Florentin Vesenbeckh
· 04.09.2026
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Vom üppigen Federweg und der krassen Geometrie darf man sich nicht täuschen lassen. Das iLynx+ DL ist eher fahrstarker Allrounder als extremer E-Freerider. Das moderate Gewicht und die schlanke Optik könnten in einem zahmeren Setup noch mehr überzeugen, denn im harten Geläuf schränkt das Fahrwerk etwas ein. Bergauf ist das Bike eine Bank. Vorsicht bei der Größenwahl: fällt sehr lang aus. - Florentin Vesenbeckh, BIKE-Redakteur
| Preis | 7.999,00 € |
| Federweg | 180 mm |
| Laufradgröße | 29" |
| Gewicht | 22.6 kg |
| Motor | Avinox M2S |
| Akku | Avinox FS 800 |
| Gabel | Fox 38 Float Factory |
| Dämpfer | Fox Float X Factory |
| Schaltung | Shimano XT Di2 |
| Bremse vorne | Shimano XT BR-M 8220 |
Optisch erinnert das neue Bike der Spanier stark an seine Vorgänger mit Shimano-Motor: schlank, zahm, unaufgeregt. Doch die Eckdaten des neuen BH iLynx+ DL Enduro entlarven den Wolf im Schafspelz. 180 Millimeter Federweg an der Gabel, dazu 29-Zoll-Laufräder und eine durchaus progressive Geometrie. Da steckt richtig Enduro drin. Zumindest auf dem Papier. Ob das Bike im harten Gelände halten kann, was die Zahlen versprechen, haben wir in diesem Test herausgefunden.
Beim Antrieb reiht sich das iLynx+ DL erst einmal in die gewohnte Riege vieler Avinox-Bikes ein. Superstarker Avinox M2S-Motor (hier im Test), dazu der große 800er-Akku fest im Unterrohr verbaut. Das ermöglicht eine schlanke Optik und in Verbindung mit dem Vollcarbonrahmen ein geringes Gewicht. 22,6 Kilo sind es bei unserem Testbike, was für ein 180er-E-Enduro eine Ansage ist. Klar, bei einem Preis von 8000 Euro sind wir hier lange nicht mehr in der Einstiegsklasse unterwegs. Doch echte Leichtbau-Parts sucht man am iLynx+ vergeblich. Die Ausstattung ist durch die Bank solide – weder übermäßig hochwertig noch ultimativ robust ausgelegt.
Die Alu-Laufräder aus der Mittelklasse drücken sogar etwas auf die Waage. Carbon-Parts gibt es auch bei Lenker oder Kurbeln nicht. An der Front prangt die Highend-Forke Fox 38 Factory, allerdings mit der etwas abgespeckten GripX-Dämpfung. Im Heck kommt lediglich der kompaktere Float X zum Einsatz statt eines ausgewachsenen Enduro-Dämpfers wie dem Float X2. Auch bei den Reifen setzt BH auf eine solide, aber nicht kompromisslos auf Gravity getrimmte Lösung. Hinten rollt das Bike auf einer DoubleDown-Karkasse, vorne kommt die leichtere EXO+Variante zum Einsatz. Für ein derart hubstarkes E-Enduro dürfte es sogar noch etwas mehr Pannenschutz sein.
Für den gemäßigten Touren- und Trail-Einsatz hat BH übrigens eine Trail-Variante des iLynx+ DL parat. Auch wenn der kleine Bruder optisch stark dem Enduro ähnelt, setzt er auf einen eigenen Rahmen. Ebenfalls Vollcarbon, aber nur mit 140 Millimetern Hub im Hinterbau. Mit Alu-Rahmen geht es bei 3899 Euro los, eine wirklich trailtaugliche Ausstattung gibt’s allerdings erst ab 5499 Euro, ein leichtes Paket mit Carbon-Chassis ab 5999 Euro.
Und auch bei der Enduro-Variante sind nicht alle Modelle so stark auf Downhill getrimmt wie unser Testbike. Das 9.0 kommt mit etwas weniger Federweg und damit auch etwas zahmerer Geometrie. Zwei Punkte, die dem Charakter des Bikes ziemlich gut stehen könnten. Doch dazu später mehr.
Achtung, jetzt wird’s wild! Nicht nur der Federweg unseres Testbikes schreit nach Downhill, auch die Geometrie ist voll auf Laufruhe gepolt. Einen 1310er-Radstand haben wir in unserem Testlabor schon lange nicht mehr an einem E-MTB in Größe L gemessen. Ein langer Reach (486 mm), eher lange Kettenstreben mit 451 mm und ein sehr flacher Lenkwinkel von 63,1 Grad summieren sich zu diesem Rekordmaß. Das Bike fällt also richtig groß aus, was bei der Größenwahl unbedingt beachtet werden sollte.
Durch einen sehr steilen Sitzwinkel nimmt man zwar weit vorne, aber eher gestreckt als gedrungen auf dem iLynx+ Platz. Das ist ausgewogen und angenehm. In steilen Anstiegen behält man damit spielerisch die Kontrolle, auch wenn der Motor ungestüm anschiebt. Das lange Rad will jedoch vorausschauend bewegt werden, denn in engen Kehren verlangt es eine präzise Linienwahl und etwas Nachdruck. Der Hinterbau steht eher hoch im Hub. Die Traktion ist ordentlich, aber gemessen am Federweg arbeitet das Heck eher dezent und nicht ultimativ komfortabel. In rutschigem Geläuf könnte die Traktion besser sein.
Dieser Charakter zeigt sich auch bergab. Beim gemütlichen Cruisen hat man nicht das Gefühl, mit einem Federwegsmonster unterwegs zu sein. Auf kleine Unebenheiten könnte das Fahrwerk sensibler reagieren, dafür generiert es viel Gegenhalt. Der Vorteil: Auf zahmen Trails fährt sich das lange Bike nicht träge oder schwerfällig, sondern bleibt lebendig. Dabei hilft auch das moderate Gewicht. Ein agiler Spielkamerad ist das iLynx+ DL aber nicht. Aufs Hinterrad lässt es sich nur mit viel Körpereinsatz bewegen.
Die Wucht dieses Enduros nimmt man erst so richtig wahr, wenn es schnell und rau zur Sache geht. Dann spielt die krasse Geometrie ihre Stärken aus. Extrem spurtreu und sicher nimmt das iLynx+ DL schnelle Geraden, Steinfelder und Wurzelteppiche. Auch das Fahrwerk erwacht bei hohem Tempo mehr zum Leben. Andere Bikes dieser Federwegsklasse bieten allerdings noch mehr Schluckvermögen. Der Fahrer bekommt stets klares Feedback vom Untergrund. Die enormen Reserven der Geometrie kann man dadurch nicht zu 100 Prozent ausreizen.
Auch bei der Geräuschkulisse gibt es Kritik: Das Motor-Cover verwindet sich gegen den Rahmen und knarzt dabei nervig. Das Klappern aus dem Getriebe des M2S-Motors deutet auf eine Serienstreuung hin, denn andere baugleiche Motoren blieben im Test deutlich leiser.

Redakteur CvD
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