Jan Timmermann
· 14.07.2026
| Federweg | 140 mm |
| Laufradgröße | 29"/622mm |
| Gabel | Fox 36SL Float Factory |
| Dämpfer | Fox Float Factory |
| Schaltung | SRAM X0 Eagle AXS Transmission |
| Bremse vorne | SRAM Motive Ultimate |
Es könnte exakt das Bike sein, auf das viele BIKE-Leser gewartet haben: Das neue Canyon Lux Trail CF präsentiert sich als bezahlbares Mountainbike ohne Allüren und Übergewicht. Mit 140 Millimetern Federweg an der Front und 125 Millimetern im Heck ordnet es sich in die Riege der Trailbikes ein. Bei vielen Marken schien es über die letzten Jahre als sei diese Bike-Gattung nur ein zurechtgestutzter Ableger der illustren Enduro-Kategorie: immer kompromisslosere Geometrien, hochgezüchtete Fahrwerke, schwere Ausstattungen. Bezeichneten wir ihre Produkte in Testberichten als „Touren-Bike“, legten Hersteller Widerspruch ein.
Ein ausbalanciertes Trailbike ohne exzentrischen Downhill-Charakter galt in den Marketing-Abteilungen lange als angestaubt und unsexy. Das grunderneuerte Canyon Lux Trail tritt nun an, um genau diese Vorbehalte zu sprengen. Viele BIKE-Leser definieren sich als Touren-Biker. Naturerleben und Freude an Bewegung machen für sie Mountainbiken aus. Davon wollen manche Hersteller nichts hören. Das ist auch völlig okay so. Radikale Schluckspechte sind im richtigen Gelände ein Riesenspaß. Wer jedoch keinen Bikepark, sondern vielleicht ein sanftes Mittelgebirge vor der Tür hat, könnte mit einem leichten, effizienten Bike wie dem Lux Trail besser beraten sein. Wir haben das neue Trailbike von Canyon auf Herz und Nieren getestet.
Ich bin davon überzeugt, dass das neue Lux Trail ein super Match für sehr viele Biker da draußen ist. Canyon schiebt ein topmodernes Touren-Bike an den Start - und damit meine ich ein vielseitiges Trailbike für alles von alltäglicher Runde bis Transalp. Highlights sind das einfache Handling und das leichte Gewicht zum Kampfpreis. Extreme sucht man am Lux Trail vergebens, Hinterbau-Komfort allerdings auch. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Mit zwei Flaschenhaltern, Rahmenstaufach, Tool-Mount und einer Top-Bewertung in unserem Servicefreundlichkeits-Ranking ist das neue Canyon Lux Trail für labge Ausfahrten gewappnet. Für ausdauernde Touren ist das leichte Trailbike aber nicht nur aufgrund seiner vielen Features bestens vorbereitet. Die Kombi aus kompaktem Hauptrahmen, stattlichem Stack und flachem Cockpit positioniert den Fahrer neutral im Bike. Diese ausgewogene Sitzposition erinnert an das geschätzte Neuron und wirkt niemals zu sperrig oder extrem. Der insgesamt vergleichsweise konservative Geometrie-Ansatz schafft ein vertrautes Gefühl und überfordert auch in flachem bis welligem Terrain nicht. Einzig in sehr steilem Gelände dürfte der Sitzwinkel nach unserem Geschmack für mehr Effizienz steiler stehen.
Das Fahrwerk spricht eine klare Sprache: Das Lux Trail ist ein leichtfüßiges Bike für viele Trail-Kilometer. Agil und ohne Wippen klettert das Bike gen Gipfel. Dabei ist jedoch eine aktive Fahrweise gefragt. Vor allem im Direktvergleich mit anderen Trailbikes gehört Traktion nicht zu den Stärken des Canyons. Dafür kann sich der Pilot sportlich abdrücken und lässt kaum Energie verpuffen. In der Kurbelachse des Topmodells steckt ein Leistungsmesser. Vermutlich könnten die meisten Trailbiker darauf verzichten. Für die Trainingssteuerung ist das ein Bonus.
Um bergab das Optimum aus dem Fahrwerk zu holen, braucht das neue Canyon Lux Trail CF beim Setup viel Fingerspitzengefühl. Der Flex-Pivot-Hinterbau arbeitet durch eine ans Racebike Lux World Cup CFR angelehnte Kinematik mit niedrigem Übersetzungsverhältnis und verlangt nach wenig Dämpferdruck. Ohne Frage gehört das kurzhubige Lux Trail zu den strafferen Vertretern der Trailbike-Kategorie. Dazu passt auch der Charakter der Fox 36 SL Gabel mit Grip X Kartusche. Sie bietet etwas mehr Reserven als der Hinterbau, geht aber ebenfalls sehr effizient mit ihrem Federweg um.
Das Fahrwerk des neuen Canyon Lux Trail steht insgesamt hoch im Hub und ein definierter Gegenhalt erlaubt aktives Pushen durchs Gelände. Eine stoische Sänfte dürfen Trailbiker nicht erwarten. Ohne vorausschauendes Fahren bleibt das Bike an großen Kanten schon mal hängen. Dank prominenter Progression über den gesamten Federwegsverlauf verdaut der Hinterbau auch grobes Geläuf ohne Durchschläge, lässt aber keinen Zweifel am knappen Hub aufkommen und erreicht das Ende der Komfortzone merklich früher als viele Artgenossen.
Nun definiert sich das neue Canyon Lux Trail ohnehin nicht als fliegender Flubber-Teppich, sondern als Downcountry-Bike. Griffe ohne Schraubklemmung sind ebenso ein Tribut ans leichte Gewicht wie die ausreichend starken aber nicht wirklich bissigen Sram Motive Bremsen. Für schwere Fahrer und lange Steilabfahrten wären kräftigere Anker ein sinnvolles Update. Die Reifenwahl haben die Produktmanager in unseren Augen perfekt getroffen.
Die Geometrie ist stärker auf ein gefälliges Handling als auf Vollgas-Downhills ausgelegt. Unsere Lasermessungen im BIKE-Testlabor attestieren dem Canyon einen auffällig knappen Reach-Wert. Auf dem Trail sorgt die kurz-hohe Fahrposition für eine kinderleichte Steuerung. Impulse werden trotz flachem Lenkwinkel schnell umgesetzt. Um auf dem Canyon Spaß zu haben, muss man kein Profi sein. Auch bei niedrigen Geschwindigkeiten in technischen Sektionen lässt sich das leichte Bike easy dort platzieren, wo es hinsoll. Die Paarung aus kompakter Geo und straffem Fahrwerk gönnt dem neuen Canyon Lux Trail bei schneller Fahrt durch ruppige Wurzelfelder weniger Kontrolle als von anderen Trailbikes gewohnt. Bei Höchstgeschwindigkeit ist der Grenzbereich schmal.
Was meint ihr: Lieber Downhill-Wunder mit wenig Federweg oder effizient-straffes Touren-Bike? Was macht ein gutes Trailbike wirklich aus? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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