Max Fuchs
· 21.07.2026
18,8 Kilogramm für ein voll motorisiertes E-MTB mit 600-Wh-Akku – dieser Wert sorgt zweifellos für Aufmerksamkeit. Eine komplett neu entwickelte Leichtbauplattform steckt dahinter allerdings nicht. Rahmen und Antrieb entsprechen den bekannten Levo-R-Serienmodellen und zählen für sich genommen nicht zu den leichtesten ihrer Klasse. Vor allem der Rahmen bringt durch den entnehmbaren Akku konstruktionsbedingt etwas mehr Gewicht mit als moderne Konzepte mit fest integriertem Energiespeicher.
Statt einer neuen Plattform setzte Specialized konsequent auf edelste Leichtbau-Komponenten. Nahezu jedes Anbauteil wurde durch besonders leichte High-End-Parts ersetzt. Die Carbon-Cockpit-Einheit sowie Laufräder und Reifen stammen sogar aus der eigenen Produktion. Das Levo R Ultralight demonstriert damit eindrucksvoll, welches Leichtbaupotenzial in der bestehenden Plattform steckt. Die Rekordgewichte im Full-Power-Segment bleiben jedoch den Bikes vorbehalten, die dieselben High-End-Komponenten mit einer noch leichteren Rahmenplattform und einem schlankeren Antrieb kombinieren.
Die spannendste Frage zu dem Sondermodell bleibt aber leider offen. Denn einen offiziellen Verkaufspreis nennt Specialized bislang nicht. Angesichts der extrem edel ausgestatteten Sonderedition des Levo 4 für rund 20.000 Euro dürfte jedoch auch das Levo R Ultralight nur für eine sehr exklusive Käuferschicht infrage kommen.
Außerdem finde ich kritisch, dass einige der Tuningmaßnahmen nicht mehr den Anforderungen an ein Trailbike mit 140 Millimetern Federweg entsprechen. Wenn ein Trail-Bike gepimpt wird, soll es hinterher auch noch uneingeschränkt als Trailbike nutzbar sein. Das ist beim Levor R Ultralight meiner Meinung nach nicht mehr der Fall.
Das Levo R ist Specializeds neues Trail-E-MTB, wurde Anfang 2026 vorgestellt und richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein leichtes, agiles E-Bike einem schweren, federwegstarken E-Enduro vorziehen. Technisch basiert es auf der Plattform des Turbo Levo 4, wurde jedoch konsequent auf geringeres Gewicht und mehr Vortrieb ausgelegt. Dafür reduziert Specialized den Federweg auf 140/130 Millimeter, setzt einheitlich auf 29-Zoll-Laufräder und optimiert den Carbonrahmen mit einem neuen Faserlayout. Trotz des identischen Grundkonzepts spart das Levo R gegenüber dem Levo 4 allein am Rahmen mehr als ein halbes Kilogramm ein. Durch leichte, schnellere Reifen, leichtere Laufräder und Kompromisse bei der Bremsanlage spart Specialized weitere Gramm. Angetrieben wird es vom bekannten Specialized-3.1-Motor, der je nach Modell bis zu 850 Watt Spitzenleistung und 111 Newtonmeter Drehmoment liefert. Ab Werk verbauen die Amerikaner einen entnehmbaren 840-Wh-Akku, genau wie beim normalen Levo 4. Mit seinem ausgewogenen Charakter positioniert sich das Levo R als sportliches Allround-E-MTB für lange Touren und flowige Trails – weniger fahrsicher als das Levo 4, dafür deutlich agiler und leichter.
Schon das bisherige Topmodell, das Turbo Levo R S-Works, zählt mit 21,3 Kilogramm zu den leichtesten voll motorisierten Trail-E-MTBs seiner Klasse. Um das Gewicht der neuen Ultralight-Version um weitere 2,5 Kilogramm zu reduzieren, griff Specialized tief in die Leichtbaukiste. Den größten Beitrag leistet dabei der Wechsel vom 840-Wh- auf den 600-Wh-Akku. Allein diese Maßnahme spart gegenüber dem Serienmodell rund 1,2 Kilo.
Auch bei den Laufrädern stand konsequent der Leichtbau im Vordergrund. Anstelle der Trail-tauglichen Roval Traverse SL2 verbaut Specialized die deutlich leichteren Roval Control SL aus dem Cross-Country-Segment. Ob ultraleichte XC-Laufräder an einem 140-Millimeter-Trailbike eine sinnvolle Tuningmaßnahme sind, darüber lässt sich streiten – beim Gewicht verschaffen sie der Sonderedition jedoch einen klaren Vorteil. Gleiches gilt für die schmalere und leichtere Bereifung.
Die letzten Gramm spart Specialized mit kompromisslosen High-End-Komponenten ein. Dazu zählen unter anderem die extrem leichte BikeYoke Revive-Sattelstütze sowie die exklusive Trickstuff-Piccola-Bremsanlage mit Titan-Hardware. Auch bei den Bremsscheiben stand die Waage im Mittelpunkt: Statt 200-Millimeter-Rotoren kommen vorne eine 180er- und hinten sogar nur noch eine 160-Millimeter-Scheibe zum Einsatz.
Je genauer man die Ausstattungsliste studiert, desto deutlicher wird, dass einige der Gewichtssparmaßnahmen nicht mehr uneingeschränkt zum ursprünglichen Einsatzbereich eines Trailbikes passen. Die Ultralight-Version scheint deshalb weniger als Serienbike, sondern vielmehr als Machbarkeitsstudie oder PR-Maßnahme gedacht. Sie zeigt, welches Gewicht sich aus der Levo-R-Plattform herausholen lässt – selbst wenn dafür an der einen oder anderen Stelle Kompromisse eingegangen und das Budget gesprengt werden müssen.
Wie seht ihr das? Sind bei einem Leichtbauprojekt auch Komponenten vertretbar, die den ursprünglichen Einsatzzweck eines Bikes einschränken? Oder sollte ein Trailbike trotz Gewichtsoptimierung seinem Charakter treu bleiben? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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