| Eigenschaft | Note |
|---|---|
| Fahrverhalten | 2,1 |
| Labor | 2,4 |
| Ausstattung | 1,1 |
| Endnote | 1,9 |
Die Gesamtbewertung des Bikes findest du hier
| Federweg | 120 mm |
| Gewicht | 11.6 kg |
| Gabel | Rock Shox SID Ultimate Flight Attendant |
| Dämpfer | Rock Shox SIDLuxe Ultimate Fligt Attendant |
| Schaltung | SRAM XX SL Eagle AXS Transmission |
| Bremse vorne | SRAM Motive Ultimate |
Santa Cruz bietet das neue Blur in zwei Varianten an. Eine kommt mit Riser-Lenker, mehr Dropper-Hub und Reifengrip, das andere in einer Cross-Country-Variante. Unser Testbike ist mit 12.499 Euro das teuerste im Lineup. Dafür gibt’s alles, was das Racer-Herz begehrt: Von einem elektronischen Flight-Attendant-Fahrwerk über ein hochwertiges Spider-Powermeter bis zu Reserve-Carbonfelgen sowie eine lebenslange Garantie auf Rahmen und Lager lässt das Santa Cruz Blur XX AXS Race FA RSV keine Wünsche offen. Die Kalifornier betreiben kein eigenes Cross-Country-World-Cup-Team mehr. Kann das edle Blur trotzdem mit den neusten und besten Race-Fullys der Welt mithalten? Das haben wir in einem ausführlichen Test herausgefunden.
Dürfte ich bis ans Ende meines Lebens nur noch ein Bike fahren, wäre es eines wie dieses. Das Santa Cruz Blur ist äußerst wertig, unkompliziert im Umgang, vielseitig und macht auch außerhalb des Flatterbands Spaß. Ich sehe es zum Beispiel im Marathon-Stage-Racing, wo diese Eigenschaften besonders gefragt sind. In einem Startblock mit den besten Cross-Country-Bikes muss es sich aber weiter hinten einreihen. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Schon im Redaktionskeller macht das Santa Cruz klar: Es ist anders als die anderen Cross-Country-Bikes. Das Blur leistet sich das Mehrgewicht und die konstruktive Komplexität eines ins Unterrohr eingelassenen Staufachs und Leitungsführung durch Öffnungen hinter dem Steuerrohr. Schrauber freuen sich außerdem über ein Tretlager mit BSA-Gewinde und ein zweiteiliges Cockpit. Großzügige Rahmenprotektoren schützen die Hardware. Bei unserer Bewertung der Servicefreundlichkeit zahlt sich das aus: Ein so pflegeleichtes Race-Fully wie das Santa Cruz hatten wir sehr lange nicht mehr zu Gast.
Für ein Racebike nimmt der Pilot auf dem Santa Cruz Blur in einer angenehm ausgewogenen Position Platz. Das Rad ist lang aber nicht extrem. Ohne große Mühe lässt sich dem Steigen des Vorderrades entgegenwirken. Hier sitzt es sich auch nach vielen Kilometern noch gut. Während andere XC-Spezialisten den Körper mit einer sportlich gestreckten Haltung auf Dauer anstrengen können, bleibt das Blur gemäßigt und bietet sich für die Langstrecke an. Der Stack baut flach, das zweiteilige, vergleichsweise kurz-breite Cockpit mit vielen Spacern lässt aber viel Raum zur Anpassung. Im offenen Modus nickt der Dämpfer unter Krafteinfluss stetig mit - eigentlich ein No-Go für ein Spitzenklasse-Racebike. Selbst im mittleren “Pedal”-Modus ist der Hinterbau nicht hundert Prozent wippfrei. Das Rockshox Flight Attendant System ist aber schnell zur Stelle und unterbindet das Wippen, sobald es wirklich zählt. Vom teuren Automatik-Fahrwerk profitiert das Blur außergewöhnlich stark.
In steilen, technischen Wurzel-Uphills glänzt das Santa Cruz mit Traktion. Auch hier fällt das Fahrwerk jedoch mit viel Bewegung im Dämpfer auf und verlangt nach dem Eingreifen der elektronischen Plattformdämpfungs-Steuerung. Nicht wegdiskutieren lässt sich außerdem das vergleichsweise propere Gewicht. Andere Cross-Country-Fullys dieser Preisklasse wiegen schon mal ein bis anderthalb Kilo weniger. Tatsächlich gelten im XC-Worldcup die spezifizierten Maxxis Rekon Race Reifen bereits als schwer. Gleiches gilt für die dicken 180er Bremsscheiben vorne und hinten. Auch der Laufradsatz selbst ist zwar äußerst hochwertig aufgebaut, trägt mit Speichen aus Stahl jedoch etwas zum Gewichtsnachteil bei. Insgesamt fehlt dem Blur im Sprintduell mit anderen Highend-Racebikes die Spritzigkeit. Das Santa Cruz will lieber lang und ausdauernd als kurz und explosiv.
Sobald der Kurs sich gen Tal neigt, spielt das Santa Cruz seine Stärken aus. Im Direktvergleich mit anderen Racebikes präsentiert sich der Charakter des Blur als auffällig komfortabel. Das Fahrwerk arbeitet satt und fühlt sich nach mehr als den nominellen 120 Millimetern Puffer an. Es steht etwas tiefer im Hub und arbeitet geschmeidig über den gesamten Federweg hinweg. Einmal richtig abgestimmt, flubbert der Hinterbau schluckfreudig durchs Gelände und schafft einen hervorragenden Komfort. So frisst das Fahrwerk Wurzelfelder zum Frühstück und beruhigt die Fahrt. Zusammen mit einer stabilen Fahrlage, einem recht üppigen Radstand, kräftigen Bremsen und Breitreifen ergibt sich ein hohes Sicherheitsgefühl. Nur wenige XC-Bikes animieren so stark dazu ins Wurzelfeld reinzuhalten.
Tatsächlich würde man mit dem Bike bergab eigentlich immer gerne noch schneller fahren als es der Reifengrip zulässt. Doch selbst in Grenzsituationen lässt das Blur seinen Fahrer nicht hängen. Wo spitze Racefeilen Fehler zickig bestrafen, bleibt das Santa Cruz cool und gelassen. Gerade in späten Rennphasen spart das Kraft. Kehrseite der Medaille: Das Handling des Santa Cruz ist nicht ganz so reaktiv wie das hochgezüchteter Rennwaffen mit progressiveren Kinematiken und nochmals drehfreudigeren Rädern. Fahrspaß ist da, Spieltrieb muss man sich erarbeiten. Geschwindigkeitserhalt und -ausbau braucht im sanften Gelände Nachdruck vom Fahrer.
Die Kalifornier priorisieren Fahrwerksreserven über -effizienz. In Gegenanstiegen greift die Fahrwerksautomatik jedoch zuverlässig ein und treibt den Fahrspaß auf abwechslungsreichen Trails nach oben. Insgesamt sympathisiert das neue Blur auch im Race-Aufbau mit dem Fun-orientierten Downcountry-Einsatz. Im Vergleich zu anderen Bikes dieses Zwitter-Feldes wiederum darf sich das Blur durchaus als schnelles Short-Travel-Modell bezeichnen. Das Bike tanzt zwischen den Welten. Das macht auch abseits der Rennstrecke Laune und weckt die Neugierde für den eigentlichen Downcountry-Aufbau der Kalifornier.
| Kategorie XC-Fullys | Gewichtung | Note |
| Uphill Fahrverhalten | 15 % | 2,5 |
| Uphill Effizienz Fahrwerk | 15 % | 3,0 |
| Spieltrieb | 8 % | 2,3 |
| Downhill Fahrverhalten | 12 % | 1,3 |
| Downhill Fahrwerk | 15 % | 1,3 |
| Note Fahrverhalten | 65 % | 2,1 |
| Gewicht | 6 % | 2,3 |
| Trägheit Laufräder | 4 % | 2,5 |
| Note Labor | 10 % | 2,4 |
| Ausstattungsqualität | 5 % | 0,8 |
| Usability / Mehrwert | 5 % | 2,3 |
| Transportvolumen Flaschenhalter | 5 % | 1,0 |
| Versenkbarkeit Sattel | 5 % | 1,0 |
| Qualität / Verarbeitung | 5 % | 0,5 |
| Note Ausstattung | 25 % | 1,1 |
| BIKE-Note | 100 % | 1,9 |
Das BIKE-Bewertungssystem ist preisunabhängig und richtet sich nach dem Schulnotensystem.
Wie seht ihr das: Sucht ihr als Cross-Country-Fahrer lieber die besten Werte aus dem Labor oder könnt ihr ein vielseitiges Bike, wie das Santa Cruz Blur wertschätzen? Schreibt es uns in die Kommentare!

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