auch der Preis klingt erfreulich: 211 Euro – günstigere Vierkolben-Power gibt’s bei keinem anderen Mitstreiter.

Gut fürs Hitzemanagement unter Dauerlast und für die Haltbarkeit: die 2,2 Millimeter dicke Bremsscheibe. Der stark abgerundete Hebel liegt angenehm am Finger, die Oberflächenstruktur erinnert an feinkörniges Schleifpapier und bietet extra Halt. Kritik gibt’s für die Hebelweitenverstellung: Die Rändelschraube im Hebel sieht zwar aus, als könnte man sie von Hand verstellen, läuft aber so schwergängig, dass alle Tester beim Setup zum Minitool greifen mussten. Außerdem fällt die Hebelweitenverstellung für große Hände zu knapp aus. Auf Tour gewährt die Cura 4 von außen Zugriff auf die Beläge – ein kleiner Bonus fürs Usability-Konto.

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Zu viel Serienstreuung

Im Praxistest entwickelte die Vorderradbremse einen ungewöhnlich harten und unmittelbaren Druckpunkt – als würden die Kolben im Bremssattel nicht vollständig zurückstellen und kurz vor der Scheibe stecken bleiben. Ohne den nötigen Leerweg fällt es trotz überschaubarer Bremskraft schwer, den Initialbiss zu dosieren. Zwei unserer Dauertestbikes mit der Cura 4 zeigten dasselbe Phänomen. Die hintere Testbremse arbeitet hingegen einwandfrei: genug Leerweg, angenehmer Druckpunkt – kein Anlass zur Kritik. Die schwankende Performance deutet auf zu große Fertigungstoleranzen hin. Wer nicht nur die Hebelweite der Cura feintunen will, kann einen Nachrüsthebel mit werkzeugloser Druckpunktverstellung kaufen. Kostenpunkt: 80 Euro.

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Chancenlos bei der Power

Im Teillastbetrieb auf welligen Trails und kurzen Abfahrten dominiert das gutmütige Ansprechverhalten der Cura. Die Bremskraft reicht aus – Vollbremsungen erfordern allerdings bereits eine ordentliche Handkraft. Auf langen, steilen Abfahrten erreicht der Kandidat als Erster seine Grenzen: Werden die Hände müde, bietet die Formula kaum Reserven und verzögert im Vergleich zur Konkurrenz am schlechtesten. Das bestätigen auch die Labordaten. Bei der Nassbremsprüfung rettet sich der Kandidat auf den vorletzten Rang.

Die BIKE-Bewertung

Preis (ohne Scheibe u. Zubehör)211€
Bremspower (50%)3,55
Nassbremsung (10%)3,5
Trockenbremsung (40%)3
Praxis (50%)4
Modulation (30%)3
Usability / Handling (10%)4
Gewicht (10%)1,5
BIKE NOTE (100%)3,2

So testet BIKE Scheibenbremsen

Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.

  • ​Bremskraftprüfung im Labor: Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe. Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch. Für die Bewertung der Bremsleistung im Labor ziehen wir nur die Ergebnisse bei 80 N Handkraft heran. In diesem Bereich liefern – insbesondere bei Trockenbremsungen – alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600‑N-Schwelle. Darüber droht unter idealen Grip-Bedingungen der Überschlag.
  • Wärmestandfestigkeit: Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.
  • Praxistest: Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.

Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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