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Marathon-WM 2020: Interview Stefanie Dohrn

„Marathon-WM ist mein Lieblingsrennen“

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Monaten

Mit Platz sechs war Stefanie Dohrn die beste Deutsche bei der Marathon-WM 2020. Wir haben mir ihr über den Kurs, die Veranstaltung und ihr Rennen gesprochen.

Die Marathon-Weltmeisterschaft 2020 ist Geschichte. Am vergangenen Wochenende holten sich Héctor Leonardo Páez (COL) und Ramona Forchini (SUI) die Regenbogen-Trikots auf der Langstrecke im türkischen Sakarya . Die schnellsten deutschen Männer wie Sascha Weber, Simon Stiebjahn oder Andreas Seewald standen nicht am Start. Anders dagegen bei den Damen: Hier sorgten die 28-jährige Stefanie Dohrn und Adelheid Morath auf Rang zehn für zwei Top-Platzierungen im BDR-Trikot. Mit dem sechsten Platz fuhr die DM-Vierte Dohrn ihr bestes WM-Ergebnis ein. Ein versöhnlicher Abschluss einer turbulenten Saison. Wir haben mit der Centurion-Vaude-Fahrerin über die WM unter erschwerten Bedingungen, ihr Rennen und die Veranstaltung in der Türkei gesprochen.

BIKE: Auf Platz sechs beste Deutsche bei der Marathon-WM. Zufrieden mit dem Ergebnis?

Stefanie Dohrn: Ja, mega zufrieden. Ich war letztes Jahr schon Siebte, aber da waren wir insgesamt vier Deutsche in den Top Ten. Unser Starterfeld war zwar kleiner als im Vorjahr, aber trotz Corona und den erschwerten Bedingungen war die Prominenz am Start. Von den Marathon-Spezialistinnen waren alle dabei.

Zum Rennverlauf: Du bist aus der Spitzengruppe gefallen und dann lange knapp dahinter geblieben. War das deine Taktik?

Die Spitze fährt vorne ein taktisches Ausscheidungsrennen. Das liegt mir nicht, ich bin lieber mein eigenes Tempo gefahren. Ich war kurz dahinter und kannte die Abstände. Trotzdem habe ich nicht versucht, um jeden Preis dranzubleiben und stattdessen gehofft, dass ich hinterher noch die ein oder andere einsammle. Das hat gut geklappt, mit dem sechsten Platz am Ende bin ich sehr zufrieden.

Zusammen mit Herren-Weltmeister Páez überquerte Dohrn die Ziellinie.

Lange war unsicher, ob die WM überhaupt stattfindet. Wie bist du damit umgegangen?

Mein Fokus lag in dieser verrückten Saison auf dem Swiss Epic und der Deutschen Meisterschaft. Aber ich habe immer gehofft, dass die WM dieses Jahr noch stattfindet. Aber einen richtigen Formhöhepunkt habe ich nicht gesetzt, weil es zu unsicher war. Stattdessen habe ich geschaut, dass ich die Form so gut es geht halte.

Die Strecke sah im Livestream wenig technisch aus. Wie war der Kurs?

Es ging echt viel bergauf, viele Anstiege waren im zweistelligen Prozentbereich. Dafür waren sie kürzer als letztes Jahr in Grächen. Vor allem durch die Länge wurde es hinten heraus sehr hart. So ein Rennen ist nicht vergleichbar mit der Deutschen Meisterschaft, wo auf eher flachen Strecken geballert wird. Die WM-Strecke war ein anspruchsvoller, zäher Marathon-Kurs. Technisch zwar deutlich einfacher als im Vorjahr in Grächen. Aber ich finde den Trend richtig, dass man im Marathon nicht versucht, die schweren XC-Strecken nachzuahmen. Marathonkurse sollten sich deutlich von Cross-Country-Strecken unterscheiden.

Viele WM-Starter setzten auf dem steilen, nicht allzu technischen Kurs wie Stefanie Dohrn aufs Hardtail

Eine WM ist ja immer etwas ganz Besonderes. Wie war es dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen in der Türkei?

Es war einer WM mehr als würdig. Den Veranstalter kann man nur loben, es lief alles glatt. In der Start-Ziel-Area kam mehr Stimmung auf als ich gedacht hätte, auf der Strecke war es ruhig. Ich finde es krass, dass es die Organisatoren trotz der erschwerten Bedingungen durchgezogen haben und keinen Aufwand gescheut haben. Es wurde sich vorbildlich um Flüge, Tests und ein umfassendes Hygienekonzept gekümmert. Das Stadion an der Start-Ziel-Area war sehr beeindruckend. Auch an der Strecke haben sie bis zuletzt gearbeitet und beispielsweise große Matschlöcher trocken gelegt, weil es im Vorfeld stark geregnet hatte und der Schlamm dort extrem klebrig wird. Auch hinter der Live-Übertragung steckt ein extremer Aufwand. Und das alles nur für unsere WM-Rennen, schon beeindruckend.

Maske bis kurz vorm Startschuss: Ein Bild, das man bei fast allen MTB-Rennen 2020 sah.

Platz sieben im Vorjahr, dieses Jahr Sechste: Ist da noch mehr drin?

Es ist mein großer Traum, noch weiter vorne mitzufahren. Denn die Marathon-WM ist jedes Jahr mein Lieblingsrennen. Ich mag die WM-Rennen und sie liegen mir. Aber die, die ganz vorne landen, sind Vollzeit-Profis. Ich arbeite dagegen als wissenschaftliche Mitarbeiterin 40 Std./Woche und mache den Leistungssport nur nebenher. Eine Unterstützung vom Verband gibt’s nicht, da Marathon keine olympische Disziplin ist.

Welche Pläne hast du für nächstes Jahr?

Für 2021 wird es eine neue, internationale UCI Marathon-Rennserie geben. Das klingt cool. Darauf bereite ich mich vor und ich nehme es, wie es kommt.

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