Bevor es losgeht, kurzes Express-Demo-Wissen: Das Specialized Demo zählt zu den bekanntesten Downhill-Bikes und ist bereits seit den frühen 2000er Jahren (etwa 2003/2004) auf dem Markt. Über mehr als zwei Jahrzehnte hat es sich von einem wuchtigen Freeride-Bike zu einer kompromisslosen World-Cup-Rennmaschine weiterentwickelt. Ein wichtiger Meilenstein folgte 2015 mit der Einführung der ersten Carbon-Version. Das Ding gewann Worldcups (etliche), Weltmeisterschaften (z.B. 2010, Sam Hill) und Rampage-Events (Kyle Strait, 2004) und die Herzen von vielen Hobby-Racern. Markant: Die Wohlfühl-Geo, kurze Kettenstreben und der gelungene Spagat zwischen Park-Einsatz und Downhill-Strecke.
Die US-Amerikaner entwickelte das Demo 11 über drei Jahre mit mehreren Weltcup-Prototypen. Das Downhill-Bike nutzt zwei separate Systeme: das HighGear-Getriebe und die OBB-Hinterradschwinge. Beide Technologien sollen die Federungsperformance verbessern und Pedalkräfte von der Hinterradschwinge fernhalten.
Das BigBike besitzt 200 Millimeter Hub in Front und Heck. Das Topmodell S-Works kostet ganze 12.499 Euro und bringt üppige 18,3 Kilo (Rahmengröße S4) auf die Waage. Günstigere Modelle werden vermutlich folgen.
Das HighGear-System ist ein patentiertes Getriebe, das die Bodenfreiheit um 30 mm erhöht. Ein kompaktes Kettenblatt am Kurbelspindel treibt eine Vorgelegewelle an. Der finale Antriebsring sitzt an der Vorgelegewelle und treibt das Hinterrad. Die Position des Antriebsrings hält die Kettenlänge oberhalb der Kettenstrebe konstant. Kettenkräfte bleiben unabhängig von der Hinterradfederung, Federungskräfte unabhängig von Pedalkräften.
Durch den reduzierten Durchmesser des Antriebsrings und die höhere Position im Rahmen steigt die Bodenfreiheit um 30 mm gegenüber dem vorherigen Demo-Modell. Ein Schutzgehäuse schirmt das System vor Schlägen ab und macht Kettenblattschäden unwahrscheinlich. Die Kettenblattgröße lässt sich für verschiedene Strecken anpassen.
Die präzise Positionierung des Antriebsrings entkoppelt Kettenkräfte von der Federung. Die Federung arbeitet unabhängig über den gesamten Federweg. Die rückwärtige Radachsenbahn wird ohne Pedal-Kickback optimiert. Kantige Schläge werden sauber absorbiert, der Schwung bleibt erhalten. Specialized entwickelte das System mit SRAM.
Die OBB-Hinterradschwinge (Over Bottom Bracket) ermöglicht unabhängige Abstimmung von Radachsenbahn, Übersetzungsverhältnis und Bremsverhalten. Diese Entkopplung erlaubt präzise Kontrolle der Schlagkraftverarbeitung bei voller Federungsaktivität, auch unter starkem Bremsen.
Eine ausgewogene Radachsenbahn soll Geschwindigkeit ohne Instabilität liefern. Rückwärtige Bewegung früh im Federweg reduziert Hängenbleiben und erhält den Schwung. Ein kontrollierter Vorwärtsübergang tiefer im Federweg bewahrt Radstandstabilität unter Last.
Die Kennlinie zeigt 24 Prozent Progression. Die Federung reagiert angeblich über den gesamten Federweg vorhersagbar. Das System absorbiert große Kompressionen und arbeitet bei Geschwindigkeit durch raue Abschnitte, sagt Specialized.
Der Dämpfer wird durch die Kettenstreben angetrieben und zieht zwischen Hauptlager und Hinterachse. Beim Ziehen einer Last bleibt diese natürlich in der Spur. Das Hinterrad bleibt in der Ebene ausgerichtet, das Bike bleibt ruhig und vorhersagbar durch den Federweg.
Bei steigenden Belastungen hält die Konstruktion deutlich bessere Ausrichtung in der Ebene als traditionelle Designs. Das Rad läuft dorthin, wo es soll. Weniger Korrekturen, weniger verschwendete Energie. Loïc Bruni beschreibt das Fahrverhalten: Je größer die Schläge, desto stabiler und ruhiger bleibt das Bike.
Die Geometrie wurde gegenüber dem Vorgänger angepasst. Der Lenkwinkel liegt nun bei 63 Grad, was mehr Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen soll. Der Reach wächst auf 465 mm in Größe L. Die Kettenstreben messen 445 mm. Der Rahmen besteht aus Carbon und nutzt ein Monocoque-Design. Das Unterrohr wurde verstärkt, um den Belastungen im Downhill-Einsatz standzuhalten.
Die Geometrie entstand direkt mit dem Specialized Gravity Team. Der Front-Center lässt sich um 6 mm pro Rahmengröße verstellen. Fahrer können Passform und Balance an Streckenbedingungen, Fahrstil und persönliche Vorlieben anpassen, ohne die grundlegende Stabilität zu beeinträchtigen.
Größenspezifische Rear-Center sorgen für ausgewogenes Handling über alle Rahmengrößen. Jeder Fahrer erhält das gleiche vorhersagbare Verhalten. Die Tretlagerhöhe lässt sich um 7 mm verstellen. Die Reach-Verstellung beträgt 6 mm pro Größe.
Die Kettenstreben messen demotypische kurze 435 mm bei S3, 445 mm bei S4 und 455 mm bei S5.
Das Demo 11 wird in mehreren Ausstattungsvarianten angeboten. Die Topversion Demo 11 Pro nutzt eine RockShox BoXXer Ultimate Gabel und einen RockShox Super Deluxe Ultimate Dämpfer. Die Bremsen stammen von SRAM mit Code RSC und 200 mm Scheiben vorne sowie 180 mm hinten. Der Antrieb basiert auf SRAM X01 DH mit 7-fach-Kassette. Die günstigere Demo 11 Comp-Version setzt auf RockShox BoXXer Select+ und SRAM GX DH Komponenten.
Das Demo 11 S-Works Komplettbike kostet horrende 12.499 Euro. Alleine für den Demo 11 S-Works Rahmen muss man 7499 Euro hinlegen. Die Preise von den günstigeren Modellen stehen noch nicht fest. Ob ein Alu-Modell folgen soll, wollte uns Specialized nicht verraten.

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