Orbea Wild LT mit gedrosseltem Avinox M2SWarum Orbea die DJI-Power im Wild zähmt

Florentin Vesenbeckh

 · 20.06.2026

Orbea Wild LT mit gedrosseltem Avinox M2S: Warum Orbea die DJI-Power im Wild zähmtFoto: Orbea
Das neue Orbea Wild LT kommt mit Avinox M2S. Die krasse Leistung war aber nicht der Grund, warum Orbea zum Kraftpaket greift. Im Gegenteil: Den Entwicklern sind die 1300 Watt deutlich zu viel.
Das Leistungswettrüsten bei E-Mountainbikes ist in vollem Gange. Orbea will da nicht mitmachen. Die Spanier verbauen im neuen E-Enduro Wild LT zwar den superstarken Avinox M2S, beschneiden im Serientrimm aber die maximale Power des China-Aggregats. Was steckt hinter dem gezähmten E-Bike?

Ausgerechnet das Bike mit dem Namen “Wild” wird vor dem Verkauf gezähmt. Gemeint ist das neue Wild LT E-Enduro von Orbea. Denn die Spanier verbauen in ihrem neuen E-Bike zwar den superstarken Avinox M2S, der theoretisch bis zu 1500 Watt liefert. Doch im Orbea-Bike ist der Motor über eine eigene Software gedrosselt. “Nur” 750 Watt liefert das Super-Aggregat im hauseigenen RS-Tune. “Wir liefern maximalen Schub nur da, wo man ihn wirklich braucht”, sagt Orbea dazu. In der eigenen Konfiguration soll der Motor schneller und geschmeidiger auf den Input des Fahrers reagieren. Beim klassischen M2S wollen die Entwickler eine Verzögerung in der Reaktion festgestellt haben.

In den Modi mit Orbeas RS-Tune soll der Motor viel direkter und sensibler auf den Input des Fahrers reagieren und damit besser kontrollierbar sein. Das Argument der Orbea-Crew: Mehr Power hilft dir in technischen Anstiegen nicht wirklich weiter. Ein Fakt, den auch wir in diversen Praxistests in vielen Situationen festgestellt haben. Allerdings kommt es sehr stark auf die Situation an. Während man in manchen Passagen vom immensen Schub durch die krasse Leistung sehr wohl profitiert, ist der aggressive Push an anderer Stelle schlicht zu viel des Guten. Das Bike wird aus der Ideallinie katapultiert oder ein präzises Steuern wird unnötig erschwert. Genau das wollen die Spanier mit dem RS-Tune verhindern.

Drehmoment vs. Leistung

Beim Drehmoment bleiben die Regler hingegen voll aufgezogen. 130 Newtonmeter liefert der M2S auch im Orbea-Setting. Heißt: Bei langsamem Tritt steht dem Fahrer die volle Kraft des Motors zur Verfügung. Und laut Orbea sind das auch die Situationen, in denen E-Mountainbiker die Power wirklich brauchen. Zum Beispiel an Stufen, technischen Wurzelsektionen und Steilpassagen. Hier hilft das hohe Drehmoment über den Totpunkt hinweg.

Weiteres Argument der spanischen Entwickler ist die Reichweite. Während die volle Power des Avinox M2S den Akku in Windeseile leersaugen kann, soll der Antrieb im gedrosselten RS-Tune deutlich länger durchhalten. Logisch: Viel Leistung saugt viel Strom. Somit bleibt der Motor im RS-Tune sparsamer. Besonders in der leichten Konfiguration mit 600-Wh-Akku kann das natürlich sinnvoll sein.

Das Argument “weniger ist mehr” hat bei Orbea übrigens Tradition. Im erfolgreichen Light-Bike Rise kommt schon lange ein Shimano-Motor zum Einsatz, der nicht die volle Leistung der Serienhardware frei gibt. Der Shimano EP 8 RS von Orbea. Auch hier arbeitet Orbea mit hohem Drehmoment bei gemäßigter Leistung und auch hier wollen die Spanier damit Akku sparen.

Power-Boost per App

Power-Junkies, die Lust auf ein Orbea Wild LT haben, brauchen sich aber nicht sorgen. Denn über die App kann auch der Wild-Motor mit RS-Tune auf die volle Leistung aufgebohrt werden. Dazu muss lediglich ein neuer Modus erstellt werden, bei dem dann alle Parameter nach Belieben eingestellt werden können. Bis zu 1300 Watt und 150 Nm im Boost-Modus stehen E-Bikern dann zur Verfügung. Die 1500 Watt Spitzenleistung, die der M2S theoretisch drauf hat, gibt’s nur mit dem speziellen 700er-Akku, der nicht ins Wild LT passt.

Wie steht ihr dazu? Wie viel Power braucht ein E-MTB? Würdet ihr die Beschränkung in der App aufheben? Schreibt’s in die Kommentare.

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Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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