Das Thok All.One Gone ist kein klassisches Bikepacking-E-Bike mit Mountainbike-Anleihen. Es ist vielmehr ein vollwertiges E-Mountainbike mit progressiver Abfahrts-Geometrie, das sich dank seines Aeroe-Trägersystems auch für mehrtägige Touren ausrüsten lässt. Genau darin liegt sein besonderer Reiz: Fahrerinnen und Fahrer müssen sich nicht zwischen Trail-Performance und zusätzlichem Stauraum entscheiden. Kompromisse muss man trotzdem eingehen: Fahrwerks-Komponenten, Bremsen und Schaltung kommen aus der günstigen Ecke.
Anders als viele speziell für Reisen entwickelte Bikepacking-Räder wurde das Konzept des Thok All.One Gone nicht von einem Touring-Bike abgeleitet. Das Bike basiert auf dem bekannten All.One-Rahmen und erweitert dessen Einsatzbereich um mehr Transportkapazität für Mehrtagestouren und Bikepacking-Abenteuer. Thok nimmt also ein modernes E-All-Mountain als Ausgangspunkt und ergänzt es um ein solides Gepäckträgersystem. Grobstollige Reifen, 150 Millimeter Federweg an der Front, ein flacher Lenkwinkel und der kräftige Bosch-Antrieb machen klar: Das All.One Gone soll auch mit Gepäck zuerst auf Trails überzeugen.
Technische Basis des All.One Gone ist ein Rahmen aus 6061-T4/T6-Aluminium mit 140 Millimetern Hinterbau-Federweg. Dazu verbaut Thok eine günstige SR Suntour XCR36 mit 36-Millimeter-Standrohren und 150 Millimetern Federweg. Die Geometrie ist über einen Flip-Chip in zwei Positionen verstellbar. In der Low-Position flacht der Lenkwinkel von 64,5 auf 64 Grad ab. Gleichzeitig fällt der effektive Sitzwinkel mit 77,7 beziehungsweise 77,2 Grad für gute Kletter-Performance recht steil aus.
Mit einem Reach von modernen 475 Millimetern in Größe L, langem Radstand, aber mit 416 Millimeter extrem kurzen Kettenstreben soll Wendigkeit in engen Kehren mit Fahrstabilität in schnellen Passagen kombiniert werden.
Der wesentliche Unterschied zum regulären All.One ist das Transportsystem von Aeroe: vorn Aeroe Spider Front Rack und Pannier Receiver (Gepäckträger-Aufsatz), hinten kommen Spider Rear Rack und Cradle (Gepäckträger-Halterung) zum Einsatz. Die Konstruktion soll die Ausrüstung auf Front und Heck gleichmäßig verteilen, was gerade bei schwerer Ausrüstung auf langen Touren hilfreich ist.
Für Unterstützung sorgt der aktuelle Bosch Performance Line CX mit bis zu 120 Newtonmetern Drehmoment. Die Energie liefert ein im Unterrohr integrierter Bosch PowerTube mit 800 Wh. Das ist eine großzügige Akkukapazität für ein All-Mountain-E-MTB und passt zum Anspruch, auch längere Etappen abseits von Lademöglichkeiten bewältigen zu können. Zusätzlich ist das System mit dem optionalen Bosch PowerMore Range Extender mit 250 Wh kompatibel. Damit steigt die theoretisch verfügbare Kapazität auf bis zu 1050 Wh.
Als Bedieneinheit verbaut Thok das Bosch Purion 200 mit 1,6-Zoll-Farbdisplay. Das kompakte Display ist in die Lenkerbedienung integriert und richtet sich an Fahrer, die die wichtigsten Fahrdaten und Unterstützungsstufen direkt im Cockpit abrufen möchten.
Beim Fahrwerk setzt Thok auf SR Suntour. Die XCR36-Gabel besitzt ein 36-Millimeter-Chassis und eine einstellbare Zugstufe. Hinten arbeitet ein speziell für Thok abgestimmter Raidon-R-Dämpfer – eine eher funktionale als luxuriöse Kombination. Gleiches gilt für die Bremsanlage und den Antrieb: die Tektro HD-M5141 Vierkolbenbremsen liegen eher im günstigen Regal, ebenso die Tektro Orion M6000-Schaltkomponenten.
Thok verbaut zudem eigene Drift-Laufräder in 29 Zoll mit 30 Millimetern Innenmaulweite. Dazu kommen Maxxis Dissector Reifen in 29 x 2,4 Zoll mit EXO-Karkasse und Tubeless-Ready-Ausführung. Die X-Fusion Manic LC Vario-Sattelstütze bietet in Rahmengröße L 150 Millimeter Hub.
Mit einem Preis von 4750 Euro liegt das Thok All.One Gone 260 Euro über dem Einstiegspreis des regulären All.One. Der Aufpreis umfasst vor allem das Aeroe-Trägersystem. Gemessen an Motor, Akkukapazität, Federweg und Bremsanlage zielt das Rad auf Fahrer, die ein vielseitiges E-MTB suchen, aber Kompromisse in Sachen Ausstattung machen können. Damit adressiert Thok eine Nische zwischen klassischem All-Mountain, E-Bikepacking und alpinem Tourenrad.

Chefredakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.