Sündhaft teuer, zwei Kolben – und trotzdem Bestwerte bei der Bremsleistung. Die Fahrwerker F-Vision wirft die Gesetzmäßigkeiten im Bremsenbau über den Haufen. Ob es das Erstlingswerk der Schwaben im MTB-Segment zur Benchmark schafft? Unser Vergleichstest von neun High-End-Scheibenbremsen liefert Antworten.
Eine Newcomer-Bremse „Made in Germany“, die einen komplett eigenständigen Entwicklungsansatz verfolgt und auf Anhieb die angestammten Platzhirsche herausfordert – Chapeau. Die Verarbeitung versprüht hier und da noch etwas Prototypen-Feeling, und der Preis fällt für eine doch recht einfache Bremse zu hoch aus. - Max Fuchs, BIKE Redakteur
Auch wenn Fahrwerker den meisten kein Begriff ist, hat das Label vermutlich jeder zumindest indirekt schon einmal wahrgenommen. Der Hersteller aus Metzingen stattet nämlich die Lastenräder der Deutschen Post mit hydraulischen Bremssystemen aus. Um die schwer beladenen Zwei- und Dreiräder Tag für Tag sicher zu verzögern, stehen neben kompromissloser Bremskraft vor allem Haltbarkeit und Wartungsfreundlichkeit ganz oben im Lastenheft. Genau das, was man sich auch von seinen Stoppern am Mountainbike wünscht, mag sich der ein oder andere jetzt denken. Denselben Gedanken fassten auch die Schwaben und adaptierten ihr Lastenrad-Know-how für ihre erste MTB-Bremse: die F-Vision.
| Preis | 1500 Euro (nur als Set erhältlich, ohne Scheibe und Zubehör) |
| Gewicht pro Stück | 411 g (inkl. 800 mm Leitung + Beläge) |
| Scheiben / Dicke | 180 mm / 2,00 mm |
| Bremsbeläge | Organisch |
| Bremsmedium | Mineralöl |
| Druckpunktverstellung | Nein |
| Hebelweitenverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Besonderheiten | Magnetische Beläge, nach außen entnehmbar |
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Vierkolbenbremsen stehen so selbstverständlich für Bremskraft wie Gucci für teure Handtaschen. Fahrwerker widerspricht diesem Dogma und konstruiert die F-Vision um einen monströsen Zweikolben-Bremssattel. Die praktischen Vorteile liegen auf der Hand: weniger Kolbendichtringe, weniger bewegliche Teile und auch weniger Probleme mit ungleichmäßig ausfahrenden Kolben und schleifenden Belägen. Usability-Bonus: Die magnetischen Beläge lassen sich spielend leicht nach außen aus der Zange ziehen.
Doch wie steht es um die Bremskraft? Opfert die Debüt-Bremse ihre Power zugunsten des sorglosen Charakters eines Zweikolben-Bremssattels? Ganz im Gegenteil. Die F-Vision stellt in unserem Test sämtliche Vierkolbenmodelle in den Schatten. Bei der Bremskraftwertung sahnt der Newcomer sogar den Bestwert ab.
Das Innenleben der Fahrwerker erklärt das Bremskraftwunder: Zwei riesige Edelstahlkolben mit 28 Millimetern Durchmesser im Bremssattel verschaffen der F-Vision über 20 % mehr Kolbenoberfläche als zum Beispiel die Sram Maven mit vier 18-Millimeter-Kolben. Zusammen mit den üppigen Belägen und dem überdimensionierten Reibring der Edelstahlscheibe entsteht beim Zupacken eine enorme Kontaktfläche. Solange die Flächenverhältnisse stimmen, spielt die Zahl der Kolben in der Zange also nur eine untergeordnete Rolle für die Bremskraft. Passend zur brachialen Power liegt die massive Armatur unverwüstlich in der Hand und bleibt selbst bei Vollbremsungen standhaft.
Kritik erntet die Fahrwerker für ihren etwas digitalen Druckpunkt: Der lange Hebel besitzt kaum Leerweg, die Beläge liegen schlagartig an den Scheiben an, und eine Druckpunktverstellung fehlt. Zusammen mit der enormen Power verlangt die Bremse auf rutschigen Böden ein zartes Händchen am Hebel. Außerdem fällt der Verstellbereich des Hebels zu klein aus – weder besonders kleine noch sehr große Hände treffen den Sweetspot. Mit dem opulenten Hebel und der massiven Zange sichern sich die Fahrwerker zudem den Höchstwert im Gewichtsranking. Auch die rutschige Oberfläche des aalglatten Hebels fiel einem Tester negativ auf.
| Preis (ohne Scheibe u. Zubehör) | 1500 € (nur als Set erhältlich) |
| Bremspower (50%) | 0,9 |
| Nassbremsung (10%) | 2 |
| Trockenbremsung (40%) | 0,5 |
| Praxis (50%) | 1 |
| Modulation (30%) | 3 |
| Usability / Handling (10%) | 3 |
| Gewicht (10%) | 4 |
| BIKE NOTE (100%) | 2,1 |
Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.

Redakteur