Fahrwerker F-VisionDiese Zweikolben-Scheibenbremse verzögert unglaublich!

Max Fuchs

 · 26.03.2026

Mit dem opulenten Hebel und der massiven Zange sichert sich die Fahrwerker den Höchstwert im Gewichtsranking.
Foto: Georg Grieshaber

Sündhaft teuer, zwei Kolben – und trotzdem Bestwerte bei der Bremsleistung. Die Fahrwerker F-Vision wirft die Gesetzmäßigkeiten im Bremsenbau über den Haufen. Ob es das Erstlingswerk der Schwaben im MTB-Segment zur Benchmark schafft? Unser Vergleichstest von neun High-End-Scheibenbremsen liefert Antworten.

Fazit zur Fahrwerker F-Vision

​Eine Newcomer-Bremse „Made in Germany“, die einen komplett eigenständigen Entwicklungsansatz verfolgt und auf Anhieb die angestammten Platzhirsche herausfordert – Chapeau. Die Verarbeitung versprüht hier und da noch etwas Prototypen-Feeling, und der Preis fällt für eine doch recht einfache Bremse zu hoch aus. - Max Fuchs, BIKE Redakteur

Auch wenn Fahrwerker den meisten kein Begriff ist, hat das Label vermutlich jeder zumindest indirekt schon einmal wahrgenommen. Der Hersteller aus Metzingen stattet nämlich die Lastenräder der Deutschen Post mit hydraulischen Bremssystemen aus. Um die schwer beladenen Zwei- und Dreiräder Tag für Tag sicher zu verzögern, stehen neben kompromissloser Bremskraft vor allem Haltbarkeit und Wartungsfreundlichkeit ganz oben im Lastenheft. Genau das, was man sich auch von seinen Stoppern am Mountainbike wünscht, mag sich der ein oder andere jetzt denken. Denselben Gedanken fassten auch die Schwaben und adaptierten ihr Lastenrad-Know-how für ihre erste MTB-Bremse: die F-Vision.

Technische Daten: Fahrwerker F-Vision

Preis1500 Euro (nur als Set erhältlich, ohne Scheibe und Zubehör)
Gewicht pro Stück411 g (inkl. 800 mm Leitung + Beläge)
Scheiben / Dicke180 mm / 2,00 mm
BremsbelägeOrganisch
BremsmediumMineralöl
DruckpunktverstellungNein
HebelweitenverstellungJa, werkzeuglos
BesonderheitenMagnetische Beläge, nach außen entnehmbar

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Double Trouble: Zurück zur Zweikolbenbremse

​Vierkolbenbremsen stehen so selbstverständlich für Bremskraft wie Gucci für teure Handtaschen. Fahrwerker widerspricht diesem Dogma und konstruiert die F-Vision um einen monströsen Zweikolben-Bremssattel. Die praktischen Vorteile liegen auf der Hand: weniger Kolbendichtringe, weniger bewegliche Teile und auch weniger Probleme mit ungleichmäßig ausfahrenden Kolben und schleifenden Belägen. Usability-Bonus: Die magnetischen Beläge lassen sich spielend leicht nach außen aus der Zange ziehen.

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Doch wie steht es um die Bremskraft? Opfert die Debüt-Bremse ihre Power zugunsten des sorglosen Charakters eines Zweikolben-Bremssattels? Ganz im Gegenteil. Die F-Vision stellt in unserem Test sämtliche Vierkolbenmodelle in den Schatten. Bei der Bremskraftwertung sahnt der Newcomer sogar den Bestwert ab.

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Bärenstark dank monströser Kolben

​Das Innenleben der Fahrwerker erklärt das Bremskraftwunder: Zwei riesige Edelstahlkolben mit 28 Millimetern Durchmesser im Bremssattel verschaffen der F-Vision über 20 % mehr Kolbenoberfläche als zum Beispiel die Sram Maven mit vier 18-Millimeter-Kolben. Zusammen mit den üppigen Belägen und dem überdimensionierten Reibring der Edelstahlscheibe entsteht beim Zupacken eine enorme Kontaktfläche. Solange die Flächenverhältnisse stimmen, spielt die Zahl der Kolben in der Zange also nur eine untergeordnete Rolle für die Bremskraft. Passend zur brachialen Power liegt die massive Armatur unverwüstlich in der Hand und bleibt selbst bei Vollbremsungen standhaft.

Das große Aber? Übergewicht!

Kritik erntet die Fahrwerker für ihren etwas digitalen Druckpunkt: Der lange Hebel besitzt kaum Leerweg, die Beläge liegen schlagartig an den Scheiben an, und eine Druckpunktverstellung fehlt. Zusammen mit der enormen Power verlangt die Bremse auf rutschigen Böden ein zartes Händchen am Hebel. Außerdem fällt der Verstellbereich des Hebels zu klein aus – weder besonders kleine noch sehr große Hände treffen den Sweetspot. Mit dem opulenten Hebel und der massiven Zange sichern sich die Fahrwerker zudem den Höchstwert im Gewichtsranking. Auch die rutschige Oberfläche des aalglatten Hebels fiel einem Tester negativ auf.

Die BIKE-Bewertung

Preis (ohne Scheibe u. Zubehör)1500 € (nur als Set erhältlich)
Bremspower (50%)0,9
Nassbremsung (10%)2
Trockenbremsung (40%)0,5
Praxis (50%)1
Modulation (30%)3
Usability / Handling (10%)3
Gewicht (10%)4
BIKE NOTE (100%)2,1

So testet BIKE Scheibenbremsen

Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.

  • ​Bremskraftprüfung im Labor: Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe. Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch. Für die Bewertung der Bremsleistung im Labor ziehen wir nur die Ergebnisse bei 80 N Handkraft heran. In diesem Bereich liefern – insbesondere bei Trockenbremsungen – alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600‑N-Schwelle. Darüber droht unter idealen Grip-Bedingungen der Überschlag.

  • Wärmestandfestigkeit: Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.

  • Praxistest: Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.
Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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