Das Cube Stereo One22 Pro wirbt mit einem großen Verkaufsargument: Ein Fully-Mountainbike für unter 2000 Euro bekommt man selten zu Gesicht. Gerade Nachwuchs-Biker und Einsteiger wünschen sich eine Vollfederung, um ihr Fahrerlebnis auf Wurzeln und Steinen upzugraden. In der Realität fangen neue Fullys bei den meisten marken aber erst ungefähr bei 1000 Euro mehr los. Welches Haar schwimmt also in der Cube-Suppe? Das beantwortet unser Bike-Check des Cube Stereo One22 Pro.
Wer im Preisbereich unter 2000 Euro unbedingt ein neues Fully fahren will, hat am Markt nur wenige Optionen und ist mit dem Cube Stereo One22 Pro nicht schlecht beraten. Meine Expertenmeinung lautet aber: Das Geld lieber in ein gutes Hardtail investieren, gebraucht kaufen oder weiter sparen. Echter MTB-Spaß ist mit dem günstigen Cube nur bedingt zu erwarten. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Eine wichtige Info zu Beginn: Die Rahmenplattform des Cube One22 Pro ist veraltet. Die Erstvorstellung des Rahmens geht zurück bis aufs Jahr 2021. Beim zwischenzeitlichen Modellupdate wurde die günstigste Ausstattungsvariante des One22 nicht berücksichtigt. Heißt: Während hochwertigere One22 mit moderner Geometrie und frischem Fahrwerk kommen, muss die Pro-Version mit einem fünf Jahre alten Konzept auskommen.
Woran merkt man das? Erstens ist die Geo mit langem Sitzrohr, flachem Sitzwinkel, steilem Lenkwinkel und knappen Reach-Werten im Vergleich zu anderen aktuellen Trailbikes nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Im Gelände kann das weniger Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten und weniger Sicherheit im Handling bedeuten. Zweitens empfanden wir bereits im Test 2023 die Fahrposition im knautschigen Fahrwerk zu hecklastig für steile Rampen. Nicht ohne Grund hat Cube Geometrie und Fahrwerk zwischenzeitlich aktualisiert. Drittens finden sich am Alurahmen längst vergessene Details, wie eine Umwerferaufnahme für ein zweites Kettenblatt.
Natürlich gibt es über das Cube Stereo One22 Pro auch viel Gutes zu berichten. So steckt für unter 2000 Euro etwa bereits eine Dropper-Post mit anständigem Hub im Sitzrohr. Die Schaltung wechselt zwölf Gänge und in der Ausstattungsliste finden sich viele Marken-Produkte, wie etwa die Newmen-Laufräder, Magura-Bremsen oder Reifen von Schwalbe. So viel Glanz gibt es bei anderen Herstellern für 1999 Euro noch lange nicht.
Klar, man kann Geometrie und Fahrwerk als altmodisch und angestaubt abtun, man kann aber auch von bewährt sprechen. Anfänger dürften sich vom Cube Fully nicht überfordert fühlen und sollten erste Gelände-Erfahrung sammeln können. Das Gewicht von 14,7 Kilo ist eigentlich zu schwer für dynamisch-sportliche Runden (hochwertige Fullys erreichen in diesem Federwegsbereich Gewichte von elf bis 12 Kilo), angesichts des niedrigen Preises muss es sich aber auch nicht verstecken.
Dass das Cube Stereo One22 Pro einem starken Sparkurs unterliegt dürfte sich spätestens in anspruchsvollerem Gelände zeigen. Die einfachen Magura MT Thirty Bremsen gelten vor allem mit den Original-Belägen als sehr schwach. Die Schwalbe-Reifen trägt das Cube in der Performance-Gummimischung bei sich. Das macht sich bei Rollwiderstand, Traktion und Grip negativ bemerkbar.
Zwar gönnt der deutsche Hersteller dem Fully ein kleines 30-Zähne-Kettenblatt, um auch auf der billigen Sram-NX-Kassette einen vertretbaren Klettergang zu erreichen, bergab wird dadurch aber früh die Übersetzung aus. Freigegeben ist das Stereo One 22 Pro nur bis zu einem vergleichsweise geringen Systemgewicht von 115 Kilo.
Was meint ihr: Muss es für 2000 Euro bereits ein Fully sein oder würdet ihre euch für das Geld lieber ein Hardtail kaufen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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