Jan Timmermann
· 14.09.2026
Es gibt Mountainbikes, die sind austauschbar: Massenware aus einer anonymen Produktion am anderen Ende der Welt. Und dann gibt es Bikes, die eine eigene Persönlichkeit besitzen, die von Rahmenbau-Enthusiasten mit viel Liebe ertüftelt werden und voll ins Herz von Individualisten trifft. Eben diese besonderen Mountainbikes werden alljährlich bei der Bespoked in Dresden gezeigt. BIKE stattete der Messe für Handmade-Bikes einen Besuch ab und zeigt einzigartige Fahrräder, die es so garantiert nicht an jeder Ecke zu sehen gibt. Den Anfang machen fünf Hingucker aus der Kategorie Mountainbike.
Fans einzigartiger Rahmenbaukunst kommen auf der Bespoked-Messe definitiv voll auf ihre Kosten. Die wilden Kreationen der Rahmenbauer zeigt auch: Mountainbikes ohne Motor sind noch lange nicht tot und es gibt in der Szene noch jede Menge Raum für Individualismus. So viele wilde, bunte und einzigartige Bikes bekommt man auf einem Haufen nur selten zu Gesicht. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Noch ein Prototyp und bereits den “Best-Of-Show-Award” von Jury-Mitglied und Rahmenbau-Urgestein Jürgen Schlender verliehen bekommen: Das innovative Enduro von Hage Bikes. Eigentlich wollte Marten von Hage nur ein kleines Teil erproben, nämlich einen speziellen Riemenspanner für Fullys mit Pinion-Getriebe. Dazu ließ er sich Teile vom Fräß-Experten Actofive bauen und verschweißte sie zu einem Rahmen. Weil das Projekt aber so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist offen ob daraus mehr wird als ein Teileträger. Der Riemenspanner wurde in den Hinterbau integriert, anstatt ihn - wie üblich - unter das Getriebe zu setzen. So bleibt nicht nur mehr Bodenfreiheit, die Rolle sichert auch den Antriebsstrang und kommt trotzdem nicht in Konflikt mit den Kettenstreben. So bleibt laut Hage mehr konstruktiver Freiraum, um bessere Kinematiken für viel Federweg zu entwerfen.
Das Terra Nera wird zu einhundert Prozent in Italien entwickelt, gebaut und getestet. Der Rahmen entsteht aus Stahlrohren aus Deutschland, die normalerweise für Überrollkäfige in Rennautos verwendet werden. Sie verzichten auf eine Konifizierung, um dem Downhill-Bike die volle Ladungs Stabilität zu verpassen. Auch das Nera wird über ein Pinion-Getriebe und einen Gates-Riemen angetrieben. Terra passte das bewährte I-Track-Hinterbausystem so an, dass die Kinematik auch mit kleinen Zahnscheiben funktioniert. Der Hauptdrehpunkt liegt extrahoch und generiert wahlweise 200 oder 2010 Millimeter Federweg. Über verschiedene Dämpferaufhängungen kann die Progression individualisiert werden. Ohne Getriebe kostet der Rahmen 3800 Euro. Dafür können Kunden Reach- und Stack-Werte sowie den Lenkwinkel selbst bestimmen. Komplettbikes liegen um 20 Kilo.
Vor rund 20 Jahren präsentierte Denis Uzelac im BIKE Magazin ein Leserbike. Damals fuhr er auf seinen selbstgebauten Stahlrahmen noch Downhill-Rennen. Heute bietet der Schweizer seine Dienste in individuellen Rahmenbaukursen an und schweißt noch regelmäßig wilde Bikes für sich selbst. So auch dieser Prototyp mit 140 bis 180 Millimetern variablem Federweg im Heck. Nichts am namenlosen Prototypen wurde am Computer gemacht. Denis zeichnet seine Rahmen nach wie vor analog auf Papier. Für sein neues Fully baute er sogar die technisch schwierigen Ausfallenden selbst aus einem alten Gabelschaft. Die eckige Hinterbau-Konstruktion soll für eine hohe Steifigkeit sorgen, während 419 Millimeter kurze Kettenstreben ein spielerisches Handling versprechen. Das Showbike bringt es auf 15,2 Kilo.
Stahlrahmen-Spezialist Veloheld präsentierte auf der Eurobike eine Neuauflage seines Hardtail-Modells Iron. Geschweißt wird der rund 2,4 Kilo schwere Rahmen von Hand in Leipzig. Ordern können ihn Kunden ab sofort mit Starrgabel (Carbon oder Stahl) oder Federgabel (100 bis 120 Millimeter Hub). Für das Update gab es kleine Detailanpassungen sowie eine frische Geometrie mit flacherem Lenkwinkel und etwas kürzerem Reach. Der Aufbau mit gefederter Gabel bringt es auf circa 12,8 Kilo. Fürs Rahmenset werden faire 1199 Euro aufgerufen, Komplettbike startet bei 2999 Euro. Auf Wunsch werden auch schicke Custom-Lackierungen realisiert. Wer ein besonders wartungsarmes Stahl-Hardtail sucht, kann das neue Veloheld Iron auch mit Pinion-Getriebe ordern.
Über das Zoceli Rutina berichteten wir bereits in der Vergangenheit. Live und in Farbe ist das Downcountry-Fully aus Tschechien aber ein echtes Highlight. Dieses spezielle Bike baute Zoceli-Mastermind Martin Saida für seine Frau. Die wiederum tobte sich bei der Lackierung so richtig aus. Das Rutina vereint einen Stahlrahmen mit kurzem Federweg aus einem Flex-Pivot-Hinterbau. Das Heck generiert wahlweise 110 oder 115 Millimeter Hub. Ohne Dämpfer wiegt der Rahmen rund 3,1 Kilo und soll 2500 Euro kosten. Markenzeichen ist das auffällige Gusset am Steuerrohr. Der Lenkwinkel steht mit 65 Grad progressiv flach. Early-Adopter können das handgebaute Rutina auch schon in einer speziellen 32-Zoll-Version bestellen.
Die Bespoked ist unglaublich! Ich habe in zwei Tagen rund 1000 Bilder geknipst und zahllose spannende Gespräche geführt. Schon nach dem ersten Tag hatte ich Muskelkater in den Beinen, weil ich zum Fotografieren so oft in die Knie gegangen bin. In den nächsten Wochen werden wir bei BIKE alle Funde von der Messe für handgemachte Fahrradrahmen hier auf der Homepage präsentieren. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Wie seht ihr das: Was ist euer persönliches MTB-Highlight der Bespoked-Messe? Schreibt es uns in die Kommentare!

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