Leicht-Enduro Last TarvoJochen Forstmann: “Wir rudern nicht zurück – wir gehen noch weiter”

Laurin Lehner

 · 07.06.2026

Leicht-Enduro Last Tarvo: Jochen Forstmann: “Wir rudern nicht zurück – wir gehen noch weiter”Foto: Max Fuchs
Leicht-Enduro Last Tarvo: 13,47 Kilo ohne Pedale sagt die BIKE-Waage.
Was ist am neuen Tarvo im Vergleich zu seinem Vorgänger aus 2020 konkret neu? Neu ist das Carbon-Layup. Die Federweg und Geometrie sind gleichgeblieben. Wir haben das erste Tarvo vor etwa sechs Jahren gelauncht, mit Fertigung in der Carbon-Manufaktur von All Ahead bei Würzburg. Über die Jahre hat sich technologisch einiges getan – ebenso in der Auslegung und dem Testing. Wir haben die Chance genutzt, den Rahmen nochmal zu optimieren. Der Rahmen ist 150 Gramm leichter geworden, hat weiterhin alle Freigaben incl. Rennen, das Staufach und zusätzlich einen Tool Mount.

Jochen Forstmann baut bei Last seit Jahren extrem leichte Enduro-Bikes. Mit dem neuen Tarvo wird der Rahmen nochmal leichter – trotz Kategorie-5-Freigabe – dem höchsten Belastung-Standard.

Das Dortmunder Label Last hat sich Leichtbau auf die Fahnen geschrieben – so wie einst Liteville. Ob Downcountry, Trailbike, All-Mountain oder Enduro – Konstrukteur Jochen Forstmann achtet bei all seinen Modellen auf das Gewicht, denn er ist der Meinung: Ein leichtes Bike ist ein gutes Bike.

Das Last Tarvo gilt als das leichteste Serien-Enduro – bei der Neuauflage sparte Forstmann beim Rahmen erneut am Gewicht.

Last setzt auf Individualität: Im hauseigenen Konfigurator baust du dir dein Bike nach Wunsch zusammen. Auch bei der Größenwahl geht Last einen eigenen Weg – statt S, M und L richtet sich die Rahmengröße direkt nach deiner Körpergröße.

Interview Jochen Forstmann

Vorher gab es zwei Layups.
Genau, das Superduty war Kategorie 5 und hatte ein Staufach, sozusagen das OG Layup. Dann haben wir später auf derselben Rahmenplatform Bikes mit weniger Federweg und der Option ohne Staufach gebaut, dafür war das Featherweight-Layup wählbar.

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Welches Modell läuft bei euch am besten?
Bei den Carbonrahmen das Tarvo und das Cinto – also Enduro und Allmountain. Coal und Glen sind die beliebtesten Alu-Pendants dazu.

Leichte Bikes gelten grundsätzlich nicht als nicht haltbar. Irgendwo muss gespart werden, zum Beispiel bei den Lagern.
Wir verwenden Enduro Bearings Edelstahllager, in einer sehr guten schon bei unseren Alubikes bewährten Größe. Die Zuverlässigkeit stand bei der Auslegung im Fokus. Viele in der Industrie haben vermutlich gedacht, wir würden nach zwei, drei Jahren zurückrudern müssen mit unserem Light-Enduro Tarvo. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Nach sechs Jahren wird es noch leichter. Das damalige Rad war schon safe, das neue ist auch safe.

Ihr habt kein Enduro-Team, mit dem ihr all das beweisen könntet.
Stimmt. Jörg Heydt mein Compagnon fährt noch aktiv Rennen und ich war früher selbst viel auf Rennen anzutreffen. Ein Team, dass vorne mitfahren könnte ist für uns als kleine Manufaktur nicht bezahlbar.

Viele Konstrukteure bauen ihre Bikes für ihr Racing-Team, du für deine Kunden?
Wir haben viele Kunden, die wollen ein Rad für zuhause, für Finale, für Alpentrips – und vielleicht müssen sie's mal hochtragen. Da ergibt ein leichtes Rad einfach Sinn, das wird uns oft bestätigt. Wir bauen die Bikes so, dass sie uns und den Kunden möglichst viel Fahrspaß bringen. Dabei treffen wir manchmal Entscheidungen die nicht Mainstream oder Trend sind, zum Beispiel eher kurze aber mitwachsende Kettenstreben oder einige Millimeter mehr Tretlagerhöhe, um auf alpinen Wegen nicht ständig mit den Pedalen aufzusetzen.

Wer kauft so ein Rad, das im Konfigurator oft über 7000 Euro kostet?
Kaum Einsteiger. Viele Leute, die ihr drittes, viertes Rad kaufen und genaue Vorstellungen haben was sie suchen. Dazu kommen Stammkunden, die ihr zweites oder drittes Last kaufen. Etwa die Hälfte kauft Komplettbikes, die andere Hälfte nur den Rahmen.

Das Tarvo ist als MX und Full-29 erhältlich. Kann man das selber umrüsten?
Ja, kannst du. Du brauchst nur einen anderen Rocker (Preis: 399 € incl. allen 6 Edelstahllagern), und dann hast du hinten sogar noch ein paar Millimeter mehr Federweg. Du kannst aber auch auf unsere anderen Modelle Cinto (AM), Asco (Trail) und Celos (DC) umrüsten.

Im Test ist aufgefallen, dass das Rad im offenen Modus deutlich wippt.
Mich stört die Bewegung nicht, so dass ich stets offen fahre – auch bergauf. Es ist ein schmaler Grad ein Bike so straff zu machen, dass es sich kaum bewegt aber aktiv und sensibel bleibt. Die neuen Dämpfer für 2026 bringen da nochmals eine Verbesserung. Bei einem Enduro steht für mich im Vordergrund, wie gut das Bike bergab geht. Unser Kollege Paul hat im Januar an einem Tag in Finale über 6000 Höhenmeter selbst hochgetreten.

Warum gibt's keine Drei-Stufen-Plattform mehr bei Dämpfern im Enduro-Segment?
Gute Frage. Vielleicht weil ein einfacher Switch in der Dämpfung nicht ausreicht. Bionicon, Scott und Canyon haben ihre Experimente mit variablen Systemen gemacht – ohne dass ich einen durchschlagenden Erfolg sehe. Vermutlich liegt es daran, dass ein Enduro mit seriösen Reifen und Laufrädern kein Trailflitzer wird auch wenn die Federung anpassbar wäre.

Wie siehst du die Trail-Bike-Kategorie? Glaubt man Szene-Kennern, stirbt die Kategorie.
Wenn Du das US-Kanadisch geprägte Trailbike meinst, was bei uns ein All Mountain wäre, dann geht viel an die E-Fraktion verloren. Für das Trailbike im europäischen Sinne, mit ca. 130 mm Federweg und CC Bikes bin ich optimistisch. Die Leichtigkeit und Responsiveness ist für viele Biker die keinen Antrieb wollen sehr attraktiv. Unser Asco ist in dem Bereich positioniert, auch wenn das nicht unser Kernmarkt ist.

Ihr könntet das Asco doch noch leichter machen, wenn ihr's nicht auf Kategorie 5 auslegt?
Richtig, aber mit 1950 Gramm sind wir schon sehr weit vorne dabei – ohne den Einsatzbereich einzuschränken oder die Features auszudünnen. Ab einem gewissen Punkt in der Auslegung eines Carbonrahmens ist nicht mehr die Festigkeit, sondern die Steifigkeit der begrenzende Faktor für Leichtbau. Das könnte man konstruktiv durch größere Durchmesser lösen, aber dann wären die Wandstärken sehr klein und der Rahmen empfindlich. Da wir das nicht wollen und die Kunden die Umbaubarkeit in die anderen Modelle schätzen bleiben wir bei den 1950 Gramm.

Last-Konstrukteur Jochen Forstmann: “Viele in der Industrie haben vermutlich gedacht, wir würden nach zwei, drei Jahren zurückrudern mit unserem Light-Enduro Tarvo – wegen Garantiefällen oder Rahmenbrüchen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall”.Foto: LastLast-Konstrukteur Jochen Forstmann: “Viele in der Industrie haben vermutlich gedacht, wir würden nach zwei, drei Jahren zurückrudern mit unserem Light-Enduro Tarvo – wegen Garantiefällen oder Rahmenbrüchen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall”.

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Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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