Florentin Vesenbeckh
· 10.04.2025
Das Decoy SN kam in seiner Urform schon 2024 auf den Markt – als Light-Enduro. Und dieses YT Decoy SN hat uns im Test richtig überzeugt. Kurz zusammengefasst: Super sicher, super spaßig, super intuitiv zu fahren. Aber: Mit seinem fluffigen Fahrwerk, dem üppigen Federweg und auch etwas höheren Gewicht ist es eben ein richtiges Enduro. Also: Stark, wenn es im harten Gelände zur Sache geht – aber im zahmeren Terrain und auf flacheren Strecken fast ein bisschen zu viel des Guten. Und genau da soll das neue YT Decoy SN 29 ins Spiel kommen. Leichter, spritziger, direkter.
Der Name sagt es schon: Statt Mullet-Laufrädern wie beim Enduro, setzt das Bike vorne und hinten auf 29 Zoll. Außerdem hat YT den Federweg etwas geschrumpft. 160/140 mm statt 170/160. Und noch dazu wurde bei der Ausstattung mehr aufs Gewicht geschaut. 19,5 Kilo wiegt unser Testbike in Größe XL. Die Enduro-Version hat rund 21 Kilo. Auch wenn beide Werte keinen Gewichtsrekord darstellen: ein definitiv spürbarer Unterschied.
Motorseitig kommt auch das Decoy SN 29 mit dem Fazua Ride 60. Der kompakte Antrieb aus Ottobrunn bei München ist für Light-Verhältnisse kräftig. Besonders beim Drehmoment steht er richtig gut im Saft. Das heißt, in technischen Anstiegen hilft er noch richtig gut über Stufen hinweg, auch wenn die Trittfrequenz nachlässt. In diesen Situationen ist der Ride 60 auch deutlich kräftiger als der leistungsstarke Bosch Performance SX.
Eine bekannte Schwäche des Ride 60 war die Bedieneinheit Ring Control am Lenker. Das undefinierte Feedback und die wackelige Bedienung sorgte immer wieder für Kritik. Am Decoy SN 29 ist jetzt die neue Mode Control verbaut, speziell für Mountainbikes entwickelt. Die ist nochmal kompakter, wirkt deutlich solider und wertiger, und lässt sich auch definierter und zuverlässiger bedienen.
Eine besondere Erleichterung im Handling der neuen Mode Control ist der separate Knopf zur Aktivierung der Boost-Funktion. Ein kurzer Druck reicht aus, um die 100 Watt Extraleistung - 450 statt normal 350 Watt - zu aktivieren. Bei der alten Ring Control von Fazua war das nicht so komfortabel gelöst, denn man musste den Drehschalter länger gedrückt halten, was in kniffeligen Passagen nicht immer zuverlässig funktioniert. Insgesamt ist die neue Mode Control ein guter Schritt nach vorne.
Ein weiteres Fazua-Update, das bereits im neuen YT Decoy SN 29 stecken soll, ist der neue Akku. Der ist genauso groß wie der Vorgänger, soll aber 480 statt 430 Wattstunden haben. Und das bei nur minimalem Mehrgewicht von unter 200 Gramm. Das verspricht zumindest Fazua. Leider ist der neue Akku noch nicht lieferbar. Unser Testbike wurde noch mit der alten Batterie ausgeliefert und Fazua konnte uns noch keinen neuen Akku zum Test zur Verfügung stellen.
Der lange angekündigte und mehrfach verschobene Range Extender von Fazua soll im September 2025 soll ab September 2025 an die Händler ausgeliefert werden.
Schon mit dem Energy 430 war der Fazua-Antrieb im Vergleich mit anderen Reichweiten überdurchschnittlich reichweitenstark. Neben dem größeren Akku scheint daran auch eine gute Effizienz des Ride 60 Anteil zu haben, wie unser aufwendiger Reichweitentest zeigt. Die Erkenntnisse zur Reichweite diverser Light-Motoren gibt’s hier im Link. Einen Test mit dem neuen 480er-Akku liefern wir nach, sobald wir die Gelegenheit dazu bekommen.
Mit fünf Größen und Reach-Werten von 437 bis 517 Millimetern liefert das YT Decoy SN überdurchschnittlich viel Auswahl, damit nahezu jeder Fahrer eine passende Rahmengröße finden sollte. Nur sehr kleine Pilot/innen könnten mit der Länge des S-Bikes fast schon etwas zu üppig bedacht sein. Die Kettenstreben fallen nicht ultimativ kurz aus. Und der Sitzwinkel wird, zumindest bei längerem Stützenausflug, flacher, als er auf dem Papier mit 78,5 Grad angegeben ist. Wir haben die Sitzposition eher als ausgewogen, denn betont progressiv empfunden.
Wir konnten das neue YT Decoy SN bereits auf abwechslungsreichen Trails im Mittelgebirge testen. Von flowig bis anspruchsvoll an verschiedenen Trail-Spots. Auf flachen Trails zieht das Decoy SN 29 richtig spritzig vorwärts. Aus der Kurve herausbeschleunigen, über Wellen Pushen, Schwung mitnehmen – das geht alles richtig gut und der Fahrspaß ist auch auf gemäßigten Trails voll da. Ein Schlüssel dazu sind die richtig leichten Carbon-Laufräder am Topmodell. Doch auch das Fahrwerk trägt viel zum aktiven Charakter bei.
Die Heckfederung trifft einen extrem guten Kompromiss aus sensiblem Schluckvermögen und sportlichem Gegenhalt. Hier hat man nie das Gefühl, im Hub zu versacken. Man bleibt immer auf dem Laufenden, was unter einem gerade passiert und kann dadurch das Gelände ideal nutzen und das Bike aktiv und direkt dirigieren. Spontan die Linie wechseln, das Bike zum Sprung abziehen und aktiv Schwung generieren, das hat das Bike drauf. So bleibt das Bike auch auf gemäßigten Trails ein richtiges Spaßgerät. Das Decoy SN 29 kann die Vorzüge eines Light-E-MTBs voll ausspielen, auch wenn es kein Rekordgewicht in dieser Kategorie erreicht.
Trotz des definierten Fahrwerks ist das Fahrgefühl nie harsch oder unkomfortabel und die Traktion ist richtig gut. Dieses Rad ist ein präzises Sportgerät, das auch im fiesen Gelände massig Reserven bietet. Selbst ruppige Enduro-Tracks sind im Vollgas-Modus drin. Durch den langen Reach gibt’s viel Bewegungsspielraum über dem Bike. Und durch das richtig tiefe Tretlager steht man perfekt integriert hinter dem Cockpit. So gibt das Decoy echt viel Sicherheit.
Für richtig harte Einsätze ist allerdings Voraussetzung, dass man das sportliche Feedback des Bikes handeln kann. Ein plüschig-komfortables Flubber-Enduro, das alle Hindernisse nur so aufsaugt, ist das YT Decoy SN 29 definitiv nicht. Der dickere Enduro-Bruder, das Decoy SN mit MX-Laufrädern und mehr Federweg, ist auf ruppigen Kursen noch etwas fehlerverzeihender und gutmütiger, aber dafür auch schwerer und etwas träger.
Wie schaut`s mit der Geräuschkulisse aus? Grundsätzlich ist das Bike bergab echt leise. Wir hatten im Test allerdings ab und an ein leichtes Rasseln der Züge im Rahmen. Schade und etwas unnötig, sagen wir. Denn in aller Regel lässt sich das mit einem Satz Schaumstoffhüllen um den Zügen recht simpel lösen. Und dann hat das Decoy SN das Zeug zum absolut leisen E-Bike – das gibt´s bei E-MTBs noch immer eher selten.
Im Uphill bringt das Decoy SN 29 die Kraft des Fazua Ride 60 ziemlich gut auf den Boden. In schwierigeren Anstiegen schlägt es sich für ein Light-Bike richtig gut. Mit einem steigenden Vorderrad hat man kaum zu kämpfen, wenn man halbwegs aktiv auf dem Bike sitzt. Und die Traktion am Hinterrad ist richtig stark.
Die Sitzposition auf dem Bike ist sehr ausgewogen. Man sitzt nicht ganz so vorderradorientiert und kompakt wie auf betont modernen Enduros. Und auch durch die moderate Front-Höhe ist die Position leicht sportlich angehaucht. Das passt zum Charakter des Bikes und macht das Decoy auch für lange schnelle Ausfahrten fit.
Ihr sucht ein Light-Bike für unterschiedliche Trails, das sich spaßig und sicher zugleich fährt? Und obendrein für Light-Verhältnisse viel Power und Reichweite liefert? Dann solltet ihr Euch das neue YT Decoy SN 29 auf die Liste schreiben! Denn das neue Light-Bike von YT schafft einen erstaunlichen Spagat aus spritzigem Handling, Fahrspaß und Nehmerqualitäten. Das Fahrwerk arbeitet exzellent und obendrein sind hier schon die neuen Fazua-Komponenten mit an Bord! Heißt: noch mehr Reichweite und eine bessere Bedienung. - Florentin Vesenbeckh, stv. Chefredakteur BIKE Magazin
Das Verhältnis aus Preis und Leistung stimmt in der Regel beim Direktversender YT Industries. Das ist definitiv auch bei den drei Modellen des Decoy SN 29 der Fall. Doch ein wirklich günstiges Einstiegsmodell sucht man vergeblich. Los geht’ s erst bei 6499 Euro. Die weiteren Modelle kosten 7499 und 8999 Euro.
Das Einstiegsmodell des Decoy SN 29 spielt noch nicht in der untersten Preiskategorie. Dafür ist auch hier schon der Vollcarbonrahmen des Topmodells am Start. Das Fox-Fahrwerk stammt aus der günstigeren Performance-Linie, ist funktional aber schon richtig gut dabei.
Das Core 3 ist das einzige Modell mit Rockshox-Fahrwerk im Line-Up. Für 7499 Euro gibt’ s eine Lyrik Ultimate und auch der Superdeluxe-Dämpfer stammt aus der Ultimate-Reihe. Auch die Schaltung stammt aus dem Sram-Universum. Mit der S1000 Transmission kommt allerdings die günstigste elektronische Funkschaltung zum Einsatz. Gebremst wird mit Hayes Dominion A4.
Das Topmodell Core 4, das wir auch im Test hatten, kommt mit Vollausstattung, bei der YT Industries explizit nochmal an der Gewichtsschraube gedreht hat. Insbesondere die superleichten DT-Laufräder mit Carbonfelgen bringen auf dem Trail spürbare Effekte in der Beschleunigung und Spritzigkeit. Das Fahrwerk stammt aus Fox’ hochwertigster Factory-Reihe. Geschalten wird kabellos über Funk mit der Sram X0 Eagle Transmission und die Bremsen stammen von Hayes. Dazu kommen Carbon-Kurbeln und ein Carbon-Lenker von Raceface. Zum absoluten Highend-Paket fehlen da nur noch eine elektronische Sattelstütze und ein elektronisches Fahrwerk.

Redakteur CvD