32-Zoll-Stahl-Hardtail mit 11,5 KiloLeovelo Goliath im Bike-Check

Jan Timmermann

 · 04.06.2026

Do-It-Yourself-Schmuckstück: Das Leovelo Goliath 32 Zoll Hardtail verleitet zum Staunen.
Foto: Georg Grieshaber
Mit 32-Zoll-Laufrädern, einem Maßrahmen aus Stahl und einer handverlesenen Ausstattung lässt das Leovelo Goliath die Herzen von MTB-Liebhabern höher schlagen. Wir haben uns das Hardtail mit den Rießenrädern im Detail angeschaut und werfen einen Blick auf die Hersteller hinter dem Dreambuild.

Nachdem BIKE-Redakteur Jan Timmermann sich im Rahmenbaukurs von Leovelo einen eigenen Maßrahmen gelötet hatte, war klar: Dieses 32-Zoll-Hardtail wird so spektakulär, wie noch keines zuvor. Bei der froschgrünen Lackierung ließ sich der Custom-Fan von den Kreationen des Rahmenbau-Künstlers Peter Verdone inspirieren. Vorbild für die roten Akzente lieferte ein altes Niner S.I.R. (”Steel Is Real”).

Der Dreambuild mit Upsidedown-Federgabel, Carbon-Monocoque-Laufrädern im neuen Laufradmaß 32 Zoll und exklusiven Leichtbau-Parts setzte dem Projekt anschließend die Krone auf. Trotz großem Stahlrahmen und noch größerer Laufräder kann sich das Gewicht des fertigen Bikes mit 11,52 Kilo durchaus sehen lassen.

Handverlesen: Die Hersteller hinter dem Dreambuild

​So einen handgebauten Rahmen setzt man natürlich nicht mit beliebigen Komponenten zusammen. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen lokaler Produzenten und früher Akteure der 32-Zoll-Bewegung. Bei diesen sechs Herstellern entstehen Technologieträger- und Tuning-Parts für den Dreambuild.

1. Intend

​Während sich Fox und Rockshox noch bedeckt halten, bringt das Label aus Freiburg bereits eine 32-Zoll-Federgabel in Serie. Damit ist Intend dem Rest der Industrie schätzungsweise ein Jahr voraus und ein echter Innovationstreiber.

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Einbaulänge, Offset, Kollisionskurs der Brücke: Nur mithilfe einer passenden Gabel lassen sich Rahmengeometrien für 32er testen. In fast allen bislang veröffentlichten Bikes mit der neuen Laufradgröße steckt deshalb eine Upsidedown-Federgabel aus Deutschland.

Die erste Eigenentwicklung präsentierte Intend-Mastermind Cornelius Kapfinger 2014 an einem Leser-Bike in BIKE. Intend gründete der Hydraulik-Experte aus seiner Studenten-WG heraus und selbst heute, wo die Firma zu weltweitem Ruhm gelangt ist, erinnern in der Werkstatt Ikea-Regale und eine familiäre Atmosphäre an die Anfangszeit. Nur zweieinhalb Zimmer umfasst die Zentrale. Hier werden die gut 100 Einzelteile für eine Intend-Federgabel von Hand zusammengesetzt.

Im Innern setzt die Intend Samurai XC 32 auf die bewährte Luftdämpfung mit halboffenem Ölbad ihrer 29er-Schwester. Durch die Upsidedown-Bauweise sollen die Buchsen permanent geschmiert werden, geschmeidg arbeiten und dauerhaft spielfrei bleiben. Ohne Verbindungssteg hat sie im Gegensatz zu konventionellen Teleskopgabeln zudem keine Platzprobleme mit großen Laufrädern. Die Standrohre besitzen 35 Millimeter Durchmesser.

Für den Dreambuild unseres Hardtails entschieden wir uns für die Intend Energizer-Kartusche mit dreistufigem Lockout-System und 100 Millimeter Federweg. Maximal 130 Millimeter Hub wären möglich. Ganze 74 Millimeter größer ist der Durchmesser eines 32-Zoll-Laufrades mit Reifen im Vergleich zum 29 Zöller. Durch den größeren Hebel der längeren Gabel können in der Praxis ganz andere Kräfte auftreten. Deshalb hat Intend seine Samurai extra an die Bedürfnisse von 32-Zoll-Mountainbikes angepasst und unter anderem die Krone verstärkt sowie die Ausfallenden neu designt.

2. Vecnum

​Ausschlaggebend für die Gründung von Vecnum war Unzufriedenheit. Marcell Maier war nach jahrelanger beruflicher Erfahrung im Luft- und Raumfahrtbereich frustriert von der in seinen Augen mangelhaften Qualität, in der Bikeparts produziert und verkauft wurden.

Produkt-Fokus der ersten Stunde: Versenkbare Teleskopsattelstützen mit langer Haltbarkeit und geringem Gewicht made in Germany. Am Firmensitz in Isny liegt die komplette Prozesskette in eigener Hand. Hier im Allgäu entsteht die CAD-Konstruktion der Entwicklung, die CNC-Programmierung für die Maschinen und die Prototypenfertigung.

Im lokalen Bearbeitungszentrum entstehen Vecnum-Produkte auf einer eigenen Fünf-Achs-Fräse. Um die Passgenauigkeit zu gewährleisten, sind nur Toleranzen im Hundertstelmillimeterbereich vorgesehen.

Für unseren Dreambuild entscheidet sich unser 190 Centimeter großer Redakteur für eine Vecnum Nivo mit 212 Millimetern Verstellbereich. Trotz ihrer Länge bleibt sie mit 539 Gramm vergleichsweise leicht. Preis: 439 Euro. Für den Service reicht ein Fünfer-Inbus.

3. Bike Ahead Composites

Für viele Biker ist der Sattel wahrscheinlich der letzte Ort, um Gewicht zu sparen. Genau hier liegt aber der Unterschied von Standard- und Dreambuild. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Sattel spart der nur 87 Gramm leichte Bike Ahead The Hypersaddle schon mal 200 Gramm Masse ein.

Das Leichtbau-Teil wird nahe Würzburg von Hand in Kleinserie gefertigt. Es ist Ergebnis eines Forschungsprojektes zu Faserverbundwerkstoffen und entsteht in Monocoque-Carbon-Bausweise. Mit 369 Euro Kaufpreis ist der Sattel ein Statement-Bauteil für Technik-Nerds. The Hypersaddle wiegt weniger als eine Tafel Schokolade, ist aber mehr als 200 mal so teuer.

Ebenfalls von Bike Ahead: Der Biturbo X 32 Safewing Laufradsatz und The Unit ICR. Lediglich 207 Gramm wiegt die Lenker-Vorbau-Kombination für unseren Custom-Aufbau. Dass das Cockpit trotzdem nach Level ASTM4 für E-Bikes zertifiziert ist, verdeutlicht die Ingenieursleistung der Bayern. Einzelpreis: 599 Euro.

4. Maxxis

​Spätestens als Maxxis auf der Eurobike-Messe 2025 ein serienreifes Aspen-Modell in Größe 32 Zoll zeigte, war klar: Der neue Laufradstandard kommt! Für die großen Gummis sprechen unter anderem eine höhere Rolleffizienz auf ruppigem Untergrund und eine größere Aufstandsfläche.

Inzwischen hat der Reifenhersteller aus Taiwan sein 32er-Lineup sogar ausgeweitet. Für mehr Grip gibt es nun den stärker profilierten Aspen AT und für schnelle, trockene Cross-Country-Kurse den Aspen ST im neuen Riesenmaß. Da auch immer mehr Hersteller von Gravelbikes mit 32 Zoll experimentieren, wird letzterer zudem in 2,15 Zoll Breite angeboten. Selbst im Trailbike-Segment ist die neue Laufradgröße mit Versionen von Maxxis Forekaster und Dissector jetzt angekommen.

5. Sram

​“Präziser kann man Gänge kaum wechseln” titelten wir nach unserem Test der Sram Eagle 90 Transmission Schaltgruppe. Einziger Kritikpunkt: zu schwer und deshalb für Racebikes uninteressant. Mit der richtigen Parts-Auswahl im Sram-Portfolio kann man sich nach Mix-And-Match-Prinzip aber eine leichte SL-Version des mechanischen Antriebs konfigurieren. Alleine das Upgrade auf die Carbon-Kurbel der XX-SL-Baureihe spart rund 350 Gramm. Dazu Kassette sowie Kette aus Srams Leichtbau-Gruppe und schon sieht die Welt anders aus.

Wer auf's Ganze gehen will, gönnt dem Schaltwerk, wie wir, einen Carbonkäfig. Dieses Upgrade spart neun Gramm und kostet 130 Euro. Apropos Preis: Mit 1890 Euro kostet das SL-Setup über einen Riesen mehr als die Standard-Gruppe. Dafür ist die Konfiguration sogar leichter als die edelste Funk-Variante von Sram. An der Waage wird sie nur von einer mechanischen Shimano XTR geschlagen. Dafür bietet die Eagle 90 SL eine höhere Präzision unter Last und die Stabilität des Transmission-Standards.

6. Wolftooth

​Die Geschichte von Wolftooth begann 2013 in einem Keller im US-Bundesstaat Minnesota. Drei Ingenieure entwickelten dort ein innovatives Zahnprofil, um Kettenblätter für die aufkommenden Einfach-Antriebe zu verbessern. Bereits ein Jahr später war die Nachfrage so groß, dass die Gründer ihre Jobs kündigten, um sich voll aufs junge Unternehmen zu konzentrieren. Anstatt schnell zu skalieren blieb Wolftooth aber seiner DNA treu und erweiterte das Portfolio nur sehr langsam, Schritt für Schritt.

Noch heute entwickelt, designet und produziert Wolftooth all seine Produkte selbst am Standort in Burnsville. Aus dem ursprünglichen Keller eines Wohnhauses ist ein 3500 Quadratmeter großes Headquarter geworden. Über 60 Mitarbeiter stellen dort jährlich tausende Fahrradteile her. Die Fertigung in den USA ist Teil der Markenidentität. Davon verspricht sich Wolftooth maximale Kontrolle über Eigenschaften, Materialien und Prozesse.

In der hauseigenen CNC-Bearbeitung werden extrem enge Toleranzen angestrebt und während Design-Iterationen in einer typischen Lieferkette Monate dauern können, kann das lokale Team schnell und flexibel agieren. In der Entwicklungsabteilung sitzen ausschließlich Biker. Sie versuchen mit ihren Kreationen Anforderungen der echten Bike-Welt zu lösen. Innovation müsse laut Wolftooth nicht immer laut sein. Stattdessen sollen sich die Teile durch clevere Lösungen und eine hohe Qualität absetzen.

Inzwischen reicht das Portfolio vom Steuersatz über Sattelklemmen und Pedale bis zur Steckachse. Für all das räumen die Amerikaner ihren Kunder das "Right To Repair" ein, achten auf die Austauschbarkeit von Kleinteilen und eine flächendeckende Ersatzteilversorgung. Wegwerfprodukte kommen für Wolftooth nicht ans Bike. Aktuell sieht sich das Unternehmen mit hohen Rohstoffpreisen und der US-Zollpolitik konfrontiert. Dennoch soll 2026 das bisher spannendste Jahr für Produktneuheiten in der Firmengeschichte werden.

​Fazit

Beim Aufbau meines Custom-Bikes wollte ich neben frühen Playern der 32-Zoll-Bewegung und Tuning-Parts vor allem Hersteller inkludieren, deren Produktion sich durch Transparenz auszeichnet. Ob Bike Ahead, Vecnum oder Wolftooth: Diese Firmen gewähren einen Einblick in ihre Fertigung und passen deshalb ideal zu meinem Do-It-Yourself-Projekt! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
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Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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