Das Last Asco rollt mit großen Versprechungen in unser Redaktionsbüro. Trotz moderner Geometrie und einem fähigen Fahrwerk will das motorlose Mountainbike an traditionelle Werte anknüpfen. Lange Zeit galt ein leichtes Gewicht bei Trailbikes als Kernkompetenz. Im Bike-Testsystem konnten nur die Modelle punkten, welche an der Waage nicht über die Stränge schlugen.
Zwischenzeitlich schien die Tugend eines leichten Trailbike-Gewichts jedoch in Vergessenheit geraten zu sein. Massive Konstruktionen, High-Pivot und Enduro-Ambitionen liegen nach wie vor im Trend. Last verzichtet an seinem Trailbike Asco auf verschachtelte Designs und dicke Parts. Stattdessen gibt’s gerade Linien, einen in Deutschland gefertigten Carbonrahmen und ein leichtes Ausstattungspaket.
Wir wollten wissen, ob es im harten Gelände trotzdem auf Dauer überzeugen kann und jagten das Last Asco ein Jahr lang über heftige Trails und sogar eine World-Cup-Downhill-Strecke. Hier unser Abschlussbericht.
Zum Startzeitpunkt des Dauertests im April 2025 war trug unser Testbike die günstigste vorkonfigurierte Ausstattung und kostete 6499 Euro. Im Laufe des Testzeitraums fungierte das Bike als Teileträger für die neue Shimano XTR Gruppe inklusive Di2-Funkschaltung, Vierkolben-Bremsen und Kurbel sowie Carbon-Laufradsatz aus dem XTR-Enduro-Segment. Außerdem erhielt es neue Continental-Reifen, eine längere Funk-Sattelstütze sowie ein etwas schmaleres und kürzeres Cockpit, um besser zu den ergonomischen Bedürfnissen unseres Testfahrers zu passen. Die folgende Teileliste zeigt die Anpassungen in Klammern:
Einen Großteil seines Dauertest-Einsatzes verbrachte das Last Asco im bayerischen Voralpenland. Bei Feierabendrunden, langen Wochenendtouren im alpinen Gelände und auch am Rande wiederholter Familienbesuche an den sanften Hügeln des Odenwaldes überzeugte das Trailbike mit komfortablen und ausdauernden Fahreigenschaften. Im Tritt wippt der Hinterbau deutlich mit, lässt sich via Plattformhebel aber effektiv beruhigen und generiert im offenen Modus viel Traktion für Gelände-Rampen.
Das leichte Gewicht des Last Asco beflügelt die Langstrecken-Kompetenz und auch Touren mit über 2000 Höhenmetern stellen das Last nicht vor Herausforderungen. Im Featherlight-Layup muss der rahmen auf ein Staufach im Unterrohr verzichten und kommt stattdessen mit Tool-Mount unterm Oberrohr. Je nach Fahrergewicht kann die Limitierung auf maximal 110 Kilo Systemgewicht das Tragen eines schweren Mehrtagesrucksackes ausschließen. Biker, die eine Transalp in Angriff nehmen wollen, sollten deshalb lieber das Superduty-Layup wählen.
Im Dauertest musste sich das Last Asco auch als Begleitung bei mehrtägigen Camping-Urlauben beweisen. Die Roadtrips führten es unter anderem auf die steilen Trails rund um den Bikepark Geißkopf im Bayerischen Wald und und die vielfältigen Pfade im Pfälzer Wald. Hier zeigte sich, dass im kurzen Hub des Last Trailbikes ein performantes Fahrwerk steckt. Sicher und komfortabel saugen die hochwertigen Federelemente Unebenheiten auf und sorgen dafür, dass das Asco sicher auf der Piste liegt. Großzügig gibt die Kinematik den Federweg frei, kommt dank stimmiger Endprogression aber auch mit großen Schlägen klar.
Das Handling ist gleichzeitig souverän und agil. Ein langer Reach-Wert sorgt für einen guten Stand im Bike und eine - gemessen am geringen Gewicht - kompetente Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten. Zugegeben: Es gibt noch sattere, fahrstabilere Trailbikes am Markt, diese tragen aber gut und gerne zwei Kilo mehr auf den Rippen. Ein kurzes Heck mit 438 Millimetern Kettenstrebenlänge macht Manuals zum Kinderspiel und trägt gemeinsam mit dem geringen Gewicht zu einem hohen Spieltrieb bei.
Im Bikeländ Eberbach musste das 12,4 Kilo leichte Last Asco beweisen, dass mehr in ihm steckt, als das filigrane Gewicht vermuten lässt. Gleich mehrmals absolvierte es dort die große Runde mit zwölf ausgesetzten Enduro-Trails und je circa 2000 Tiefenmetern. Und siehe da: Das Trailbike von Last kann sowohl Tour als auch Downhill. Mit den starken Shimano XTR Bremsen und einem griffigen Vorderreifen schreckt das Asco vor keiner Abfahrt zurück. Zwar mag es in heftigem Gelände nicht den Speed eines ausgewachsenen Enduro-Spezialisten erreichen, Geometrie und Fahrwerk besitzen jedoch ausreichend Reserven, um den Piloten jede noch so schwierige Abfahrt hinunterzubringen.
Diese Fähigkeit untermauerte auch der Besuch des BIKE-Festivals in Leogang, wo sich unser Testfahrer an Bord des Trailbikes mit 140, beziehungswiese 130 Millimetern Federweg, die World-Cup-Downhill-Strecke hinunterstürzte. Große Absätze, Drops und Steinfelder? Kein echtes Problem fürs Last Asco. Natürlich ist dem Bike der knappe Hub im Vergleich zu den echten Bikepark-Ballerbuden deutlich anzumerken, doch das gutmütige Handling und das verhältnismäßig kontrolliert-satte Fahrwerk animieren dazu auch richtig harte Downhills anzugehen. In fähigen Händen und im cleveren Aufbau sind dem Trailbike von Last kaum Grenzen gesetzt.
Erfreulicherweise musste sich das Last Asco im gesamten Dauertest nur mit einem einzigen echten Defekt herumärgern. Dieser betraf die serienmäßig verbauten Formula Cura 4 Bremsen, welche aufgrund einer defekten Dichtung bereits zum Start des Tests Probleme bereiteten. Auch in unserem jüngsten Bremsen-Vergleichstest konnten die italienischen Stopper nicht überzeugen. Ab Werk hatte Last einen mechanischen Sram GX Antrieb ohne Transmission-Standard verbaut. Das spart zwar Kosten und Gewicht, entspricht aber nicht mehr dem aktuellen Stand der Schalttechnik und ist bei Gangwechseln unter Last weniger präzise. Der Wechsel auf den teuren Shimano XTR di2 Antrieb löste das Defizit, brachte aber einen überraschend frühen Verschleiß mit sich. Nach nur 2000 Kilometern zeigen sich deutliche Abnutzungserscheinungen an der Kassette sowie eine bedeutende Längung der Kette. Während die Bremsbeläge nach dieser Fahrleistung noch genügend Fleisch besitzen, sind die Bremsscheiben untypisch hart belastet worden und bereits bis auf die Verschleißgrenze hinuntergebremst.
Trotz dünnwandigen Hinterreifen, hatte das Last im gesamten Dauertest keinen Platten zu beklagen. Spielfrei und ohne Achter drehen die Laufräder nach wie vor ihre Runden. Die angepasste Ausstattung zeigte sich insgesamt performant und zuverlässig. Auch für das Asco selbst gibt es ausschließlich gute Nachrichten aus dem Abschlussbericht des BIKE-Testlabors. Die Rahmenlager laufen noch geschmeidig und spielfrei. Der unlackierte Carbonrahmen ist trotz leichtem Gewicht und härtester Beanspruchung definitiv vorbereitet für viele weitere Trailkilometer.
Ich bin etwas traurig, dass mich das Last Asco wieder verlässt. Viele Kollegen waren neidisch auf das schicke Trailbike aus Deutschland - und das zu Recht! Das leichte Gewicht, das feinfühlige aber kontrollierte Fahrwerk und die progressiv-moderne Geometrie bescheren dem Bike Fahrspaß und Souveränität in jedem Gelände von zahm bis wild. Abgemischt mit starken Touren-Kompetenzen und einer High-End-Ausstattung ist das Last Asco ein Trailbike-Musterschüler. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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