Das Stereo Hybrid ONE22 gehört zur zahmeren Sorte motorisierter Fullys. Zwar konnten wir genau dieses Modell noch nicht selbst fahren, die Plattform kennen wir aber gut: Sie überzeugt traditionell mit viel Komfort und unkompliziertem Handling, ganz nach dem Motto Draufsetzen und Wohlfühlen. Mit 120 Millimetern Federweg fokussiert sich das ONE22 in erster Linie aufs Streckenmachen, eignet sich aber auch für sanfte Trail-Runden. Wer regelmäßig anspruchsvolle Abfahrten oder Bikeparks ansteuert, ist mit dem ONE44 oder gar ONE77 besser bedient. Für alle anderen dürfte Cube hier einen echten Preis-Leistungs-Hit geschnürt haben.
120 Millimeter Federweg sind heute fast schon eine Ansage – allerdings nicht in Richtung Abfahrts-, sondern Touren-Spaß. Genau hier positioniert Cube das Stereo Hybrid ONE22. Die Plattform richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein souveränes E-MTB für lange Ausfahrten, Waldwege und flowige Singletrails suchen. Das Fahrwerk verspricht Komfort für lange Tage im Sattel und genügend Reserven für gelegentliche Geländeeinlagen.
Für den nötigen Schub sorgt der aktuelle Bosch Performance Line CX Motor. Der Motor zählt weiterhin zu den Referenzen im E-MTB-Bereich und entfesselt via Software-Update satte 120 Newtonmeter maximales Drehmoment, bleibt aber dennoch schön fein dosierbar. Zusammen mit dem entnehmbaren 800-Wh-Akku sind auch ausgedehnte Tagestouren mit vielen Höhenmetern ohne Reichweitenstress drin. Das Purion-200-Display bringt alle wichtigen Fahrdaten direkt ans Cockpit.
Bei der Ausstattung investiert Cube an den richtigen Stellen. Besonders erfreulich: Der Schaltungs-Mix aus Shimano-Deore-Komponenten und wertigem XT-Schaltwerk gehört nach wie vor zu den funktionalen Lösungen in diesem Preisbereich. Bei den Bremsen setzt Cube auf die standfesten Shimano-MT520-Vierkolbenbremsen mit großen 203-Millimeter-Scheiben an Vorder- und Hinterrad – eine vernünftige Wahl für ein fast 27 Kilogramm schweres E-MTB.
Mit der RockShox Psylo Silver RC vorne und dem Deluxe Select R im Heck setzt Cube auf solide Einsteigerklasse statt kostspieliges Edelmaterial. Für das Einsatzprofil des ONE22 ist das eine nachvollziehbare Entscheidung: Das Fahrwerk liefert genügend Performance für Touren und leichte Trails, ohne den Preis unnötig in die Höhe zu treiben.
Auch der Aluminiumrahmen zeigt, dass Cube inzwischen viel Erfahrung im E-MTB-Bau gesammelt hat. Der 800-Wh-Akku verschwindet sauber im Unterrohr, die Züge verlaufen komplett im Inneren, und die Schweißnähte am Hauptrahmen sind schön verschliffen. Hinzu kommen ein UDH-Schaltauge und eine Direct-Mount-Kettenführung. Praktisch: Die Federgabel bietet sogar Aufnahmepunkte für Schutzbleche. Dank Size-Split-Konzept kombiniert Cube kleinere Rahmengrößen mit 27,5-Zoll-Hinterrädern und größere Modelle mit 29-Zoll-Laufrädern, um unabhängig von der Körpergröße ein stimmiges Fahrverhalten zu erreichen.
Ganz ohne Abstriche geht es in dieser Preisklasse natürlich nicht. Die Schwalbe Smart Sam rollen leicht und passen hervorragend zum Tourencharakter des Bikes, ambitionierte Trailfahrer werden sich auf nassem Untergrund oder in grobem Gelände aber schnell mehr Grip wünschen. Auch die Psylo Silver ist keine Performance-Gabel. Beides lässt sich bei Bedarf nachrüsten, um der Geländegängigkeit des ONE22 Race 800 auf die Sprünge zu helfen.
Das Stereo Hybrid ONE22 Race 800 dürfte für den Großteil der E-MTB-Kaufkraft genau den Sweet Spot treffen. Es verzichtet bewusst auf einen spektakulären Carbon-Rahmen oder High-End-Komponenten und investiert stattdessen in die Dinge, die im Alltag wirklich zählen: einen starken Motor, einen riesigen Akku, zuverlässige Komponenten und eine stimmige Geometrie. Wer überwiegend Touren fährt, Forstwege und einfache bis mittelschwere Trails liebt und möglichst viel Bike fürs Geld sucht, sollte dieses Modell definitiv auf die Probefahrt-Liste setzen. Anspruchsvolle Trailfahrer greifen hingegen besser zum Stereo Hybrid ONE44 mit mehr Federweg.
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