Max Fuchs
· 18.08.2026
Norco zieht die Reißleine. Nur gut zwei Wochen nach der Vorstellung des neuen Fluid 2027 stoppt der kanadische Hersteller den Verkauf und ruft alle bereits verkauften Bikes zurück. Das Sitzrohr kann unter bestimmten Bedingungen versagen und damit folgenschwere Stürze verursachen. Unfälle oder Verletzungen meldet Norco bislang jedoch nicht.
Die Konsequenz fällt trotzdem eindeutig aus: Fluid-Besitzer sollen das Bike unter keinen Umständen weiter fahren. Inzwischen geht Norco noch einen Schritt weiter und kündigt eine vollständige Erstattung des tatsächlich gezahlten Kaufpreises an.
Der Zeitpunkt könnte kaum bitterer ausfallen. Mitte Juli präsentierte Norco die dritte Generation des Fluid als evolutionäre Weiterentwicklung seines preisorientierten Trailbikes. Der Hersteller versprach einen leichteren Aluminiumrahmen, moderne Geometrie und mehr Einstellmöglichkeiten. 140 Millimeter an der Front und 130 Millimeter am Heck blieben dem bewährten Konzept treu.
Technisch setzte Norco auf eine solide Plattform: 6066-Aluminium, VPS-Horst-Link-Hinterbau, vollständig geführte Züge und ein Flip-Chip für den Wechsel vom 29er- zum Mullet-Setup. Drei Ausstattungsvarianten – A1, A2 und A3 – bildeten die neue Modellfamilie.
Jetzt rücken allerdings nicht mehr die Neuerungen in den Mittelpunkt, sondern ein sicherheitsrelevantes Problem am Rahmen.
Norco spricht von einer Fertigungsabweichung, die unter bestimmten Einsatzbedingungen zum Versagen des Sitzrohrs führen kann. Damit geht es nicht um ein Bauteil, das sich bei der nächsten Inspektion austauschen lässt. Ein Bruch an dieser Stelle kann den Fahrer unmittelbar zu Fall bringen.
Norco hatte zunächst angekündigt, das Problem weiter zu untersuchen und anschließend über die nächsten Schritte zu informieren. Inzwischen steht die Lösung fest: Betroffene Kunden erhalten den vollständigen Kaufpreis zurück.
Der Rückruf umfasst alle Rahmengrößen der folgenden Modelle:
Damit betrifft der Rückruf die komplette Gen-3-Fluid-Modellreihe des Modelljahres 2027 – nicht nur einzelne Größen oder Ausstattungsvarianten.
Norco formuliert die Anweisung unmissverständlich: sofort aufhören zu fahren.
Betroffene Besitzer sollen das Bike außerdem nicht verkaufen, verschenken oder anderweitig übertragen. Wer ein betroffenes Fluid besitzt, soll sich zunächst an den autorisierten Händler wenden, bei dem das Bike gekauft wurde. Dort erhalten Kunden Informationen zur Rückgabe und zur Erstattung.
Falls der ursprüngliche Händler nicht mehr erreichbar ist, verweist Norco direkt auf den eigenen Rider-Support.
Ein Rückruf kurz nach einer Neuvorstellung trifft einen Hersteller besonders empfindlich. Norco hatte das neue Fluid gerade als unkompliziertes, leichtes und preislich attraktives Trailbike positioniert. Die Plattform sollte auf einer bewährten Basis mit gezielten Detailverbesserungen punkten.
Nun schreibt genau diese neue Plattform Negativschlagzeilen. Positiv bleibt, dass Norco das Problem proaktiv adressiert und bislang keine Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit den betroffenen Bikes meldet. Die Entscheidung zur vollständigen Kaufpreiserstattung dürfte den Kunden, die jetzt vorerst kein fahrtüchtiges Bike mehr haben, zumindest ein kleiner Trost sein.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.