Amflow TL CarbonDas perfekte E-Bike für ALLE?

Florentin Vesenbeckh

 · 23.06.2026

Das Amflow TL Carbon soll als klassisches SUV-E-Bike die Lücke zwischen Alltagsfahrzeug und Mountainbike schließen. Mit sehr hohem Cockpit ist die Geometrie auf Komfort getrimmt.
Foto: Amflow
Mit dem Amflow TL Carbon zeigen die Chinesen der DJI-Marke ihr nächstes E-Bike. Mit Universal-Ansatz, Avinox-Motor, Wechsel-Akku und Wohlfühl-Geometrie könnte es den E-Bike-Markt nachhaltig verändern. Dank Vollausstattung kann das TL Carbon Stadt, Alltag und Gelände. Doch es gibt einen Haken.

Themen in diesem Artikel

Meinung der Redaktion

Der DJI-Ableger Amflow gibt weiter Gas und widmet sich jetzt dem SUV-Segment. Und zwar mit einem echten Knaller! Die Gewichtsfreigabe von 200 Kilo ist in Kombination mit dem niedrigen Gesamtgewicht des Bikes ein echtes Alleinstellungsmerkmal und auch die sonstige Ausrichtung des Bikes wirkt konsequent und gelungen. Mit einem fairen Preis könnte das Amflow TL Carbon den Markt der SUVs gehörig umkrempeln.

Mit dem Amflow TL Carbon erweitert die chinesische Marke ihr Portfolio in Richtung SUV und Alltag. Statt vollem Trail- und Geländefokus soll der Neuling nämlich einen möglichst breiten Einsatzbereich abdecken. Das Konzept vereint Eigenschaften eines Mountainbikes mit der Alltagstauglichkeit eines Trekking-E-Bikes und der Transportkapazität eines Lastenrads. Und Amflow wäre nicht Amflow, wenn dabei einige neue Bestmarken im Datenblatt stehen würden.

Leichtbau trifft Robustheit

Kernstück des TL Carbon ist der Vollcarbon-Rahmen, der mit einem Gewicht von 2,9 Kilogramm zu einem erstaunlich geringen Gesamtgewicht von 22,6 Kilogramm für das komplette Bike beitragen soll. Die Gewichtsangabe bezieht sich allerdings auf das Bike ohne Zubehör wie Schutzbleche, Seitenständer und Gepäckträger. Trotz des geringen Gewichts ist das E-Bike für hohe Belastungen ausgelegt: Die maximale Gesamtzuladung liegt bei 200 Kilogramm, inklusive Fahrrad, Gepäck und Fahrer. Der Frontgepäckträger trägt bis zu 20 Kilogramm, der Heckgepäckträger bis zu 27 Kilogramm. Das ist eine neue Benchmark!

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Eine Besonderheit ist die Modularität des Systems: Nutzer können Gepäckträger und Schutzbleche entfernen und das TL Carbon so in ein reines Offroad-Mountainbike verwandeln. Die CAT-III-Zertifizierung bestätigt die Eignung für anspruchsvolles Gelände.

​​Das TL Carbon ist aber nicht einfach ein TR Carbon mit Schutzblechen. Das Bike und der Rahmen wurden von Grund auf explizit auf die besonderen Anforderungen von Alltagsfahrten ausgelegt. Die Geometrie fokussiert sich auf ein ergonomisches Konzept, das sowohl sportliche Fahrten als auch entspanntes Cruisen ermöglichen soll. Die Front thront sehr hoch und die Winkel wurden betont moderat gewählt. Der Lenkwinkel landet bei 67 Grad, was für moderne Mountainbike-Standards sehr steil ist. Er kann auf Wunsch um 1 Grad abgeflacht werden. Gemeinsam mit den kleineren 27,5er-Laufrädern steht die unkomplizierte Kontrolle im Vordergrund, nicht die Fahrstabilität auf dem Trail.

​Technische Daten Amflow TL Carbon

  • Motor: Avinox M2
  • Akku: 800 Wh (optional 600 Wh)
  • Range Extender: 480 Wh Zusatz-Akku (optional)
  • Federweg: 120 / 105 mm
  • Laufradgröße: 27,5 Zoll, optional 29 oder Mullet möglich
  • Gesamtgewicht: 22,6 kg (Herstellerangabe ohne Zubehör)
  • Material: Vollcarbon
  • Max. zul. Gesamtgewicht: 200 kg
  • Zuladung Gepäckträger: vorne 20 kg / hinten 27 kg
  • Konnektivität: Apple "Wo ist?", Bluetooth-Herzfrequenzsensor, DJI Osmo Kameras

​Avinox M2: Kraftvoller und leiser Antrieb

Für den nötigen Schub, um das TL Carbon auch vollbeladen entspannt anzutreiben, sorgt der Avinox M2-Motor, der mit einem maximalen Drehmoment von 125 Newtonmetern und einer Spitzenleistung von 1100 Watt ausgestattet ist. Auch wenn der M2 die etwas schwächere Variante im Amflow-Portfolio ist, bleibt er dennoch deutlich stärker als die Konkurrenz anderer Marken. Diese Leistungswerte sollen insbesondere bei steilen Anstiegen und längeren Touren für spürbare Unterstützung sorgen.

Ergänzt wird der Motor durch die neue Avinox SmoothShift-Elektronikschaltung, die gemeinsam mit Amflow und TRP entwickelt wurde. Das System erkennt Schaltsignale automatisch und wechselt die Gänge sanft, ohne dass der Fahrer treten muss. Während des Gangwechsels wird das Drehmoment intelligent reduziert, um Stöße zu minimieren und die speziell angepasste Avinox-Kette zu schonen. Das Amflow TL Carbon ist das erste Fahrrad, das mit diesem elektronischen Antriebssystem ausgestattet wird.

Modulares Akku-System mit bis zu 1280 Wh Kapazität

Ein weiteres besonderes Merkmal des TL Carbon ist das flexible Akkusystem. Serienmäßig kommt ein herausnehmbarer 800-Wh-Akku zum Einsatz, der eine ordentliche Reichweite ermöglichen soll. Optional kann als Zubehör ein herausnehmbarer 600-Wh-Akku erworben werden. Die beiden Hauptakkus sind untereinander austauschbar und können jeweils noch mit einem neuen 480-Wh-Zusatzakku kombiniert werden. Dieser findet auf dem Unterrohr Platz und fungiert als Range Extender.

Diese Konfiguration erlaubt eine maximale Gesamtkapazität von 1280 Wattstunden und somit eine massive Reichweite – ideal für mehrtägige Touren oder besonders anspruchsvolle Strecken. Das Schnellverschluss-Design des Rahmens ermöglicht die einhändige Entnahme der Akkus, was den Wechsel vereinfacht und das Laden außerhalb des Fahrrads sowie den Transport erleichtert. Begleitend präsentiert Avinox eine neue Ladestation, die das sequenzielle Laden von bis zu vier Akkus in einem Ladevorgang ermöglicht.

Preise und Verfügbarkeit

Einen entscheidenden Haken hat das Amflow TL: Auf dem deutschen Markt wird es, Stand Juni 2026, nicht direkt verfügbar sein. Einen Preis nennt das Unternehmen entsprechend auch noch nicht. Schaut man sich die Preise der anderen Amflow-Modelle und die Strategie der Marke an, ist aber davon auszugehen, dass auch das TL eher im günstigen Preissegment landen wird und mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis überzeugen will.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

Meistgelesen in der Rubrik Fahrräder