Das beste aus zwei WeltenMinimal-Assist-Bikes: Vom Aussterben bedroht, doch wieso nur?

Laurin Lehner

 · 31.08.2026

Das beste aus zwei Welten: Minimal-Assist-Bikes: Vom Aussterben bedroht, doch wieso nur?Foto: Laurin Lehner
Schick, schlank, leicht genug für die ein oder andere Bunnhop-Einlage: Das Minimal-Assist-Bike Propain Sresh SL.
BIKE-Tester Laurin Lehner wählte als Dauertestbike das Propain Sresh SL – ein sogenanntes Minimal-Assist-Bike. Eine Kategorie, die zu sterben scheint. Und unser Autor will es nicht verstehen.

Die Idee ist einfach: Kleiner Motor, kleiner Akku, wenig Leistung – dafür geringes Gewicht und echtes Biobike-Handling. Das Beste aus zwei Welten, quasi. Für mich war das von Anfang an die logischste Sache der Welt. Die sinnvollste Art des E-Bikens. Denn mit diesen Light-E-MTBs verschwindet genau das, was ich am Biken seit gut 30 Jahren nicht ausstehen kann: Mit rotem Kopf und eckigen Kurbelbewegungen eine steile Rampe hochzuhecheln. Und das Beste: Das Gewicht bleibt unter 20 Kilo – nah genug dran an einem Bike ohne Motor. Also Biken mit den Beinen von Tom Pidcock, aber kein Mofa unter dem Hintern. Was will man mehr?

Ob ein Bike 15 oder 16,5 Kilo wiegt – der Unterschied ist spürbar, klar. Doch die gleichen 1,5 Kilo jenseits der 20-Kilo-Marke treffen noch mal härter. Ein E-Bike mit 21 Kilo und ein Minimal-Assist mit 19,5 Kilo fahren sich auf dem Trail wie Tag und Nacht.

Darum ist das Minimal-Assist-Konzept so schlüssig

Nehmen wir Klassiker wie den Tremalzo oder den Holy Hansen in Latsch. Wer hoch will, muss leiden – wir sprechen von 1.000 Höhenmetern plus, Qual inklusive. Während meine Kollegen dieses masochistische Erlebnis mit religiöser Inbrunst zelebrieren und schwärmen, wie ihr Laktat in den Venen tanzt, finde ich es schlicht und ergreifend: doof. Denn a) bin ich konditionell eine Gurke, und b) komme ich bei solchen Rampen oben so fertig an, dass ich die Abfahrt kaum noch genießen kann – was den Sinn der ganzen Übung ziemlich infrage stellt.

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Warum kein normales E-Bike mit Power-Motor?

Klar, mit einem normalen E-Bike geht das Ganze noch schneller und leichter – doch darum geht es doch gar nicht. Ich will schwitzen, ich will Mountainbiken. Aber eben mit etwas Support – gerne im Eco-Modus. Und bitte mit flüsterleisem Motor, denn das Knirschen der Kieselsteine unter den Reifen und das Zwitschern der Vögel will ich weiterhin hören.

Ich bin ein lausiger Visionär

Dass sich solche Light-E-MTBs bei Mountainbikern durchsetzen würden, davon war ich vor einigen Jahren absolut überzeugt – spätestens als diese Kategorie mit dem damaligen Benchmark-Modell Specialized Levo SL vorgestellt wurde. Es brachte, zumindest in der teuren Variante, rund 18,5 Kilo auf die Waage. Dass der Hype um die schweren, vor Kraft strotzenden E-Bikes schnell verpuffen würde, lag für mich auf der Hand. Weil ich glaubte, dass den Leuten irgendwann dämmert: Ja, schon ganz cool – aber das Mountainbike-Gefühl? Das ist damit futsch.

2026 - Neuheiten-Ebbe bei Minimal-Assist-Bikes

Wir schreiben 2026, und kaum ein Hersteller bietet noch solche Modelle an. Minimal-Assist-Neuheiten? Fehlanzeige. Zum Glück gibt es noch ein paar Modelle. Letztes Jahr bestellte ich mir das Propain Sresh SL als Dauertestbike. Mit dem Minimal-Assist-Motor TQ60 und dem kleinen 360-Wh-Akku im Unterrohr bringt es nur 19,3 Kilo auf die Waage – ohne Pedale. Das verleiht dem Sresh SL genug Biobike-Charakter: Bunnyhops sind damit noch machbar, die Spur im Downhill lässt sich spielend wechseln und Bergtouren gelingen auch mit wenig Unterstützung. 1.200 Höhenmeter? Das geht.

Warum gescheitert?

Bike-Konstrukteur und Visionär Peter Denk bringt es auf den Punkt: “Die Kategorie wurde schlicht falsch vermarktet. Händlern fällt es schwer, Kunden ein Bike schmackhaft zu machen, das weniger Power und weniger Reichweite hat – und trotzdem genauso viel kostet”. Ein schwieriges Verkaufsgespräch, das kann man sich vorstellen.

Kraftpakete von Avinox und Co. übernehmen

Klar, ein Wucht-Motor macht Spaß – vor allem, wenn einem steile Uphills liegen. Power ist da, keine Frage. Doch echtes Mountainbiken ist das nur noch bedingt. Und ja, auch Full-Assist-Bikes werden leichter. Nur eben selten leicht genug. Denn ein, zwei Kilo machen enorm viel aus. Das ist nun mal so.

Unterm Strich: Die Faszination für die dicken Motoren hält an, die Fachmagazine hypen kräftig mit. Das Resultat: Minimal-Assist-Bikes sind kaum noch gefragt.

Und jetzt?

Noch gibt es einige Modelle – das Specialized Levo SL, das Propain Sresh SL, das YT Decoy SN und ein paar weitere. Doch bei den Neuheiten sucht man lange und findet trotzdem nichts. Fazua ist bekanntlich Geschichte. Ob TQ noch mal einen Minimal-Assist-Motor auf den Markt bringt? Fraglich.

Ich will weiterhin Minimal-Assist fahren – so lange es noch geht. Danach bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als auf die Mofa-Klasse umzusteigen. Oder ich hole mir wieder ein Biobike und arbeite endlich ernsthaft an meiner Kondition. Man wird sehen.

​Wie seht ihr das? Wir freuen uns auf eure Zuschriften: Schreibt mir an: L.Lehner@bike-magazin.de

​Das Sresh SL: Alle Fakten im Schnellcheck

  • Motor: TQ HPR 60
  • Akku: wahlwiese 360 oder 580 Wh
  • optional: Range Extender mit 160 Wh
  • Federweg: 160/150 mm
  • Laufradgröße: 29 Zoll oder Mullet
  • Gewicht: 19,1 kg (Testbike in Größe L mit 360 Wh, 29 Zoll) / ab 18,2 kg (Herstellerangabe)
  • Zul. Gesamtgewicht: 120 kg
  • Preis: ab 5994 Euro, Ausstattung individuell konfigurierbar
Light E-Mtb Propain Sresh SL als Custom-Aufbau dank Online-Konfigurator.Foto: Laurin LehnerLight E-Mtb Propain Sresh SL als Custom-Aufbau dank Online-Konfigurator.

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Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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