Jan Timmermann
· 24.05.2026
Mit den Nextgen Kinder-Mountainbikes steigt Stoll erstmals in den Markt für Nachwuchs-Biker ein. Für leichte Bikes mit Rennsport-Attitüde ist die Schweizer Edelmarke bekannt. Auch kein Geheimnis: Für Kids, welche selbst ein geringes Körpergewicht mitbringen, sind leichte Fahrräder Gold wert. Die Paarung Stoll und Kinder-MTB klingt also erstmal nach einem Erfolgskonzept. Ob das auch wirklich zutrifft, verrät unser BIKE-Check.
Die neuen Nextgen Kinder-Mountainbikes von Stoll sollen auf derselben DNA aufbauen, wie ihre großen Vorbilder. Den Grundstein für ein leichtes Gewicht und sportive Fahreigenschaften legt ein Carbonrahmen, welcher im Gegensatz zu den Fahrgestellen für Erwachsene jedoch nicht bei Bike Ahead nahe Würzburg gebaut wird. Auf der Stoll-Homepage finden Bike-begeisterte Familien zwie Ausstattungsvorschläge. Auf Wunsch baut man die Rennfeile für den Nachwuchs aber auch nach Custom-Manier auf. Die aufgeklebten Decals trafen in unserer Redaktion auf gemischtes Feedback. “Cooler Kids-Look”, sagten die einen, “billige Aufkleber”, die anderen.
Für unseren Check des Stoll Nextgen Kinder-Mountainbikes entschieden wir uns für die günstigste Komplettbike-Version mit Rockshox Reba Federgabel, gönnten dem Testbike aber das Dropper-Post Upgrade von Bike-Yoke für 250 Euro Aufpreis. Auch in der Grundversion hängen am Stoll Nextgen bereits schicke Parts, wie ein extrem leichter Bike Ahead Carbonlenker oder hochwertige Alu-Laufräder von Newmen. Die mechanische Sram GX Eagle Schaltung ohne Transmission-Technologie wiegt wenig und stellt eine angemessene Übersetzungsbandbreite bereit. Dünne ESI-Schaumstoffgriffe und spezielle Kinder-Kurbeln passen hervorragend zu den ergonomischen Bedürfnissen kleiner Biker.
Über 3400 Euro können oder wollen nur die wenigsten Haushalte für ein Kinderfahrrad ausgeben - soviel ist klar. Mit 9,7 Kilo fällt das Hardtail für junge Racer ab 150 Centimetern Körpergröße leicht aber nicht superleicht aus. Ein ähnliches Gewicht gibt es bei vergleichbarer Ausstattung bei anderen Kinder-Mountainbikes mit Carbonrahmen (etwa von VPace oder Cube) deutlich günstiger. Richtig exklusiv wird es erst mit der rund 4900 Euro teuren Gold-Ausstattung, für die Stoll Gewichte ab 8,1 Kilo angibt. Stoll baut seine Bikes eben nur in Kleinserie auf und hat sich hochpreisigen Hightech-Modellen verschrieben.
Stoll verfolgt nicht nur bei den Rahmen für ausgewachsene Biker einen progressiven Geometrie-Ansatz, sondern überträgt diesen auch auf seine neuen Nextgen Kinder-Bikes. Sportlich gestreckt nehmen Kids auf dem Carbon-Hardtail Platz. Ein langer Vorbau und ein verhältnismäßig breiter Flatbar ziehen die Fahrposition zusätzlich in die Länge. Die leichte Laufrad-Reifen-Kombi zeiht fix vom Fleck und bietet einen guten Kompromiss aus Rollfreude und Traktion. Nur bei nassen Bedingungen ist die harte Gummimischung der Schwalbe-Pneus schnell mal überfordert.
Mit einem vergleichsweise lange Reach-Wert verspricht die Nachwuchs-Rakete eine hohe Laufruhe bei Highspeed-Ritten. Der Lenkwinkel liegt mit 68 Grad in der goldenen Mitte für ein Mountainbike-Hardtail dieser Größe. Zusammen mit dem auffällig kurzen Heck behält sich das Nextgen die Wendigkeit bei und wuselt geschickt zwischen den Hindernissen des Cross Country Kurses umher. Nur, wenn es im Gelände richtig steil wird, können das lange Cockpit und die eher hohe Überstandshöhe das Stoll etwas sperrig wirken lassen.
Die einfache Rockshox Federgabel der Silver-Ausstattung funktioniert auch mit niedrigen Fahrergewichten gut, lässt in ruppigem Terrainaber das letzte Quäntchen Dämpfungs-Raffinesse höherwertiger Gabeln vermissen. Die kurzen Hebel der Shimano-XT-Bremsen harmonieren mit Kinderhänden und liefern eine super Verzögerungspower.
Der Carbonrahmen des neuen Stoll Nextgen bietet Kindern eine leichte, fahrstarke Basis. Mit dem Nachwuchs-Mountainbike der Schweizer bekommen sie ein fähiges Racebike für Cross-Country-Wettkämpfe und ein hochwertiges Konzept für alltäglichen Fahrspaß an die Hand. Über das Verhältnis von Preis zu Leistung darf angesichts anderer starker Kinder-MTBs am Markt diskutiert werden. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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