Jan Timmermann
· 05.09.2026
Mit der neuen Lux-Palette macht Canyon nicht nur preislich eine starke Ansage. Leichte Carbonrahmen treffen auf neue Geometrie-Konzepte und attraktive Ausstattungspakete. Cross Country Biker liebäugeln mit dem neuen Lux World Cup CFR und Trail- oder Touren-Biker legen sich womöglich das Lux Trail CF in den virtuellen Warenkorb. Zwei Geschwister, eine klare Trennung. Ganz so einfach ist es aber nicht, wie unsere Praxis- und Labortests zeigen. Für dasselbe Geld besitzen die ungleichen Brüder sehr unterschiedliche Charaktere. In Wahrheit kann das Canyon Lux World Cup CFR mehr als viele Biker einem Race-Modell zutrauen möchten und das Lux Trail ist derweil im modernen Sinne kein ganz gewöhnliches Trailbike.
Canyon spielt mit der Neuauslegung seiner Lux-Familie einen cleveren Schachzug. Beide Varianten sind leicht und liegen in der Preis-Leistungs-Wertung ganz weit vorne. Das Lux Trail glänzt mit einem unkomplizierten Handling und einem breiten Einsatzgebiet. Aber auch das Lux World Cup ist vielseitiger als man denken mag. Mit mehr Rafinesse bei Geo und Fahrwerk ist das Racebike mein persönlicher Favorit. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Ins BIKE-Testlabor rollten zum Vergleich ein Canyon Lux Trail CF 9 und ein Canyon Lux World Cup CFR X0 AXS. Beide Bikes erreichten uns in Größe XL. Wir haben die ungleichen Geschwister auf unseren Prüfständen genaustens vermessen.
| Canyon Lux Trail CF | Canyon Lux World Cup CFR | |
| Einsatzbereich | Trail / Down Country | Cross Country / Marathon |
| Federweg | 140 / 125 mm | 120 / 110 mm |
| Laufradgröße | 29" | 29" |
| Hinterbau-System | Flex-Pivot | Flex-Pivot |
| Rahmendetails | Staufach, Tool-Mount, zwei Flaschenhalter | Anti-Squat-Flip-Chip, Tool-Mount, zwei Flaschenhalter |
| Lenkwinkel | 64,3° | 66,1° |
| Reach (Gr. XL) | 476 mm | 492 mm |
| Kettenstrebenlänge (Gr. XL) | 440 mm | 439 mm |
| Lenkerbreite | 760 mm | 740 mm |
| Gewicht (Gr. XL, ohne Pedale) | 12,30 kg | 11,28 kg |
| Preisspanne | 2999 - 5999 Euro | 3999 - 7999 Euro |
Ungeachtet dem offensichtlichen Federwegs-Unterschied setzen beide Canyon Lux Varianten auf ein Flex-Pivot-Hinterbausystem. Die Trail-Version integriert ein Staufach ins Unterrohr, auf das der Racebike-Bruder zugunsten der Gewichtsersparnis verzichtet. Apropos: trotz großer Unterschiede bei Reifen und Federelementen liegt zwischen den Bikes nur ein Kilo Gewichtsunterschied. Zur Einordnung lässt sich sagen, dass das Lux Trail CF ein besonders leichtes Trailbike, das Lux World Cup CFR ein durchschnittlich leichtes Racebike ist. Gemessen am Preis können sich sowohl Ausstattung als auch Gewicht bei beiden Varianten sehen lassen.
Das Canyon Lux World Cup CFR kommt im Gegensatz zum Lux Trail CF mit einem Anti-Squat-Flip-Chip, mit dem sich die Fahrwerkskinematik an größere Kettenblätter anpassen lässt. Beide Bikes verfügen über einen Lenkanschlagsbegrenzer. Die Race-Variante führt die Kabel allerdings durch den Steuersatz, die Trail-Version klassisch durchs Steuerrohr. Letztere wird für die härtere Gangart mit mehr Rahmenschutz ausgestattet, muss aber auch nicht auf eine zweite Flaschenhalteraufnahme verzichten. Beide Canyon Lux können einen Tool-Mount unter dem Oberrohr nachweisen.
Bei der Ausstattung setzen die beiden Canyon Lux unterschiedliche Akzente. Beide kommen mit Sram Motive Bremsen. Für knapp 6000 Euro gönnt sich die Trail CF Variante das Ultimate Topmodell und auch hinten eine 180er Scheibe. An der gleich teuren World Cup CFR Version spezifizieren die Koblenzer SLVR-Mittelklasse-Motives und nur vorne eine 180-Millimeter-Bremsscheibe - allerdings ebenfalls in der dicken HS2-Ausführung. Während das Canyon Lux Trail CF 9 mit Fox-Factory-Fahrwerk ausgestattet ist, rollt das Lux World Cup CF fürs selbe Geld mit Rockshox Select+ Federelementen in unseren Test. Der Performance-Unterschied zur Ultimate-Alternative ist aber gering.
Geld spart sich Canyon an den Laufrädern des Canyon Lux Trail CF. Zwar wiegen auch die hauseigenen Carbonfelgen erfreulich wenig, der Cross-Country-Bruder darf jedoch auf bewährte Carbon-Laufräder von DT Swiss mit nochmals hochwertigeren Naben bauen. Auch wenn das Trail-Lux auf ein gröberes Reifenprofil setzt, kommt es doch in einer harten Gummimischung. Das einteilige Carbon-Cockpit am Racebike spart Gewicht und erlaubt eine effiziente Aero-Position, die zweiteilige Variante am Trailbike lässt sich ergonomisch leichter anpassen.
Interessant ist der Blick in die Geometrietabelle. Das Canyon Lux World Cup CFR reiht sich mit einem flachen Lenkwinkel und einem langen Reach-Wert in die Riege der topmodernen Cross-Country-Fullys ein. In fähigen Händen legt es eine erstaunliche Fahrleistung sowohl bergauf als auch bergab aufs Parkett. Das Fahrwerk ist zwar kurzhubig aber sehr definiert und bietet eine vorbildliche Kontrolle. So nimmt es das Lux World Cup auch mit deutlich anspruchsvollerem Gelände auf, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.
Für ein Trailbike ist auch das Lux Trail CF sportiv abgestimmt. Canyon spricht von einem “Downcountry-Bike”. Agile Fahrmanöver bereiten dank einfachem Handling Freude. In der Abfahrt schafft vor allem der besonders flache Lenkwinkel Vertrauen. Allerdings fällt der Reach in Größe XL nicht nur kürzer aus, als von Canyon angegeben, sondern misst ganze 16 Millimeter weniger als am Racebike. Auch im direkten Vergleich zum Vorgänger hat das Lux Trail an Reach verloren. Bei hohen Geschwindigkeiten und rauem Geläuf kann das Canyon Lux Trail CF deshalb nicht mit so viel Fahrsicherheit glänzen, wie andere Trailbikes.
Während das Lux World Cup CFR in seinem Feld also eine progressive Rolle einnimmt und sich an Fortgeschrittene richtet, bleibt die Trail-Version konservativer und nimmt auch fahrtechnisch weniger versierte Biker in den Fokus, die nicht ständig im Vollgas-Modus unterwegs sind.
Wie seht ihr das: Würdet ihr lieber beim Canyon Lux Trail CF oder beim Lux World Cup CFR zuschlagen? Schreibt es uns in die Kommentare.

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