Jan Timmermann
· 15.10.2026
In kaum einer anderen Mountainbike-Disziplin spielt das Gewicht noch eine so zentrale Rolle wie im Marathon- und Cross-Country-Rennsport. Bei Race-Fullys bleibt ein guter Wert an der Waage ein entscheidendes Entwicklungsziel. Dabei sind moderne XC-Bikes längst nicht mehr mit den minimalistischen Rennmaschinen vergangener Generationen vergleichbar: Mehr Federweg, höhere Reserven und deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten haben die Anforderungen an das Fahrwerk und den Rahmen spürbar erhöht.
Einen besonders leichten Vollcarbon-Rahmen zu konstruieren, der diesen gestiegenen Ansprüchen trotzdem gerecht wird, gehört deshalb nach wie vor zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Rahmenbau. Entscheidend ist dabei nicht allein, möglichst viel Material einzusparen. Vielmehr kommt es darauf an, das Carbon gezielt dort einzusetzen, wo es für Steifigkeit, Belastbarkeit und die Funktion des Hinterbaus tatsächlich benötigt wird. Gleichzeitig müssen sensible Bereiche ausreichend Reserven für harte Renneinsätze bieten. Erst wenn es gelingt, diese unterschiedlichen Anforderungen ohne Kompromisse bei Haltbarkeit, Fahrwerkseigenschaften oder Steifigkeit miteinander zu verbinden, entsteht ein wirklich leichtes und zugleich vollwertiges Race-Fully. Wir veröffentlichen unsere Messungen aus dem BIKE-Testlabor und zeigen die zehn leichtesten Fully-MTB-Rahmen des Planeten.
Ich finde es gut, dass Cross-Country-Rahmen wieder leichter werden. Meiner Testerfahrung nach büßen sie dabei nicht einmal an Fahrkompetenz ein. Besonders niedrig sind die Rahmen bei Specialized und Arc8 aber auch Canyon, Scott und Giant bauen erfrischend leichte Fahrgestelle. Wer bereit ist viele tausend Euro für ein Racebike in die Hand zu nehmen, sollte vorher bei BIKE Rahmengewichte vergleichen. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Als einziges Fachmedium der Welt betreibt BIKE ein eigenes Testlabor mit in der Industrie anerkannten Prüfständen. Niemand sonst macht sich in vergleichbarem Maßstab die Mühe Mountainbikes bis ins Detail zu vermessen. Bei Fahrrädern der Cross-Country-Disziplin gehört dazu auch die Ermittlung des Rahmengewichts. Natürlich bekommen auch wir bei BIKE nicht jedes Testbike in beliebig vielen Rahmengrößen. So kommt es, dass ein Racebike mal in L, mal in XL ins Testlabor rollt. Deshalb führen wir Rahmengewichte getrennt nach der Größe des Fahrgestells auf. Der Datensatz zur Rahmengröße L ist dabei jedoch deutlich größer. Deshalb nennen wir hier die Top-Ten. Zur Einschätzung: Zwischen den Größen liegen je nach Hersteller und Modell meist 100 bis 200 Gramm Gewichtsunterschied. Kleine Rahmen bauen natürlich leichter als große.
Für eine möglichst faire Vergleichbarkeit haben wir sämtliche Rahmen unter identischen Bedingungen gewogen. Nicht berücksichtigt wurden Züge, Dämpfer sowie Tretlager- und Steuersatzlager oder andere Anbauteile. Steckachse, Schaltauge, verklebte Rahmenprotektoren und sämtliche zum Rahmen gehörenden Befestigungsschrauben – beispielsweise für Flaschenhalter – flossen dagegen in das ermittelte Gewicht ein. Bei Modellen mit bereits eingepressten Steuersatzschalen wurden auch diese mitgewogen.
| Modell | Preis | Komplettgewicht | Rahmengewicht |
| Specialized S-Works Epic 9 (XL) | 14.499 Euro | 9,9 kg | 1590 g |
| Canyon Lux World Cup CFR X0 AXS (XL) | 5999 Euro | 11,3 kg | 1641 g |
| Scott Spark RC World Cup Evo (XL) | 12.499 Euro | 10,1 kg | 1773 g |
| Giant Anthem Advanced SL SE (XL) | 12.499 Euro | 11,1 kg | 1836 g |
| Santa Cruz Blur XX AXS Race RSV (XL) | 12.499 Euro | 11,6 kg | 2061 g |
| Modell | Preis | Komplettgewicht | Rahmengewicht |
| Arc8 Evolve FS (L) | 8999 Euro | 9,8 kg | 1536 g |
| Specialized S-Works Epic World Cup (L) | Verkauf eingestellt | 9,6 kg | 1577 g |
| Giant Anthem Advanced SL 0 (L) | 9499 Euro | 10,6 kg | 1640 g |
| Trek Supercaliber 9.9 XX AXS Gen 2 (L) | 11.499 Euro | 9,9 kg | 1672 g |
| Yeti ASR T3 (L) | 9500 Euro | 11,2 kg | 1675 g |
| Canyon Lux CFR (2024, L) | Verkauf eingestellt | 10,0 kg | 1675 g |
| Specialized S-Works Epic 8 FACT 12M (L) | Verkauf eingestellt | 10,4 kg | 1682 g |
| BH Lynx SLS 8.5 (L) | 6299 Euro | 11,2 kg | 1693 g |
| Scott Spark RC World Cup (2024, L) | Verkauf eingestellt | 11,4 kg | 1780 g |
| Specialized Epic Evo 8 Fact 11M (L) | Verkauf eingestellt | 12,4 kg (Trail-Aufbau) | 1875 g |
Jahrelang beschwerten sich BIKE-Leser über immer schwerere Mountainbikes. Obwohl sich die Hersteller im Cross-Country-Bereich um geringe Gewichte bemühten, trugen Steifigkeits- und Haltbarkeits-Bedenken schwere Früchte. Heute spricht manch Rahmenbau-Ingenieur rückblickend von “Over-Engeneering”. Die Rückkehr zu alten Leichtbau-Werten ist zum Beispiel am Specialized S-Works Epic 9 zu erkennen. Das Modell ersetzt das Epic 8 ebenso wie das Epic 8 Evo und das Epic World Cup. Selbst in Größe XL bleibt der sündhaft teure Carbonrahmen der Kalifornier extrem leicht. Dafür wurden Rahmenstaufach und konventionelle Leitungseingänge wegrationalisiert. In einer speziellen Leichtbau-Version verspricht Specialized übrigens Gewichte ab 8,3 Kilo.
Beeindruckend erscheint die Ingenieursleistung von Canyon. Die Koblenzer schaffen es nicht nur einen richtig leichten Rahmen an deutlich günstigeren Bikes als die Konkurrenz anzubieten, der neue Lux World Cup CF Rahmen wiegt sogar in Größe XL weniger als der bereits leichte Vorgänger in L. Auch das neue Scott Spark RC baut am Rahmen in Größe XL sogar minimal leichter als sein Vorgänger in Größe L. Dabei setzen die Schweizer jedoch im Gegensatz zu Specialized und Canyon auf die volle Ladung in den Rahmen integrierte Features. Das einzige aktuelle Racebike, das wir in beiden Rahmengrößen vermessen konnten, ist das Giant Anthem Advanced SL. Es setzt sich in beiden Größen in die Top-Five und legt von Größe L zu Größe XL knapp 200 Gramm zu. Dabei gilt stets zu bedenken, dass alleine eine andere Lackierung gerne mal 120 Gramm Gewichtsunterschied bringen kann.
Wie seht ihr das: Ist euch das Rahmengewicht beim Kauf eines Cross Country Mountainbikes wichtig oder achtet ihr lieber auf andere Dinge? Schreibt es uns in die Kommentare!

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