Jahrzehntelang sammelte die Kultmarke GT Fahrrad-Enthusiasten um sich, dann war plötzlich Schluss. Die Klassik-Modelle der Amerikaner sind trotz moderner Finanzprobleme längst nicht vergessen und leben in den Garagen der Liebhaber und Sammler weiter. GT verschwand, bevor die 32-Zoll-Bewegung so richtig startete. Ein GT-Bike mit 32-Zoll-Laufrädern gab es deshalb nie - jedenfalls bis jetzt. Zweiradmechaniker und Designstudent Joe, aka Streuner, zersägte ein altes GT Karakoram von 1998 und hauchte ihm mit neuen Stahlrohren und einem abgefahrenen Design ein neues Leben ein.
Streuner ist ein sympathischer Typ und ein kreativer Freigeist. In seinem 32-Zoll-Umbau steckt extrem viel Fantasie und Liebe zum Detail. Da können sich Stahl-Fans und Retro-Enthusiasten überhaupt nicht sattsehen. Die Hommage an die legendären GT-Rahmen ist das I-Tüpfelchen auf einem ganz besonderen Bike. Es gab schon viele abgefahrene GT’s aber so eines noch nie! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Auf seinem YouTube Kanal und anderen Social-Media-Plattformen folgen Streuner zehntausende Fans. Sie alle wollen sehen, wie der Tüftler Fahrradrahmen baut, umbaut und modifiziert. Dazu werkelt er meistens im Kölner Atelier Wolken zusammen mit Kumpel Sami Al-Khayat. In dessen ganz spezieller Werkstatt werden selbst die abgefahrensten Fahrrad-Fantasien zum Leben erweckt. Ob kleine Anpassung, Rahmen-Reparatur oder wilder Prototypenbau, Klapprad, Tandem oder Fahrrad-Rikscha: Im Atelier Wolken gibt es keine Tabus. Bei Streuner besonders beliebt: kultige, alte Stahlrahmen aus den 90er Jahren. Sie möbelt er zu charmanten Fahrrädern auf, verpasst ihnen selbst geschweißte Gepäckträger und einen coolen Look.
Für sein Bespoked-Showbike zersägte Joe einen alten Karakoram Stahlrahmen von GT und behielt nur den mittleren Teil. Dazwischen lötete er völlig neue Rohre ein. Das zweigeteilte Oberrohr besitzt einen markanten Knick, ebenso die Sitzsteben. Letztere können dank Verschraubungen Gepäck aufnehmen. Der Rahmen integriert ebenso wie die ebenfalls umgebaute Stahlgabel eine innenliegende Zugführung. An der Gabel sitzt ein Halter für einen Flachmann - “nur für Hafermilch”, wie Streuner beteuert. “Die Seele eines GT’s sitzt im Dreieck zwischen Sitzstreben, Ober- und Sitzrohr. Die habe ich natürlich behalten” fährt er fort. An den Rohrübergängen: rohes, verschliffenes Messing vom Löten und Flammen-Optik.
Ich vergleiche das 32” GT gerne mit einem Schiff. Das muss beim Losfahren auch erst einmal viel Wasser verdrängen. Die Trägheit merkt man den Laufrädern schon an. Wenn das Schiff aber mal fährt, gleitet es unaufhaltsam dahin. - Joe, aka Streuner, Rahmenbauer
Durch das eigene Rahmendesign passen nun 32 Zoll Laufräder ins gute alte GT Karakoram. Die Laufräder kommen sind ein Zusammenspiel von Velo Orange Naben sowie Astral Felgen und sind mit Reifen von Teravail bestückt. Generell trägt das Restomod- GT einige untypische Parts. So wird etwa das 12-fach Schaltwerk via Retro-Daumenschalter betätigt. Auch das Rücklicht-Bracket, der Sattel und der Flaschenhalter stammen von Velo Orange. Verzögert wird das Bike via den Signature-Bremsen von Downhill-Star Aaron Gwin, den TRP Quadiem G-Spec mit nachgerüsteten Oak CNC-Bremshebeln. Ein ganz besonderes Teil ist der Vorbau. Diesen hat Streuner zusammen mit Kumpel Burak Gueller designet und will ihn künftig unter der neuen Marke “Kernig” vertreiben. Typisch Retro-Liebhaber klemmt dieser einen Lenker mit 22,2 Millimetern Klemmmaß, baut aber länger als die üblichen Cruiser- oder BMX-Optionen.
In der Szene der Auto-Restaurateure sind sogenannte Restomods voll im Trend und auch in den Bike-Bereich schwappt die Bewegung immer mehr. Dabei werden alte Fahrgestelle mit viel Liebe und neuen Standards so aufgemöbelt, dass moderne Technik verwendet werden kann. Beispielsweise gab es natürlich nie ein GT Karakoram mit 32 Zoll Laufrädern. Auch die Kombi aus Stahlrahmen, Boost-Nabenstandard und Scheibenbremsen ist ein Novum fürs GT-Hardtail von 1998. Sicher schlummert auch im Keller von so manchem BIKE-Leser noch ein schönes Klassik-Modell, das ein Update auf einen Einfach-Antrieb und Breitreifen vertragen könnte.
Wie seht ihr das: Ist so ein umgebautes Retro-Bike cooler als ein brandneues Modell? Schreibt es uns in die Kommentare!

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